Predigt zu Sacharia 9,9

Predigt
Liebe Gemeinde,
als Kind haben wir gerne das Spiel gespielt: Ich sehe was, was du nicht siehst. Je größer die Kinder werden, desto kleiner werden die Gegenstände und die Farbe, um die es geht. Für Erwachsene wird das Spiel dann auch schwieriger.
Was im Kinderzimmer bitte ist goldfarben? Die Spielzeugkrone? Nein. Die Keksdose? Nein. Der Knopf an der Jacke? Nein, hihi.
Immer wenn wir nicht weiterwissen, sagen wir dem Rätselgeber: Gib uns einen Tipp! – Nun, es hat etwas mit der Tür zu tun. – Goldfarben? Die Türklinke? Nein. Die Türangeln? Nein. Dann sag’s doch endlich! Und dann zeigt der Kinderfinger auf die Ritzen in den Schraubenköpfen, mit denen die Beschläge von Schloss und Klinke an der Türe befestigt sind. Ich sehe was, was du nicht siehst.
Advent macht aus diesem Spiel Ernst. Advent ist die Anwendung dieses Kinderspieles für uns Erwachsene. „Siehe, dein König kommt zu dir.“ Welcher König? – Donald Trumpp, der König der Sprüche – nein. Martin Schulz – der Königsmacher von der SPD – der auch nicht. Nein, hihi. Dann gib uns einen Tipp! – Nun, der König der zu dir kommt ist gerecht und hilft“
Wer soll denn das sein? So einen König gibt es nicht, denken wir. Doch einen gibt es sagt die Bibel, du musst nur genau hinschauen. Er hat die Tür zum Himmelreich einen Spalt geöffnet, deshalb können wir hineinspähen und etwas ahnen von der Weihnachtsherrlichkeit, die uns alle einmal erwartet.
Dein König kommt. Dieser König hat es nicht mit der Macht zu tun, die wir sonst so sehen. Es geht nicht um Gewalt und Durchsetzung mit Erpressung, Drohung oder anderen Versuchen, uns mit Druck zu etwas zu bringen. Eigentlich funktioniert so ja Erziehung – meine ich - immer noch. Wenn du schön aufräumst, dann belohne ich dich durch Zuwendung, wie dann machen wir etwas Schönes miteinander.
Wenn du schön artig bist, dann hat dich Papi lieb, - auch der himmlische?
Nein, der himmlische, der ist ein Backofen voller Liebe. Er hat so viel davon, dass es geradezu aus der roten Tür herausströmt und uns einfach so beschenkt.
Er ist der König der Herzen. Er will dahineinkommen und mit seinem Licht überall da, wo es in uns dunkel ist und kalt, warm werden lassen und hell.
Sanft und freundlich kommt er, ganz anders als die Herrschenden unserer Welt. Sanft zeigt er uns den richtigen Weg. Vorsichtig klopft er uns auf die Schulter und bestärkt uns, weiter zu machen mit Glauben, Liebe und Hoffnung säen. Dieser König ist so anders, so viel besser. Er ist ein König der Kinder, nimmt sie auf seine Arme und gibt ihnen die Liebe, die ihnen guttut. Das gilt auch für seine großen Kinder – alle die zur Familie Gottes gehören sind eingeschlossen. Er kommt als König der Menschen, die von anderen ausgeschlossen werden. Die Außenseiter, die Originellen, die Eigenwilligen, die anecken und anders sind, denen zeigt er, dass sie zur Familie Gottes dazugehören. Er integriert und lädt ein, auch da wo wir meinen, das ginge nun gar nicht.
Er kommt als König der Unvollkomenen. „Sünder“ sagte man zu biblischen Zeiten zu solchen Leuten. Er verurteilt nicht, sondern schenkt immer neuen Anfang, der uns guttut.
Wir alle kommen nicht durch das Leben als Perfekte – keiner von uns. Wir verletzen manchmal durch dahingesagte Worte, wir leben nicht ökologisch korrekt, wir bemühen uns um den aufrechten Gang – aber nicht immer gelingt es uns. Das weiß er und schätzt es, wenn wir uns bemühen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Dein König kommt zu dir. Er kommt wie bei dem Kinderspiel. Nicht plakativ und mit Pomp, sondern eher wie ein kleines Licht, das jemand in der Dunkelheit angezündet hat. Und doch macht es hell.
