Predigt zu Johannes 5, 39-47

 

Liebe Gemeinde, Erfrischung gefällig?

Wenn im Sommer die Sonne die Luft erhitzt, dass wir schon im Nichtstun in Schweiß ausbrechen, wenn die Luft brennt, die Hitze steht, die Zunge schon am Gaumen klebt, wie wunderbar klingelt es in den Ohren, wenn jemand anbietet: Erfrischung gefällig?

Ob an einem heißen Sommertag oder nach harter, anstrengender Arbeit, wie wunderbar, wenn uns jemand eine Erfrischung anbietet, und kühles Nass die trockene Kehle befeuchtet!

Wie neugeboren fühlt man sich da, so erfrischt, so lebendig!

Nicht nur unser Körper lechzt an manchen Tagen nach Erfrischung, auch unsere Seele ist oft durstig. Nur leider beachten wir unsere Seele da zu wenig, obwohl sie auch Erquickung benötigt.

Wenn Alltagssorgen das Leben staubtrocken werden lassen, oder Eintönigkeit das Leben zur Steppen werden lässt, aber auch, wenn das Leben grünt und blüht, sehnt sich die Seele nach Erfrischung, nach etwas, dass uns lebendig werden und bleiben lässt.

Braucht der Körper eine Erfrischung, dann trinkt und isst man was, aber wenn die Seele düstet, sich nach etwas sehnt, das lebendig macht, was dann?

Dann sollte man die Nähe Gottes suchen, zum Beispiel im Gottesdienst.

Für mich ist so ein Gottesdienst ist wie eine Erfrischung der Seele. Manch ein Lied bringt in Schwingung, und lässt, in übertragenem Sinn, den Staub abfallen.

Manch ein Gebet weicht auf, was sich langsam verhärtet hat und es kann heilen.

Und auch manch eine Bibelstelle, die in der Predigt bedacht wird, macht frisch und lebendig, weckt Lebensgeister und Glaubenstiefe.

Auch die Bibelstelle, die in dieser Predigt bedacht werden will, will uns erfrischen.

Es ist eine Stelle aus dem Johannesevangelium, aus dem 5. Kapitel (39-47).

Dort sagt Jesus (neue Genfer Übersetzung):

Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben finden würdet. Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen. Aber bei euch ist es anders. Ich kenne euch und weiß, dass ihr der Liebe zu Gott keinen Raum in eurem Leben gebt. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr lehnt mich ab. Doch wenn jemand anders in seinem eigenen Namen kommt, werdet ihr ihn mit offenen Armen aufnehmen. Wie solltet ihr auch glauben können? Bei euch ist jeder darauf aus, von den Anderen Anerkennung zu bekommen; nur die Anerkennung bei dem einen, wahren Gott sucht ihr nicht. Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde. Mose wird euch anklagen – er, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn ihr Mose wirklich glauben würdet, würdet ihr auch mir glauben; er hat ja über mich geschrieben. Wenn ihr aber dem nicht glaubt, was Mose geschrieben hat, wie wollt ihr dann dem glauben, was ich euch sage?«

Erfrischend, was da zu hören ist? Oder doch eher wie eine kalte Dusche?

Jesus sagt zu seinem Zuhörer damals: du suchst in der Schrift das Leben, aber glaubst nicht, was dort steht. Die Schrift erzählt nämlich von mir, von Jesus, dem Christus, dem Heiland der Welt, aber du kommst nicht zu mir, damit ich dich lebendig mache.

Jeden anderen, alles andere nimmst du als Erfrischung, als Quell, der lebendig machen soll und es doch nicht kann, nur mich nimmst du nicht. Vertraue doch der Quelle, die uns seit Generationen Lebensnotwendiges zufließen lässt.

Du suchst Durstlöscher, die dir doch immer nur kurze Zeit die Kehle benetzen. Manche sogenannten „Dustlöscher“ sind sogar sehr ungesund.

Wenn du mir glaubst, sagt Jesus, der ich dir dauerhafte Erfrischung anbiete, dann praktiziere das, was du entdeckt hast: dass in mir das Leben ist.

Klingt eher nach einer kalten Dusche, als nach einer Erfrischung. Ist das so, wie Jesus es sagt? Muss ich mich auch angesprochen fühlen?

Suche ich in der Bibel etwas, das mich lebendig sein lässt, aber glaube nicht, was dort steht.

Vielleicht sollten wir wieder anfangen dort zu suchen. Und wir werden in dieser Schrift nicht bei den Buchstaben stehenbleiben, sondern uns wird Jesus in Person begegnen, mit seinem Gott, dem Vater im Himmel, der Menschen annimmt, wie sie sind, der liebt und begleitet, der mit aushält und durch tiefe Täler mitgeht und niemand im Stich lässt.

Wenn wir anfangen in der Schrift zu suchen, dann werden wir zu den Worten Jesu kommen, wie zum Beispiel, dass Jesus sagt:

Bei mir findet ihr das Leben!

Glaube ich, dass Gott mir Unsterblichkeit schenkt, dass mein biologisches Leben mit all dem Guten und Bösen, dem Schönen und Schweren einst zu Ende sein wird, aber vollkommen wird und heil werden wird bei Gott, zu dem ich zurückkehren werden, wenn alle meine Schritte gegangen sein werden, weil ich dann zurückkehren werde zur Quelle des Lebens, zu Gott??

Glaube ich daran, dass mein Hunger und mein Durst nach Leben, nach gelingendem Leben gestillt werden kann, wenn ich Jesus vertraue, wenn ich höre, was er mir anbietet und es annehme?

Glaube ich, dass es gut für mich ist, mich von Gott unterweisen zu lassen, bei ihm in die Schule zu gehen, weil ich so leben werden kann, echt und ganz und wahr mit Tiefgang und Sinn?

Glaube ich wirklich daran oder geht es ins eine Ohr rein und ins andere raus?

All diese Fragen, die Jesus da aufwirft, sie wirken vielleicht wie eine kalte Dusche, weil sie mich in Frage stellen. Aber Jesus tut das nicht, um mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen, sondern um mir eine tragfähige Grundlage für das Leben zu geben.

Das bewirkt Jesus mit seiner grundlegenden Frage und eigentlich tut das mal ganz gut.

Denn das Erfrischende an dem, was uns Jesus heute serviert ist: Er wirft seinen Zuhörern zwar einiges an den Kopf, aber er macht das nicht, um dann auf dem Absatz kehrt zu machen und mir den Rücken zuzukehren.

Er macht das, weil eine kalte Dusche manchmal Not tut, um wieder klar zu werden.

Denn wer klar ist, der begreift:

ich sollte öfter an die Quelle gehen, die Jesus mir anbietet, sollte, wenn mir wirklich daran liegt, echt zu leben, das Leben in Fülle zu haben, und dazu ernsthaft ein wenig die Bibel lesen.

Oder wenn ich nicht der Typ zum Selbststudium bin, ab und zu in den Gottesdienst kommen, um meine Seele erfrischen zu lassen.

Hier wird Leben geboten. Hier wird die Seele erquickt. Hier wird Gott gefeiert, der das Leben ist und es will.

Hier heißt es jeden Sonntag: Erfrischung gefällig?

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen