Predigt zu Psalm 31, 9

 

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum “ Psalm 31, 9

Liebe Alicia, Hannah, Danielle, Carolina, Lea, Moritz und Justin,
Liebe Eltern und Geschwister, Paten, Großeltern liebe Angehörige und Freunde

Liebe festliche Gemeinde,
wir haben guten Grund zu feiern, Konfirmation, das heißt auf Deutsch Befestigung oder Bestärkung. Sieben junge Leute voller Energie, auf dem Weg ins Leben. Und ihr seid zur Zeit dabei festzulegen, was in eurem Leben gelten soll, was tragendes Gerüst sein kann. Der Konfirmandenunterricht sollte dabei unterstützen.

Wir alle tragen dazu bei, dürfen mit euch unterwegs sein euch begleiten, manche schon ein Leben lang Eltern und Großeltern, Paten.

Und es war für mich als Euer Pfarrer ein Vorrecht, euch in den vergangenen Monaten im Konfirmandenunterricht kennenzulernen, Glauben zu teilen und mit euch zu überlegen, was tragen kann. Christliche Werte tragen gut!

Ich möchte euch ein Wort aus Psalm 31,9 mit auf den Weg geben: Da sagt einer über Gott:
Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Wir haben viel miteinander erlebt und angeschaut. Da habt ihr kennengelernt, so hoffe ich, dass es keinen Lebensbereich gibt, in dem der Glaube keine Rolle spielt, weil er unser Verhalten prägt. Zum Beispiel den Umgang mit benachteiligten Menschen. Gerade auf Menschen, denen es nicht so gut geht, haben wir einen Schwerpunkt gelegt. Gehörlose Behinderte in der Paulinenpflege in Winnenden, Menschen, die wohnungslos sind in der Vesperkirche, aber wir waren auch im Bibelmuseum in Stuttgart. Wir haben uns die Kirche angeschaut, im Gemeindehaus mit vielen Themen des Glaubens und des Lebens beschäftigt. Und manche von euch haben geholfen bei der Kinderbibelwoche.

Dass Kirche da ist, wenn einer in Notlage ist, das solltet ihr kennenlernen in den Einrichtungen der Diakonie, die manche von uns durch ihre Kirchensteuer tragen.

Dass Kirche da ist von der Geburt bis zum Lebensende, als Repräsentant für Gott, der bei uns ist. Und Kirche, das sind ja wir alle, die wir Mitglied sind und ihr jetzt gleich auch. Nicht der Pfarrer macht die Kirche aus, die Gemeinschaft ist es, die sich Kindern und Jugendlicher annimmt, die Erwachsene begleitet, bei Trauung, Kindererziehung und vieles mehr und die Senioren aus der Vereinsamung herausholt und Besuche macht.

Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum!

Das wünsche ich mir und Euch, dass etwas davon deutlich geworden ist, dass der Glaube an Gott ganz viel mit Verantwortung für sich selbst und die ganze Welt zu tun hat, aber auch mit Weite und Freiheit.

Der Glaube an Gott kann einen weiten Raum zum Leben öffnen. Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum!

Nun sind wir hier und feiern eure Konfirmation. Das ist ein großer Tag, den ihr mit euren Familien sorgfältig geplant haben werdet. Wie und wo feiern wir? Welchen Tischschmuck werden wir haben: Blumen oder abstrakte Formen? Soll es eine Krawatte geben zum Gottesdienst oder eine Fliege oder ohne? Was ziehe ich an? Welches Kleid? Die Frisur! Wie kurz, wie lang? Und welche Schuhe passen dazu? Das alles zeigt, dass die Konfirmation ein Tag ist, der wichtig ist, wenn so viel Gedanken schon fürs Rahmenprogramm gemacht werden. Aber das Wichtigste, das ist der Segen Gottes den ihr heute empfangt. Damals in der Taufe haben andere für euch ja gesagt und heute sagt ihr, dass das gut so war und bestätigt es. Euer Ja zu Gott und Gottes Ja zu euch, darum geht es jetzt.

Nochmal zurück zu den Schuhen. Schuhe verraten viel über den, der sie trägt und heute verraten sie uns auch, wie Gott dabei begleitet.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Ich habe Euch verschiedene Schuhe mitgebracht.

Das erste sind Baby- und Kinderschuhe.

Die habe ich vor allem deshalb gewählt, weil bestimmt so manche von Euren Gästen heute daran denken, wie schnell ihr doch groß geworden seid. Vielleicht waren sie bei Eurer Taufe schon dabei.

Liebe Eltern, erinnern Sie sich ja noch an die ersten Schuhe ihrer Kinder? Bestimmt aber auf jeden Fall noch an die ersten Schritte ihres Kindes: Das erste Mal, dass es aus eigener Kraft aufgestanden ist, sich auf die eigenen kleinen Beine gestellt und aus eigener Kraft die ersten Schritte gemacht haben. Wie sie dann langsam sicherer wurden und immer weiter gehen konnten.

Wenn Eltern ihren Kindern das Laufen beibringen, dann stellen sie sie auf die Füße. Und dann beginnt der Weg ins Leben - voller Freude und Entdeckungsdrang.

Und die Taufe in Kindertagen, die zeigt: dass Gott das segnend begleitet und vor allem, dass er die Seele beschützt.

Nun seid ihr herausgewachsen und auf dem Weg zum Erwachsenwerden und auch dabei gilt, dass Gott euch weiter begleitet. Ihr werdet erwachsen.

Erwachsenenschuhe

Er hat in euch so viele Begabungen und Eigenschaften hineingelegt und will, dass ihr sie entfalten könnt unter seinem Segen.

