Predigt zu 2. Mose 3, 13-15


Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,
was erwartet ihr vom Leben? Ihr werdet nun so langsam erwachsener und da ist es gut diese Frage zu stellen und zu überlegen, was der Glaube an Gott da beitragen kann.
Also: was wollt ihr erreichen im Leben? Was beschäftigt euch da?

1. Ob ich immer gesund bin und bleibe. Ob da mir Gott hilft? Vielleicht – aber wer weiß?
2. Werde ich Freunde haben, die mit mir durchs Leben gehen, die verlässlich sind und hilfreich. Feste Beziehungen, die nicht scheitern. Einen festen Partner, der zu mir steht.
3. Vielleicht wollt ihr erfolgreich werden und euch über Geld keine Sorgen machen müssen. Ob das gelingt – das hängt nicht von vielem ab. Was es mit Gott zu tun hat, dazu vielleicht später mehr.

Nun werden wir uns die nächsten Monate im Konfirmandenunterricht mit dem christlichen Glauben beschäftigen. Was bringt das? An was glauben wir da? Wie ist das mit Gott? Wie ist er so?
Diese Frage ist ganz und gar nicht neu. Sondern schon auf den ersten Seiten der Bibel wird sie gestellt. Um wen handelt es sich bei diesem Gott. Zunächst hören wir auf das Gespräch zwischen Mose, einem Propheten und Gott, das sie am brennenden Dornbusch miteinander geführt haben:

2. Mose 3: Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: Ich bin der, der wirklich existiert. Ich bin bei dir und begleite dich, was auch immer geschehen wird. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: der hat mich zu euch gesandt. 15 Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der HERR, der Gott eurer Vorfahren, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht.

So ist das also, liebe Gemeinde, Gott stellt sich mit diesem Namen vor. Ich werde sein, kann man das übersetzen, oder auch: Ich bin für dich da. Ich bin bei dir an allen Tagen.
Das bedeutet zunächst für mich einmal, dass dieser Gott Wert darauf legt, dass er eine Person ist. Ein Wesen, das Beziehung will und sucht. Und jemand der wirklich existiert.
Mose hatte damals eine wirklich große Aufgabe vor sich. Er sollte Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreien. Und das nur mit Worten. Und das einzige, das er als Garantie mitbekommen hatte war dies: ich will mit dir sein. Ich begleite dich, verspricht ihm Gott.

Das passt deshalb ganz gut zur Vorstellung der Konfirmanden, weil ihr euch ja vielleicht auch schon manchmal gefragt habt, was das Leben so bringen wird. Und ob ihr geeignet seid, das zu bestehen, was alles kommen wird. Ob ihr genug Kraft habt, genug Humor, genug Widerstandkraft, genug Begabung, genug Wille? Wenn ihr daran zweifelt, ob ihr das alles schafft, dann haltet euch an Gott, denn er verspricht: Ich bin bei dir, ich begleite dich, ich stärke dich, ich helfe dir auch, Ich behüte deine Seele.
Ob sich das so auswirkt, wie wir uns das wünschen? Sind Christen reich, gesund und in einer Gemeinschaft, die verlässlich ist. Ja, Letzteres schon – diese Gemeinschaft heißt Kirche.

Aber Gott erspart uns nichts, gar nichts! Leichtes und Schweres, Fröhliches und Trauriges erleben alle Menschen. Wir Christen leben so wie alle andere Menschen auch – mit einem wichtigen Unterschied: Dass einer bei uns ist, der unsere Seele behütet.

Gott stellt sich vor. Er sagt, wer er ist. Er ist der Gott der Vorfahren im Glauben, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Hier in der Martinskirche können wir das sehen an den Bildern. Weit über 600 Jahre lang bringen Menschen hier ihre Hoffnungen und Bitten, ihre Dankbarkeit und alles was sie beschäftigt zu Gott. Da war viel Schlimmes dabei und viel Schönes.

Gott ist vor allem der, der treu ist und verlässlich. Was er mit Abraham begonnen hat, wird nicht aufhören. Wie er Isaaks Leben bewahrte, so tut er es immer noch. Wie er den Jakob ertrug, so erträgt er bis heute sein schwieriges Völkchen: die Gemeinde zu der ihr gehört und ich. Er ist der Got, der uns sieht, dem ich wichtig bin, der mich mag, so wie ich bin. So0 hat er uns alle gemacht und gewollt und er will mit uns durch das Leben gehen, damit es gut wird. Nicht immer gesund, erfolgreich und reich – aber immer mit dem Starken in meiner Seele. Und wenn wir durch Schwierigeres müssen, wenn wir das Gefühl haben alleine zu sein und dass uns keiner versteht: er versteht. Er lässt sich anrühren und er bleibt nicht kalt. Und er hört. Er hört hin. Er überhört nicht das Jammern und Klagen der Leidenden. Er hat ein Ohr für die Kleinen. Und dann fasst er einen Entschluss: Es kann so nicht weitergehen. Ich muss eingreifen. Ich muss retten. Ich muss Menschen rausholen aus dem Elend du der Einsamkeit. Ich muss sie zu mir bringen, denn bei mir haben sie es gut. So ist Gott. Wir bekommen einen Einblick in das Innerste, in das, was in Gott vorgeht: sehen, hören, mitfühlen, bewegt werden, sich anrühren lassen, entscheiden, entschlossen sein zu retten. So ist Gott.

Er sieht, wie das Volk in Ägypten leidet. Wie die meisten unter der Armutsgrenze vegetieren. Er sieht die Not der vielen jungen Leute ohne Bildung, ohne Hoffnung. Er hört die lauten Klagen der Mütter. Er sieht den stummen Protest der Väter. Ausgemergelte Gestalten. Er sieht die Schläge und Peitschenhiebe der Sklaventreiber. Andererseits sieht er auch, wie es sich die Mächtigen gut gehen lassen. Er sieht ihre Vermessenheit, ihre ungebremste Gier. Gott sieht es, und was er sieht, dreht ihm das Herz um. Es erregt ihn zutiefst. Er sagt: Nein. Er will das nicht. Und er ergreift die Initiative. Rettung. Befreiung. Erlösung. Erbarmen. Ein neues Land. Frieden. Freiheit. Aufatmen. Herausdürfen.

Wer bist du, Gott? Das bin ich!
Wo stehst Du, Gott? Da stehe ich, bei denen, die leiden.

Ich bin aufmerksam, mitfühlend, entschieden zu retten, entschlossen zu helfen, an deiner Seite. Ich werde für dich da sein. Ich werde mit dir sein. Unsichtbar, verborgen, manchmal kaum wahrnehmbar, aber ich werde da sein. Und lass Dich nicht irremachen: Vergiss nicht, wofür mein Herz schlägt.
Deshalb hat Gott immer ein besonders großes Herz für die Menschen in Not. Und deshalb setzen wir uns in der Kirche immer grade auch für die Menschen ein. In ihrer Seele verwundete Menschen, Kranke, Sterbende, sinnsuchende, Einsame, all die sind uns ans Herz gelegt, weil Gott sie an sein großes Herz gelegt hat.

Deshalb bin ich heute Pfarrer, weil Gott ein Herz für mich hat und ich das erfahren habe. Und dazu seid ihr jetzt Konfirmandinnen und Konfirmanden, weil er euch in seiner Nähe haben möchte. Vielleicht weil ihr in der Lebensphase grade jetzt ihn besonders nötig habt. Für die einen als Orientierung für das Leben, für die anderen als Halt in schweren Stunden und Tagen.
Es gibt nämlich mehr Tiefe, als wir denken. manche sind nur noch von Oberflächlichem umgeben und denken, Spass, das wäre alles im Leben.

Gott will uns Geschichten mitgeben, die uns stark machen. Er will, dass wir wissen, dass wir Geschöpfe sind, berufen, Töchter und Söhne Gottes zu sein, die sich für das Leben einsetzen. Genau das will Gott; dass das Leben sich in seiner ganzen Fülle und Vielfalt ausbreiten kann.
Wie das geht, können wir an Mose lernen. Gott sagt: „Ich errette sie aus der Ägypter Hand.“ Aber dann geht es so weiter: So geh nun hin, Mose, ab zum Pharao, damit du mein Volk aus Ägypten führst. Du – führst – sie – aus Ägypten. Wie setzt Gott seine Pläne für das Leben seines Volkes um? Er beruft Menschen und schickt sie los. Wer soll Gottes Aufträge umsetzen: wir – seine Kinder.
Eine ausgesprochen ungemütliche Wendung ist das: Du – führst – sie – aus Ägypten! Mit dir will ich tun, was ich tun muss.

Gott ist nämlich immer in Beziehung mit seinen Menschen. Gott gibt es nicht ohne uns. Er ist nun einmal ein Gott, der nicht anders kann und nicht anders will: Er ist der Gott, der sein reich mit Menschen baut.
 Damals war er der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und jetzt auch der Gott des Mose, und Gott von uns Konfirmanden, des Pfarrers, der Eltern, und allen die heute hier sind. Wir könnten alle Namen einsetzen. Der Gott von dir und all der anderen.


Wir sind nicht die ersten, die mit ihm Erfahrungen machen werden. Es gab schon viele vor uns. Das kann man an dieser Kirche sehen. Seit dem 14. Jahrhundert haben hier Menschen ihre Hoffnung vor Gott gebracht, ihn um Hilfe angefleht, ihm gedankt und vor allem: aus seiner Hand das Leben genommen. Und in diese Fußstapfen sollt ihr jetzt treten. Dafür beginnt der Konfirmandenunterricht.
Gott sagt: Ich bin mit dir. Komme, was da wolle. Fehle, was da wolle. Auf den Höhen, im finsteren Tal. In Stärke. In Schwäche. Im Gelingen. Im Versagen. Mit dir, auf ewig. Immer bin ich bei dir. Ich bin nicht ohne dich. Du bist nicht ohne mich. Das ist Gottes Wille.
Amen.