Predigt zur Jahreslosung

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6
Liebe Gemeinde!
Das ist die Jahreslosung 2018. In ihr geht es um Existenzielles.
Jeder von uns kennt Durst. Unser Körper besteht schätzungsweise aus achtzig Prozent Flüssigkeit. Ein durchschnittlicher deutscher Mann besteht aus etwa 68 Kilo Wasser, eine Frau circa 63 Kilogramm. Abgesehen von Gehirn, den Knochen und ein paar Organen sind wir wandelndes Wasser.
Wir brauchen nur mit dem Trinken aufzuhören und abzuwarten, was geschieht: Wir können nicht mehr klar denken, bekommen Kopfschmerzen, die Haut wird welk und lebenswichtige Organe schrumpfen. Unsere Augen brauchen Tränenflüssigkeit, ohne Feuchtigkeit im Mund können wir nicht schlucken, unsere Zellen werden vom Blut am Leben gehalten und unsere Gelenke werden von Flüssigkeit geschmeidig gehalten. Wasser ist lebensnotwendig.
Unser Schöpfer hat uns mit Durst ausgestattet – einem „Flüssigkeitsmangelanzeiger“. Wenn unser Flüssigkeitspegel sinkt, leuchten die Warnsignale auf: trockener Mund, dicke Zunge, benommener Kopf, schwache Knie. Unser Körper teilt uns mit, wenn wir nicht genügend Flüssigkeit haben.
Unsere Seele teilt uns auch mit, wenn wir sie nicht genügend mit geistlichem Wasser versorgen. Vertrocknete Herzen senden verzweifelte Botschaften aus: Unausgeglichenheit, innere Unruhe, Schuld und Angst. Glauben wir wirklich, Gott will, dass wir damit leben? Hoffnungslosigkeit, Schlaflosigkeit, Bitterkeit, Reizbarkeit und Unsicherheit sind Warnzeichen, Symptome einer inneren Trockenheit. Auch Neid und Eifersucht weisen auf einen Mangel hin.
Vielleicht haben wir das alles noch nie so gesehen. Wir haben angenommen, dass diese Dinge irgendwie zum Leben dazu gehören. Dass wir das alles eben so hinnehmen müssen und eigentlich nichts dagegen unternehmen können. Doch wie wäre es, wenn wir das als einen inneren Durst, der gestillt werden will betrachten– eben als Hinweis, dass etwas in uns an Trockenheit leidet?
Die Angebote, diesen Durst zu stillen, sind ja scheinbar unbegrenzt. Aber es ist wie in schlechter Werbung: da werden Dinge versprochen, die keiner halten kann: Autos vermitteln Freiheit, Parfums Lebensglück usw.
Karriere und Anerkennung, Gesundheit, die Erfüllung eines Lebenstraumes, Partnerschaft und Familie – ist das allumfassendes Glück? Das ist auch beglückend, sicherlich – aber der Seele fehlt mehr. Manche versuchen es mit immer neuen Beziehungen, oder ein Event überbietet das vorige. Manche versuchen es mit einem alternativen Lebensstil bis hin zur Askese. Vieles passiert unbewusst. Das merken wir spätestens dann, wenn die Quellen versiegen, aus denen wir schöpfen. Wenn unsere Gesundheit wackelt, Beziehungen scheitern, Sicherheiten wegbrechen. Manchmal regt sich erst dann die Frage: Aus welchen Quellen lebe ich?
Jesus hat diese Frage einmal einer Frau gestellt – zumindest indirekt. Das Gespräch findet an einem Brunnen in Samarien statt. Jesus ist allein. Abgespannt und müde ist er von seiner Reise. Es ist um die Mittagszeit. Die Hitze macht ihm zu schaffen. Er hat Durst, kann ihn aber nicht stillen. Zwar lehnt er an einem Brunnen, doch das Quellwasser befindet sich in unerreichbarer Tiefe. Nur mit einem Eimer, den man ins Brunnenloch runterlassen kann, gelangt man an das frische Nass.
Aus dem Dorf kommt eine Frau heran. Sie trägt einen Wassereimer mit sich. Jesus wendet sich an diese Frau mit der Bitte: „Gib mir zu trinken!“ Er möchte seinen körperlichen Durst stillen und braucht dazu die Hilfe dieses Menschen. Hier ist uns Jesus ganz nah. Er weiß, wie uns zumute ist, wenn wir erschöpft und müde sind, wenn wir an unsere Grenzen stoßen und Hilfe brauchen. Er ist ja selbst einer von uns geworden, um uns nahe zu sein, uns zu verstehen und uns zu begegnen.
