Predigt zu 1. Korinther 1, 26-31

Predigt 1. Kor 1, 26-31
26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. 27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; 28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, 29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme. 30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, 31 damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9,22-23): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«
Liebe Gemeinde: sind wir das? Törichte, Schwache, Geringe, Verachtete? Seht auf eure Berufung ruft Paulus uns zu und wenn wir uns so umsehen, fühlen wir uns wohl eher den Weisen, Mächtigen und Angesehenen zugehörig - oder? Das eigene Lebensgefühl - sagt es uns nicht: es geht mit ganz gut, ich bin etwas wert, ich kann etwas, ich bin freundlich und nett und liebenswert. Ich habe Macht und Einfluss, zumindest doch auf mein eigenes Leben. Wer sind wir wenn es um unser Verhältnis zu Christus geht, wenn es um unsere Berufung geht? Schauen wir auf den Glauben, in den wir hineingerufen sind. Eine Geschichte derer, die durch Gottes Handeln gerühmt werden. Gott macht sie groß. So hörten wir im Evangelium wie der, der unser Heiland ist, im Jordan getauft wurde. Er kam zu Johannes und der ließ es geschehen. Kaum dass er aktiv war. Auch Johannes taufte gewissermaßen passiv, denn das entscheidende war Gottes Handeln. Der Geist fährt herab und Gott bestätigt vor aller Welt Jesu Berufung. Dies ist mein lieber Sohn!
Da war Abraham zu Beginn aller Geschichte. Ein Mann, der zwar reich war und angesehen, aber aus all dem herausgerufen wurde in ein neues Leben und ein unbekanntes Land. Er musste das, was ihm Ansehen verschaffte verlassen und aufgeben um des neuen willen, das Gott ihm verhieß. Von dem verheißenen Land bekommt er nur ein Angeld - und was für eines: Er erwirbt eine Grabstätte für seine Frau, die ihm, dem kinderlosen, im hohen Alter noch einen Sohn geboren hat. Wenn wir heute von ihm erzählen, dann nicht wegen seiner Taten, wegen seines Ansehens oder Erfolges, sondern wegen seines Antwortens auf Gottes Tun. Gott schafft neue Maßstäbe. Nicht die Größe von Abrahams Herde ist entscheidend, sondern die Güte seines Herzens, mit dem er sich für die Menschen von Sodom einsetzt, unter denen doch sicher mindestens 10 Gerechte zu finden sein müssten. Nicht das Können und eigene Geschick ist ausschlaggebend dafür, dass Abraham zum Vater des Glaubens wurde, sondern sein Vertrauen in Gott, der ihm Zukunft verheißen und zugesagt hat und dem er folgt.
Da war Jakob, der jüngere von zweien und doch der, den Gott erwählt hat. Nicht weil er klug und geschickt war, sondern weil Gott ihn erwählte berichten wir davon wie klug und geschickt er war. Josef, der zweitjüngste seiner Söhne, der 12 Brüder und doch der, der am Ende - durch Gottes Erwählen - alle retten kann. Die eigene Familie und all die Ägypter, die sonst verhungert wären.
Da war Mose, ein Knabe, ins Wasser gesetzt und unter Fremden großgezogen, mit einem Sprechfehler und auch sonst ein eher ungünstiger Charakter. Ihn erwählte Gott zum Retter seines Volkes - darum und dafür erzählen wir von ihm.
Da war David, der jüngste Sohn von Isai, zu klein für den Krieg, musisch begabt und zart. Ihn erwählt Gott zu seinem König. Ihn lässt er Jerusalem zur Hauptstadt machen, das kleine Bergnest der Jebusiter, das es vorher war.
Liebe Gemeinde, von wem auch immer die Bibel erzählt: Gott wird gerühmt um SEINER Taten an den Menschen willen. Und nicht, weil die Menschen so toll sind, deren Geschichte mit IHM uns zum Zeugnis wird.
