Predigt zu Dankbarkeit

Stroh, Stern und Licht –kleine Zeichen für Gottes Kommen in unsere Welt

Gott lässt sich auf diese Welt ein. Das zeigen diese kleinen Zeichen. Er entgeht auch ihren dunklen und schmutzigen Seiten nicht. Seit der Geburt von Bethlehem wissen wir, dass Gott sich nicht zu schade ist, sich auf hartes Stroh zu betten. Das Stroh – es ist ein Zeichen für Gottes Nähe und ein Zeichen dafür, auf wen und auf was alles sich Gott einlässt. Gott kommt uns in Jesus Christus ganz nahe, kommt mitten in unsere Welt hinein. Es findet kein Galaempfang, kein Staatsbankett statt. Da, wo normalerweise kein Mensch freiwillig hingeht, da kommt Gott zur Welt, mitten in der harten Wirklichkeit dieser Welt landet er, auf Heu und auf Stroh.
Warum kommt Gott so? Warum kommt er nicht auf eine andere Weise?
Gott kommt so in die Welt, weil er durch sein Kommen den rettenden Strohhalm bringen will. Das Wunder, dass Gott Mensch wird, ist der rettende Strohhalm für uns, die Menschen.
Wie viele Situationen gibt es, in denen wir uns den rettenden Strohhalm wünschen? Den rettenden Strohhalm, unsere letzte Hoffnung, an die wir uns klammern, der Wunsch, dass etwas anders werden möge.
Menschen, die an Weihnachten traurig sind, weil keiner sie besucht, die besucht Gott, die will er begleiten.
Für Gott gibt es keine Situation, die er nicht mit seinem Weihnachtslicht erhellen könnte. Er ist auf die Erde gekommen damals – aber das gilt nicht nur für Maria und Josef, für Hirten und Könige, sondern eben für alle Menschen. Gott wird Mensch, das bedeutet auch, dass er Verständnis hat für menschliches Leben, dass ihm nichts fremd ist.

Ein echter Strohhalm, so einer, wie der hier, kann da nicht helfen. Er bricht leicht, hält kaum etwas aus. Dennoch ist ein Strohhalm ein gutes Bild, welche Bedeutung das Kommen Gottes in diese Welt an Weihnachten hat. Gottes Kommen ist unsere Rettung. Es ist die Rettung aus allem Elend. Gottes Kommen ist der rettende Strohhalm in einer Zeit, in der unsere noch so dicken Stricke zu zerreißen drohen. Gott will die Menschen retten, er will, dass wir Hoffnung haben. Damit wir trotz allem, trotz Leid, Traurigkeit und Schuld erfahren: Es gibt immer einen neuen Anfang, nichts muss so bleiben wie es ist. Es gibt Rettung.
Wenn Gott so ganz anders ist, als wir uns immer wieder vorstellen, wenn er sich selber so klein macht und erniedrigt, dann können wir Menschen uns auch verändern, anders sein, neu anfangen. Wenn Gott sich als Kind verletzlich macht, dann können auch wir unsere Verletzlichkeit zugeben und die Verletzlichkeit anderer respektieren.
Wenn Gott einen so liebevollen und friedvollen Weg zu uns Menschen geht, dann können wir auch diesem liebevollen und friedvollen Weg nachgehen. Wenn Gott sich so hilfs- und liebesbedürftig zeigt wie ein kleines Kind, dann dürfen doch auch wir unsere Hilfsbedürftigkeit und Liebesbedürftigkeit zeigen. Wenn er so viel Schwäche zeigt, dann dürfen doch auch wir schwach sein. Auch die, die immer so stark sind nach außen, haben doch auch eine schwache, eine weiche Seite. Sind verletzlich, und auch liebesbedürftig.
Gott wird einer von uns, damit wir alle diesen uns freuen können, dass Gott uns liebt.
In Jesus ist er Mensch geworden und dadurch wurde aus einem schlichten Stall Weihnachtsherrlichkeit, aus Stroh wurden Strohsterne, aus Menschen ohne Hoffnung, Menschen, denen der Rücken gestärkt wurde.
Jesus ist geboren – das hat Bedeutung für uns alle heute und hier. Denn das Leben ist erschienen und zu uns gekommen. Amen.