„Gib mir zu trinken!“ bittet er. Doch im Laufe des Gespräches am Brunnen geht es Jesus nicht um seinen leiblichen Durst, sondern um die seelische Situation der Frau, die zum Wasserschöpfen gekommen ist.
Jesus „durchschaut“ ihr Leben. Er sieht, dass sie – bewusst oder unbewusst – Sehnsucht nach erfülltem und ewigem Leben hat. Er erkennt
• ihren Durst nach Vergebung und Frieden,
• ihren Durst nach Halt und Geborgenheit,
• ihren Durst von jemanden geliebt und angenommen zu sein,
• ihren Durst nach Heil und Ewigkeit.
Jesus sieht nicht nur das, was andere Menschen bei uns entdecken. Er kennt meine geheimen Wünsche und Sehnsüchte. Er sieht, was mir im Tiefsten fehlt. Er sieht meinen Durst nach Leben und kennt mein Herz, das nach Leben schreit.
Genau darauf zielt Jesus, als er der Frau am Brunnen verspricht: Wenn du mich bitten würdest, ich gäbe dir lebendiges Wasser. (nach Joh 4,10)
Lebendiges Wasser. Jesus redet von Wasser, das den Durst unserer Seele stillt und unser vertrocknetes Herz befeuchtet. Lebendiges Wasser: Gemeint ist das Heil, das bei Gott zu finden ist und durch Jesus Christus geschenkt wird. „Wenn jemand Durst hat, komme zu mir und trinke!“ (Joh 7,37) ruft er uns zu.
Jesus kann für unser Herz das tun, was H2O für unseren Körper tun kann. Er hält es geschmeidig, bewässert es, erweicht das Verkrustete. Wie Wasser kann Jesus tiefe Schichten erreichen. Jesu Geist fließt in unserer Seele und verbreitet Heil, so dass Ängste schwinden und Kummer nicht mehr so bohren kann. Er tut für unsere Seele das, was Wasser für unseren Körper tut.
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Dieses Versprechen aus der Offenbarung an Johannes greift die Rede Jesu vom lebendigen Wasser auf. Am Ende aller Tage, wenn weder Geschrei, noch Schmerzen mehr sein werden und alle Tränen getrocknet sind, wird es lebendiges Wasser für alle geben, Wasser des Heils. Dann werden wir Gott nah sein.
Unser Durst nach Leben wird dann für immer gestillt sein.
Dieses Wasser aus der Quelle des Lebens gibt es umsonst. Gratis. Und das ist nicht erst im Himmel so. Jesus schenkt sich aus Gnaden. Heil und Leben, seelischen Trost und Frieden, bekommen wir von Gott geschenkt. Bezahlen brauchen wir nicht. Könnten wir auch gar nicht. Womit denn? Jesus schenkt sich uns als Wasser des Lebens.
Schon der Kirchenvater Augustin sagte: „Mein Herz ist unruhig in mir, bis es Ruhe findet, Gott, in dir“. Vom lebendigen Wasser schöpfen und in das verdorrte Innere hineinfließen lassen. Das geschieht, wenn wir Gott an und heranlassen und in uns. Wenn wir beten, im Gottesdienst oder zuhause, beim Bibellesen oder Stille halten vor Gott.
Wenn es um den Durst der Seele geht, empfiehlt sich dieses Gebet von Martin Luther.
Siehe, Herr, ich bin ein leeres Gefäß,
das bedarf sehr, dass man es fülle.
Mein Herr, fülle es,
ich bin schwach im Glauben; stärke mich,
ich bin kalt in der Liebe. Wärme mich und mache, dass meine Liebe herausfließe auf meinen Nächsten.
Ich habe keinen festen, starken Glauben, ich zweifle zuzeiten und kann dir nicht völlig vertrauen.
Ach Herr, hilf mir, mehre mir den Glauben und das Vertrauen.
Alles, was ich habe, ist in dir beschlossen.
Ich bin arm, du bist reich und bist gekommen, dich der Armen zu erbarmen.
Ich bin ein Sünder, du bist gerecht.
Hier bei mir ist die Krankheit der Sünde, in dir aber ist die Fülle der Gerechtigkeit. Darum bleibe ich bei dir, dir muss ich nicht geben: von dir kann ich nehmen.
Amen