Gott ist da und bleibt da


Liebe Gemeinde,
wenn Sie in eine Kirche hinein- und auf den Altar zugehen, was für Gedanken, Bilder, Empfindungen kommen ihnen da? Was ist ein Altar eigentlich? Und warum empfinden wir eine Kirche als leer, in der kein Altar steht? Weil ihr dann die geistliche Mitte fehlt, denke ich.
Das Kirchengebäude selbst ist nichts anderes als der einladende Raum, um mit einer anderen Welt in Verbindung zu kommen. Gott ist zwar immer mit unserem Alltag verbunden, denn er ist das Leben - aber trotzdem eröffnet sich hier mitten in diesem Raum die Einladung die Welt Gottes wahrzunehmen.
Diese Kirche hier besteht aus Mauern und Bildern, edel gestaltet, prächtig und frisch renoviert im Chor, einladend, heimelig auch, ein Raum, der in der Lage ist, bestimmte Stimmungen zu wecken, anzuregen und zu sammeln. Er ist in der Lage, in größere Ruhe zu führen, er ist in der Lage, Festlichkeit und Feierlichkeit mit zu erzeugen, er ist auch in der Lage, im wörtlichen und im übertragenen Sinn Raum zu geben für alles, was uns bewegt. Wenn wir in die Kirche gehen mit unseren Gedanken, Stimmungen, Gefühlen, zu bestimmten Anlässen, dann betreten wir einen schönen, in diesem Fall sogar erhabenen Raum, der über die Alltagswelt hinausreicht.
Aber es ist nicht so, dass in diesem Raum dann unsere alltäglichen Gefühle und Gedanken draußen bleiben müssten. Es ist eher so, dass wir sie hierher mitbringen dürfen, aber mit ihnen geschieht hier etwas.
Wir stellen unsere Empfindungen hier in eine andere Weite und Tiefe stellen. Hier dürfen sie sein oder sich verwandeln lassen. Hier drinnen bekommt unser Innenleben eine andere Perspektive, eine größere, weitere, tiefere, freiere. Vor allem als gläubige Menschen gehen wir gerne einmal auch in Stille in eine Kirche – und wenn es uns dann gelingt, uns von dem Raum wirklich einnehmen zu lassen, und den inneren Blick auf den hin zu richten, zu dessen Verherrlichung diese Kirche gebaut ist, dann gehen wir anders wieder weg von diesem Ort, orientiert auf ein Weiteres und Größeres, hin orientiert auf unseren Herrn und Gott.
Und noch schöner ist es, wenn wir als geistliche Menschen allmählich ein inneres Gespür dafür bekommen, dass so ein Raum auch von Gebet durchatmet ist, wenn er eine Atmosphäre in sich trägt, die mehr ist als nur äußere Ästhetik, wenn Menschen spüren, hier wird schon über 700 Jahre gebetet, wird im Gebet gejubelt, gedankt, gelitten, getrauert, geschwiegen. Der Raum selbst atmet für mich diesen Geist des Gebetes.
Und nun steht in einer solchen Kirche eben auch ein Altar. Er gibt dem Raum seine Mitte.
Hier haben sich die Künstler vom Holzforum von Elementen inspirieren lassen, die schon da sind. Die achteckige Form des Tisches nimmt den Taufsteinform auf und die äußere Form des Turms.
Der Fuß erinnert an die Emporensäulen.
Und seine Form wirkt einladend. Kommt zu mir. Ich freue mich jetzt schon auf das erste Abendmahl an diesem Tisch.
An diesem Tisch feiern wir als getaufte die Gemeinschaft mit unserem Herrn. Himmel und Erde berühren sich hier, wenn Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte aus der Schrift Worte des Lebens lesen und sie in den Herzen auf fruchtbaren Boden fallen.
Hier versammeln wir uns und konzentrieren uns auf den Gekreuzigten und Auferstandenen, der den Menschen beisteht, Mut und Kraft gibt, Leben das bleibt in Ewigkeit – deshalb steht hier auch das Kreuz im Zentrum.
Hier scheint das Licht Gottes in unsere Wirklichkeit und verwandelt sie – und dafür stehen die Kerzen.
Und die Blumen geben der Freude über all die Geschenke Gottes Ausdruck und sind für Gott bestimmt und erfreuen uns auch, so hoffe ich.
Und an diesem Tisch werden kommende Menschen sich Kraft holen für den Alltag beim Abendmahl. Wenn wir uns dann um ihn versammeln, werden wir spüren: Gott ist mit uns auf dem Weg. Er kommt auf geheimnisvolle Weise in unsere Seele und stärkt sie.
Hier werden wir uns die Hand reichen und gestärkt von einem Bibelwort, weiter hinausgehen und unser Leben meistern.
Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, Im Glauben ist es möglich, wirklich einen Ruhepunkt zu finden. Zum Beispiel hier! Unser Herr lädt uns immer neu ein, bei ihm wirklich auszuruhen, unsere Kraftreserven aufzufüllen – ja das Leben zu stärken.
Hierher darf jede und jeder kommen und das Leben ihm anvertrauen, im Gebet, im Gottesdienst, im stillen Verweilen – und nach und nach wird er unser Inneres verwandeln.
Das macht für uns den Altar heilig – nicht den Gegenstand an sich, sondern seine Funktion für uns, weil sich da unser Glaube konzentriert. Im Taufstein haben wir alle einmalig empfangen, was uns trägt und am Altar empfangen wir das Abendmahl und den Segen an jedem Tag, immer wieder, aber auch bei Konfirmationen und Hochzeiten. Und schon immer haben Menschen hier nicht nur empfangen, sondern umgekehrt ihren Dank zum Altar gebracht. Dank und Bitte, für Ernte und in Krankheitszeiten und bei allem, was Menschenherzen bewegt.
So unfassbar groß ist die Liebe unseres Herrn, dass sie immer neu hier an diesem Altar gefeiert und vergegenwärtigt wird.
Der Vogel hat ein Haus gefunden, die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - das nämlich sind die
Altäre unseres Gottes, hier kann die Seele atmen, aufatmen, sich erheben. Hier berühren sich Himmel und Erde. Amen.