Predigt zu 1. Mose 8, 18-22

Wir kennen alle die Geschichte von Noah. Das Böse in der Welt wird immer größer, Gott mag es nicht mehr mit ansehen und so will er die Erde mit einer großen Flut überschwemmen. Einer aber, so erzählt die Geschichte, lebt so, wie es dem Willen Gottes entspricht und bekommt den Auftrag ein Überlebensschiff zu bauen – mitten auf dem Land. Dem Gelächter der Leute preisgegeben, aber erfüllt von Vertrauen zu Gott, baut Noah dieses Schiff, das zum Symbol für Überleben wird. Als die Wasser wieder abliefen und die Arche auf Land lag, konnten die Menschen und Tiere einen Neuanfang machen. Und dann erzählt uns Gottes Wort:

So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Sintflut – sie ist weit weg und doch geschieht in Stürmen immer mal wieder ähnliches. Aber eine Flut, die die Welt bedeckt, so wie es die Bibel erzählt, das ist doch einzigartig.
In der Sintflutgeschichte war Gott der Urheber der Flut. Er hat sie geschickt, um dem Bösen ein Ende zu setzen. Immer wieder sagen Menschen solche Sätze, wie: wenn es Gott geben würde, dann würde er eingreifen. Doch unsere Geschichte zeigt uns, dass Gott nach dieser Geschichte der Gewalt abschwört. Er wird Menschen nicht mehr durch Naturgewalten zerstören, um sie zu bestrafen. Diesen Versuch gibt er auf.

Er ringt nun um unsere Herzen, um das Zentrum unserer Persönlichkeit und sagt uns: Ihr steht unter meinem Segen. Lebt entsprechend.

Zuerst werden wir von Gott beschenkt, mit viel mehr als wir verdienen und dann fordert er von uns, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass diese Welt ein guter Ort wird, für mich und für andere, für die Schöpfung auch.

Heute müssen wir erkennen, dass wir Menschen alles Egoisten sind, die die Welt ausbeuten. Wir können unsere eigene Verantwortung dafür nicht leugnen, dass wir die Natur zerstören. Wir müssen die eigene Schuld anerkennen. Immer mehr Wachstum bedeutet immer größere Ausbeutung der Erde, mit Folgen für die Armen, für das Klima, für die ganze Erde.
Scheinbar hilflos stehen wir davor und wissen doch: es ist des Menschen Hand, die hier im Spiel ist. Was erzählt uns dazu nun das Ende der Noahgeschichte? Noah verlässt sein Schiff. Er hat diese Zeit der Not überstanden. Die Flut hat ihn beschäftigt, tagelang, wochenlang. Ich könnte mir vorstellen, trotz der Rettung in der Arche, doch auch Angst hatte, ob dieses Unternehmen gut geht.

Das geht wohl vielen Menschen so, wenn sie in Gefahren geraten sind. Auf dem Meer schwimmen, wohl in einer Arche sitzen, aber doch die Unsicherheit des Lebens spüren, das ist doch etwas, was unser Leben immer wieder einmal ausmacht. Da kommt Unheil in unser Leben: eine Lebenskrise, Probleme mit dem Partner, eine Krankheit oder der Tod eines nahen Angehörigen. Wie auf dem Meer in einem Boot, das hin und hergeschaukelt wird, fühlen wir uns dann. Natürlich gibt es auch Menschen, die da sind, die an der Seite stehen, ein wenig Halt geben.

Aber dieses Gefühl, dem allen ausgeliefert zu sein, es selber nicht mehr so richtig in der Hand zu haben, hin- und her geworfen zu sein, das erleben wir immer wieder einmal.
Und dann gibt es die Erfahrung, dass man langsam wieder Boden unter den Füßen gewinnt. Die Wasser verschwinden, das Land wird langsam sichtbar. Es kehrt wieder ein wenig Ruhe ein ins Leben. Und nun kommt Gott ins Spiel. Noah baute dem Herrn einen Altar. Noah schaut auf sein Leben. Trotz aller Angst, trotz allem Erleben von Not und Elend – er weiß sich durch diese Zeit hindurch von Gott getragen.

Während der ganzen Fahrt über die große Flut, war davon nicht die Rede. Natürlich wusste man, dass Noah ein Mensch war, der auf Gott vertraute und ihm gehorcht hat. Aber es wird nichts davon erzählt, dass er auf der wochenlangen Reise, Gott um Hilfe angerufen hat. Das ist so, wie bei uns auch. Im Rückblick werden wir dankbar, dass wir etwas durchgestanden haben und erkennen vielleicht, dass Gott uns hindurchgeholfen hat.

An diesem Punkt stand für Noah selbstverständlich ein Gottesdienst. Noah hat deutlich gemacht: trotz allem, was war, und es war eine schwere Zeit, ich gebe mein Vertrauen zu Gott nicht auf. Ich bin dankbar, dass er mich nicht hat untergehen lassen. Ich durfte in einer Arche Überleben und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich neu anfangen kann.

Das ist ein gutes Beispiel für die Zeiten unseres Lebens. Es gibt so vieles, wo wir dankbar werden müssten.
Endpunkte, Anfangspunkte wo uns bewusst werden soll, was uns trägt. Noah weist uns darauf hin.
Und die Antwort, die er bekommt ist eine ungeheure Verheißung, die bis heute hin seine Kraft nicht verloren hat. In dieser Verheißung werden überraschende Dinge gesagt: Gott spricht: Ich will die Erde nicht mehr verfluchen wegen der Menschen; obwohl das menschliche Herzens böse ist, nur an sich selbst denkt, von Jugend auf.

Die zweite Verheißung: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Darin steckt ungeheuer viel an Hoffnung, die unser Leben bereichern kann. Fange ich von hinten an: Der Wechsel der Jahreszeiten, das ist der Hinweis darauf, dass Gott das Leben, so wie es ist, als gut ansieht. Der Rhythmus des Jahres wird garantiert. Und das möchte ich auch übertragen auf das Auf und Ab unseres Lebens. Da geht es auch mal hoch mal runter, gute Zeiten werden durch schwierige Zeiten abgelöst. Nur durch das Gute kann ich erkenne, was schlecht ist, nur im Schlechten lerne ich das Gute wieder schätzen. Und das gehört zusammen, beides zusammen macht das Leben aus.

Mittendrin sind wir getragen von der Kraft des Lebens, die von Gott ihren Ursprung nimmt. Und diese Kraft ermöglicht es uns, die Tiefen des Lebens zu durchschreiten, als eine Zeit, die uns durch die Tiefe hindurch zu einem reiferen Leben vor Gott führt. Noah war nicht verlassen, sondern durch die schweren und bedrückenden Erfahrungen umso intensiver mit seinem Gott verbunden.

Dass Gott die Welt nicht untergehen lässt, das fordert uns dazu heraus, mitzuwirken. Wir sollen das Leben fördern, wo wir es nur können.

Gott lässt die Erde nicht untergehen, er gibt ihr Zukunft. Darum, Mensch, lass auch du diese Erde nicht untergehen durch dein Tun.

Gott will dieser Welt Zukunft geben, das ist sein erklärter Wille. In diesen Willen einzuschwingen, das was wir können dazu beitragen, der Welt und unserem ganzen persönlichen Leben Zukunft zu geben, das wäre unser Dankopfer, das Gott gnädig ansehen und annehmen wird. Machen wir uns auf, aus der Dankbarkeit gegenüber Gott, die Zukunft nach seinem Willen zu gestalten. Amen.