Eben sanft und vorsichtig, zurückhaltend und werbend. Dein König kommt zu dir. Einer der es persönlich mit mir meint, der mich wahrnimmt und würdigt. Nachdem damals der Prophet Sacharia den König ankündigt, war die Erwartung riesig. Sein Eintreffen sollte eine Riesenfreude für Jerusalem sein. Da käme endlich einmal 'der Richtige' an die Macht. Und damit wäre allen 'geholfen'. Eigenartig aber, in welcher Aufmachung dieser König erscheinen soll. Sacharja sagt: Man wird ihm ansehen, dass er „arm“  ist (und sich z. B. Markenkleidung nicht leisten kann). Und er reitet nicht einmal auf 'hohem Ross', sondern kommt auf dem „Esels“-Rücken daher. Das war für einen König geradezu lächerlich, so dass es das meinen muss, dass er als einfacher Mensch zu einfachen Menschen kommen möchte. Nicht von oben herab erreicht uns sein Wort, sondern in Augenhöhe.
Jerusalem war damals von außen mindestens genauso bedroht wie heute. Der Prophet zählt Nachbarvölker auf, die Israel am liebsten wieder von der Landkarte gestrichen und die Juden ins Meer getrieben hätten. Was konnte da ein König ausrichten, der arm und waffenlos daherkommt? War er nicht von vornherein unterlegen? Konnte das 'der Richtige' sein? War von ihm Hilfe zu erhoffen? -
Ein paar Jahrhunderte nach Sacharia erfüllte sich dieses Wort als Jesus in Jerusalem einzog: das Passah-Fest stand bevor; die Stadt war von Pilgern überfüllt. Da ritt, von einem Pulk von Anhängern begleitet, Jesus auf einem Esel in die Stadt. Diesen Esel hatte er erst kurz zuvor eigens für diesen Einritt gemietet. Manchem Zuschauer mag 'gedämmert' haben, was er damit sagen wollte. Der Evangelist Matthäus merkt an, dass sich dadurch die Prophezeiung Sacharias erfüllte. Laut Johannes wurden am Straßenrand Stimmen laut, die riefen: Das ist „der König von Israel“ (12,13). Aber dieser König hatte nicht im Sinn, einen Staat gegen Feinde zu verteidigen. Sein Ziel war es vielmehr, den Konflikt zwischen Gott und den Menschen beizulegen und allen zu zeigen, dass Gott uns auf seinem Herzen trägt.
Bist Du jemand, der gerne die Wohnung weihnachtlich gestaltet, oder ist das eher nicht so dein Ding?
Also, ich benötige immer etwas Zeit, um mich auf diese Adventszeit einzulassen. Manchmal fliegen diese Tage auch einfach nur so vorüber und so richtig Weihnachtsstimmung stellt sich schwer ein.
Trotzdem bin ich sehr froh, dass jedes Jahr neu die Chance besteht, von diesem Retter zu erzählen, der in Bethlehem geboren wurde.
Lange vor Jesu Geburt sagte der Prophet auch für mich und dich: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Sacharja 9,9
Mir gefällt diese Zusage. Denn egal, ob ich das jetzt gerade so empfinde oder ob mir danach ist oder ob ich im Weihnachtsstress abgetaucht bin, dieser König kommt. Er kommt zu uns. Zu mir.
Gott macht sich auf den Weg zu mir. Klar, das passiert natürlich an Weihnachten. Gott wird Mensch. Doch das alleine war es nicht. Gott kommt auch als ein Gerechter und Helfer. Als einer, der mir beisteht und mich ermutigt.
Und deshalb freue ich mich auf Weihnachten, um genau das zu erleben: Gott kommt zu mir. Er lässt sich nicht aufhalten und er hilft mir.
Ich bin gespannt darauf, wie ich in dieser Advents- und Weihnachtszeit Gott begegnen werde.