Seht auf eure Berufung - ermahnt uns Paulus. Es geht nicht so sehr darum, ob wir uns weise oder mächtig fühlen, es geht darum, was wir durch ihn werden. Denn der Glaube verändert den Menschen. Wir werden weise und gerecht und heilig und erlöst durch ihn. Und dann unterscheiden wir uns wirklich von der Welt. Das was wir in der Welt sind bleibt irgendwie äußerlich. Es ist das Sichtbare: der Beruf, die Wohnung, die Freunde, die Habe, der Ruf. Um all das zu sein und zu haben braucht es nicht den ganzen Menschen. Es reicht, wenn wir sozusagen die bessere Hälfte unseres Ichs dafür benutzen. Uns überwinden, Gutes zu tun, weil es sinnvoll oder nützlich ist. Uns anstrengen, etwas zu erreichen. Aber wenn Gott uns beruft, uns mit seiner Liebe entgegenkommt, dann gilt es. Dann liegt mein Leben offen vor ihm, dann fordert Gott mein Herz. Denn er hat seinen Sohn für uns zur Weisheit und zur Erlösung gemacht, weil ER uns liebt. Gottes Liebe zu uns ist das erste. Sie schlägt uns entgegen und ruft uns dazu auf, dass wir diese Liebe erwidern.
Liebe ist überströmende und schrankenlose Hingabe. Sie ist Bewegung meines ganzen Wesens und sie kann nur dann wirklich werden, wenn mir ebensolche Liebe entgegenkommt. Und das geschieht in Jesus Christus. Da ist der, in dem Gott selbst den Menschen nahe kommt, dessen Auftrag und Berufung und sichtbaren Geist er in der Taufe aufleuchten lässt. Der Gottheld, Friedefürst, Wunderrat. Der, der stirbt, in dem es Gott selbst zerreißt um meinetwillen, damit ich nicht verloren bin. Damit es nicht alles gewesen ist, was ich vor den Menschen bin. Damit ich ganz sein kann. Dafür wird Gott Mensch und ist in Jesus Christus so bei mir, dass mir der Himmel offen steht. Dafür ist er auferstanden und hat mich teuer erworben.
Wer sind wir vor Gott? Wir sind solche, die Gott ohne unser Zutun schon geliebt hat. Solche, um deretwillen er die Welt gemacht hat und um deren Heil und Erlösung willen Gott sich selbst einsetzt. Wir sind solche, die das Wunder dieser Liebe zum Anlass nehmen, Gott zu rühmen. Sich in Seine Arme zu werfen und an seiner Gnade zu wärmen. Solche, die in dem Hören auf dies Evangelium schon Milch und Honig des ewigen Reiches Gottes schmecken können. Ein Vorgeschmack des Himmels. Wir sind Menschen, die durch Gottes Liebe geadelt sind. Neu werden und dazu angetrieben eben diese Erfahrung auch in unserem Leben wirken zu lassen. Es ist der Sonntag der Erleuchtung dieser erste Sonntag nach Epiphanias. Gottes Geist wird ganz öffentlich sichtbar bei Jesu Taufe. Und er wird sichtbar in unserer Berufung. Wir sind schon verwandelte - auch wenn es uns selbst manchmal nicht so vorkommt. Aber dann hilft es, sich klar zu machen - nicht um mein Wirken oder Fühlen oder Verstehen geht es. Es geht allein ums Antworten, ums Geschehen-lassen. Nur darum zu schmecken und zu hören und für mich gelten zu lassen, dass Gott mich liebt und ich um Christi willen zu ihm kommen kann. Diesem Morgenstern, der hell macht, was dunkel ist. Er erlöst, was verloren ist. Er macht heil, was zerbrochen ist. Und dann kann man singen wie in dem folgenden Lied vom Licht in der Finsternis, vom Lebensquell der Leben bringt und von der ewigen Wahrheit, die uns den Vater enthüllt.
Amen