Predigt zu Johannes 7,37-39

37 Am letzten Tag des Laubhüttenfestes, der der höchste war, trat Jesus öffentlich auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
Liebe Gemeinde,
ein Blick in meinen Garten ließ mich gestern Abend dringend nach der Gießkanne greifen. Meine frisch eingepflanzten Pflanzen ließen die Köpfe hängen. Ich wollte, dass sie überleben. Heute Morgen sahen sie schon wieder besser aus. Diese Erfahrung ist ganz nah beim Thema dieser Predigt:
Ohne Wasser gibt es kein Leben. Das haben wir in den letzten Wochen sehen können, wenn wir die Felder und unsere Gärten angesehen haben, wie Wasser für frisches Grün sorgt. Neulich hat mir jemand von einer Konfirmation erzählt. Da betete eine Konfirmandin: „Danke für das schöne Wetter. Wir bitten dich, dass es ganz lange nicht regnet.“ Ein hörbares Stöhnen ging durch die Kirche, denn eine lange Zeit ohne Regen ist auch nicht gut.
Wir alle sind abhängig vom Wasser und es ist eigentlich nicht selbstverständlich, dass wir stets genügend sauberes Wasser zur Verfügung haben.
Für die Menschen in Israel zur Zeit Jesu war dieses Bewusstsein ganz elementar vorhanden. Wenn sie im Herbst eine Woche lang das große Laubhüttenfest feierten, spielte das Wasser eine wichtige Rolle. Sie dankten Gott für die eingebrachte Ernte und baten am Ende der Trockenzeit um genügend Regen für das neue Erntejahr in der bevorstehenden Regenzeit. Sie erinnerten sich dabei auch an die Wüstenwanderung ihrer Vorfahren und wie Gott sich dort um sein Volk gekümmert und es auf wunderbare Weise immer wieder mit Wasser versorgt hatte. An jedem Tag des Laubhüttenfestes wurde symbolisch ein Krug Wasser aus der Siloah-Quelle geschöpft, von der die Wasserversorgung der Stadt Jerusalem abhing. Dieses Wasser wurde am Altar ausgegossen und mit dem Jesaja-Wort in Verbindung gebracht: "Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils". Dieses Wasser symbolisierte die Hoffnung, dass einmal die Zeit kommen würde, in der sich niemand mehr um genügend Wasser sorgen müsste - Wasser als Zeichen der Zeit Gottes, in der Gott alles geben wird, was wir brauchen. Wasser als ein Bild für Leben, das von Gott ausgeht. 
Im Johannes-Evangelium wird erzählt, dass Jesus am Laubhüttenfest teilnahm. Einem großen, bunten, fröhlichen Fest, zu dem unzählige Menschen nach Jerusalem strömten. Jesus war umstritten und man achtete genau darauf, was er tat oder sagte. Da stellt sich Jesus am letzten Tag des Festes hin und ruft laut: "Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke!“
„Ein religiöser Spinner?“, werden sich manche gefragt haben. So geht das bis heute. Jesus – ein Vorbild vielleicht – ja. Aber Jesus einer, von dem Lebendigkeit ausgeht? Der lebendig ist und mit mir etwas zu tun haben will, ganz persönlich?
Jesus redet vom Lebensdurst. Und davon, dass er uns den stillen will.
„Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke“, sagt Jesus. Eingeladen zur Quelle des Lebens sind alle, die Leben wollen. Dabei ist das bei uns besonders schwierig geworden, auf seine Stimme zu hören. Die Welt ist so bunt und laut geworden. Wir werden überflutet von Lebensangeboten, sodass manche gar nicht wissen, wohin sie sich zuerst wenden sollen. Also mal hierhin und mal dorthin. Irgendwann merken die meisten aber doch, dass all diese Angebote ihren innersten Durst letztlich doch nicht zu stillen vermögen.
Das ist nicht schlecht, vieles im Leben kennenzulernen. Das Leben bietet viele Möglichkeiten, wenn man jung ist. Aber Zeitvertreib ist nicht Lebenssinn. Maßnahmen gegen die Langeweile sind nötig. Die Angebote sind vielfältig. Sie scheinen immer mehr und immer unüberschaubarer zu werden. Um alles mitzunehmen, was geboten wird, kann man bildlich gesprochen an jedem angebotenen Glas nur nippen, um dann gleich zum nächsten zu eilen, das noch schöner aussieht und noch verlockender duftet – Aber Lebensdurst wird so nicht gestillt.
Den stillt man in der Gegenwart Gottes, zum Beispiel hier in der Kirche – bei Jesus. Denn er ist die Quelle des Lebens.
Jesus kann unsere Lebenssehnsucht stillen. Er ist das Leben. Höchstpersönlich garantiert er uns, dass wir in ihm das Leben finden. Jesus verspricht: Du musst deinen Durst nicht selber löschen. Ich lösche deinen Durst. Ich schenke dir alles, was du brauchst.
Wenn dich andere auslachen, weil du nicht so begabt bist, nicht so hübsch oder nicht so sportlich: bei mir bist du anerkannt. Ich befreie dich von der Angst, das Leben zu verpassen. Bei mir kannst du zur Ruhe kommen und darfst mit mir zusammen das Leben genießen ohne dir zu schaden.
Ich gebe dir das, was du zum Leben wirklich brauchst. Ich bin die Quelle des Lebens.
Das hört sich für mich wohltuend an. Du brauchst gar nicht weiter zu suchen, du musst dich gar nicht so anstrengen - komm zu mir, lass dich beschenken, finde den Sinn und die Mitte deines Lebens.
Für mich strahlen diese Worte Jesu, gerufen mitten im Trubel des Laubhüttenfestes, sehr viel Ruhe aus. Es kommt mir vor wie eine Oase mit einem Brunnen und ein paar alten Bäumen, die Schatten spenden. - ein Ort zum Ausruhen und Auftanken. So einen Ort brauchen wir alle im Trubel des Lebens. Wir können uns ja nicht einfach allem entziehen. Aber wichtig ist es, einen Ort zu haben wo ich weiß: Das ist meine Mitte, daran hängt mein Leben, nicht an all den äußeren Dingen.
Kommt zu mir und trinkt - denn ich bin das Wasser des Lebens.
Wer bei ihm festgemacht ist, der bekommt so viel an Lebenskraft und Hoffnung, dass es auch noch für andere reicht: " Er löscht nicht nur unseren Durst nach Leben, sondern es reicht auch noch zum Weitergeben.
Wer das Wasser in der Wüste kennt, der wird auch anderen davon erzählen, damit sie nicht verdursten.
Das tun wir hier an jedem Sonntag. Da kommen wir zu ihm, weil er es so geordnet hat: 6 Tage sollst du arbeiten, dich um die Schule kümmern, um die Arbeit, dich mühen und anstrengen. Der siebte Tag, der ist heilig. Der gehört mir, sagt Gott. Und das, weil er uns an diesem Tag beschenken möchte, mit Leben. Mit Wasser das unseren Lebensdurst stillen kann.
Christus ist die Quelle und will uns daran anschließen.
Amen.