Was aus der Kinderzeit bleibt, ist hoffentlich das Grundvertrauen zum Leben. Dass da eine Hand ist, die ermutigt und führt, die hilft beim wieder aufstehen, wenn man hingefallen ist. Arme, die trösten und ein ermutigender Blick! Und das pflegt auch Gott so zu tun.

Das war Elternaufgabe, euch das zu vermitteln und Patenaufgabe für euch zu beten und euch hilfreich zu begleiten, auch auf dem Weg in die christliche Gemeinde. Und Gott selbst ist euch so zur Seite gestanden und wird das weiter tun, euch stark machen für die Zukunft. Natürlich entwickelte sich das Entdecken der Welt weiter:

Nun wird der Radius in dem ihr euch bewegt immer größer werden, Schule, Sport, Musikschule, Freundinnen und Freude, längst sucht ihr sie selbständig auf.

Sportschuhe, Tanzschuhe

Das ist nun für Eltern schwieriger geworden. Loszulassen und im richtigen Moment doch da zu sein, um Euch den Rücken zu stärken. Euch selbständig denken und entscheiden zu lassen, aber auch mit Rat und Hilfe beizustehen, wenn ihr das braucht. Der Raum, in dem ihr euch bewegt, ist weit geworden. Ihr übernehmt mehr und mehr Verantwortung für euch selbst und für andere.

Nun wird es weitergehen, hinaus in dieses Leben, das so viel bietet. Welchen Beruf werdet ihr ergreifen, welcher Partner wird euch begleiten, welche Freunde werden lebenslang da sein.

Nun, Gott wird lebenslang da sein und euch begleiten. In schönen Zeiten, freut er sich mit euch. In schwierigen Zeiten, lässt er eurer Seele Kraft zufließen.

Für die schwierigen Zeiten stehen vielleicht die Gummistiefel, wenn wir durch unwegsames Gelände müssen. Wenn uns das Wasser bis zum Hals steigt und wir nicht mehr weiter wissen, behütet er euch trotzdem. Natürlich wünsche ich euch nicht, dass ihr das erleben werdet – aber zum Leben gehören schon auch Krisen. Vielleicht sind meine Gartenschuhe das bessere Symbol dafür, dass wir manchmal anstrengende Wegstrecken bewältigen müssen, mit Gottes Kraft, schaffen wir aber auch das.

Hoffentlich werdet ihr mehr Zeiten haben, wo ihr meint, ihr könntet traumwandlerisch dahingleiten, weil das Leben so schön ist. Fast wie mit Inlinern, geht es dann durchs Leben.

Immer ist er da und umgibt uns mit seiner Lebenskraft. Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Das will Gott, dass Du hinausgehst in dieses Leben mit seinen wundervollen Möglichkeiten, dass Du Dich entfaltest und sorgsam mit Dir und Deiner Seele umgehst.

Dass der Glaube dabei nicht zu kurz kommen sollte – klar sagt das der Pfarrer. Aber ich bin wirklich davon überzeugt, dass wir nicht nur auf musische und sportliche Aktivitäten Wert legen sollten, sondern auch den Glauben nicht vernachlässigen dürfen, weil er unsere Seele stärkt. Und die darf und soll nicht verkümmern. Gottesdienstbesuch als Pflicht, das war am Beginn des Konfirmandenunterrichts Eure Erfahrung. Hoffentlich ist es mehr und mehr zu dem geworden, was es sein soll: Hilfe für unser Inneres, damit wir stark werden in unserer Persönlichkeit, dass wir als Gesegnete in die Woche gehen, das hat wirklich Kraft und wirkt sich aus! Deshalb empfehle ich euch, immer wieder mal zur Tankstelle für die Seele zu kommen.

Gott trägt und hält und er öffnet dir die Freiheit dein Leben zu leben. Er macht es wie gute Eltern: Er lässt dich los, aber er verlässt dich nicht, er hält nicht fest, aber er gibt dir Halt, wenn du ihn brauchst. Auf ihn darfst du vertrauen, dass er dich begleitet und mitgeht durch Höhen und Tiefen.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Er traut uns etwas zu! Dass wir unsere eigenen Wege finden und gehen, das wird unter seinem Segen gelingen.

Gott sagt euch zu: Wohin ihr auch geht – ich gehe mit. Nehmt mich einfach mit auf Eurem Weg, dann werde ich euch stark machen, befestigen, euer Inneres stärken für die Möglichkeiten, Herausforderungen, Bewährungsproben, für alles was kommt.

Genau darum geht es heute bei eurer Konfirmation.

Ihr bekommt heute den Segen Gottes zugesprochen, der euch für den vor euch liegenden Weg Kraft geben wird.

Nun kommen noch dieser Schuh ins Spiel:

Tanzschuh.

Weil Gott das Leben liebt und will dass wir das Leben feiern – auch deshalb sind wir heute hier.

Gott lädt dazu ein mit ihm das Leben zu feiern, das Fest des Lebens, heute und hier tun wir das. Er will dass unser Leben gelingt und wir es irgendwann betrachten und sagen: Gott, da hast du uns ganz viel geschenkt. Danke für alle deine Segnungen. Gott liebt das Leben und Feste, das letzte Fest, das wartet auf uns am Ende unserer Tage, wenn er uns persönlich in die Arme schließt.

Sein Segen, der soll freilich nicht bei uns alleine bleiben. Kraft für uns und noch viel mehr. Deshalb können wir auch für uns selbst und für Andere Verantwortung zu übernehmen. Mit dieser Kraft können wir heute schon aufrecht und mit Vertrauen auf den vor uns liegenden Weg gehen.

Gott sagt Ja zu uns, er begleitet uns, gibt Kraft und Segen und führt uns in die Weite. Amen.