Predigt zu 2. Mose 13, 20-22

Was wird das neue Jahr bringen? Wird es sein wie das alte? Und wie ist das alte Jahr gewesen? Vielleicht war es ein gutes Jahr. Vielleicht ist manches gelungen oder Neues in unser Leben hineingekommen?
Vielleicht war dieses Jahr für Sie so, dass Sie es gerne in Erinnerung behalten, mit Gelungenem und Schönem.
Vielleicht war es auch ein eher schlechtes Jahr. Vielleicht habe ich eine falsche Entscheidung getroffen. Vielleicht geht es gesundheitlich schlechter. Vielleicht haben wir jemanden verloren.
Vielleicht ist auch manches gelungen. Vielleicht hat sich die Gesundheit verbessert. Wir wurden in Gefahr bewahrt. Wir haben manches geschafft.
Wahrscheinlich gab es in jedem Leben im vergangenen Jahr Gutes und weniger Erfreuliches. So wird es meistens sein.
Was wird das neue Jahr bringen? Veränderungen zum Guten oder zum Schlechten? Oder geht es weiter wie bisher? Wir wissen es nicht. Wir befinden uns im Übergang.
Im Übergang befand sich auch das Volk Israel. Es war aus Ägypten ausgezogen. Sie waren unterwegs ins Land, das Gott ihnen versprochen hat.
Ich lese den Predigttext aus 2. Mose 13,20-22
[20] So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. [21] Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. [22] Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
Israel hatte die Jahre der Sklaverei hinter sich gelassen. Der Pharao musste es schließlich ziehen lassen. Und nun waren die Israeliten unterwegs in die Freiheit. Nun befinden sie sich am Rande der Wüste. Die Unsicherheit ist groß. Doch Gott lässt sie nicht alleine. Es liegt ganz bestimmt kein leichter Weg vor ihnen. 40 Jahre lang werden sie durch die Wüste geführt werden. 40 Jahre lang nicht ankommen. Und doch: Gott ist bei ihnen und hilft ihnen weiter. Weiter durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Freuden und Niederlagen. Mit Hoffen und Bangen, mit Enttäuschungen und allem, was zum Leben gehört. Aber doch bleibt Gott da und weist den Weg. Damals in Form der Wolken- und Feuersäule.
Wolkensäule und Feuerschein – sind die Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk Israel. Wolkensäule und Feuerschein zeigen den Weg durch die Wüste, der sonst zum Irrweg geworden wäre. Gott geht mit, macht sich auf den Weg mit den Menschen, die er sich erwählt hat.
Wolkensäule und Feuerschein – sichere Zeichen sind das nicht. Und die Zeichen würden andere Menschen anders deuten. Es gibt eben bestimmte Wettererscheinungen. Es gibt Wolken, die sich auftürmen, und es gibt elektrische Entladungen bei Nacht, die man als Feuersäule deuten kann. Zeichen sind eben keine Beweise. Zeichen sind Hinweise Gottes und sie sieht nur, wer auch Augen hat, zu sehen, sie nimmt nur wahr, wer sich auf das Geleit Gottes eingelassen hat. Wem Gott fraglich ist, dem werden auch die Zeichen nichts bedeuten.
Auch der Engel in der Christnacht hatte von einem Zeichen gesprochen: Das habt zum Zeichen; Ihr werden finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Kinder gibt es viele, und viele werden geboren, meist in den Weltgegenden, in denen die Lebensverhältnisse dürftig und die Überlebenschancen gering sind. Man muss Augen haben für dieses Kind, man muss Gott in der Krippe finden wollen. Sonst wird die Weihnachtsgeschichte zum Wintermärchen. Gott im Stall, Gott heruntergekommen bis zur Menschlichkeit. Gott auf Augenhöhe, so dass man sich zu ihm herabneigen muss, um ihn im diesem Kind zu erkennen.
Im Abendmahl bekommen wir Zeichen seiner Nähe und der Stärkung. Wer das von Herzen glaubt, für den entwickelt sich aus den Zeichen Kraft für das Leben.
Gott geht mit. Christus wird bei uns bleiben in seinem Geist, alle Tage des Neuen Jahres hindurch. Niemand verspricht uns, dass das Jahr ein gutes wird. Neue Krisen werden auftreten und Mächtige spielen mit dem Feuer. Die Kunst der Diplomatie und der Politik wird im neuen Jahr gefragt sein wie eh und je, und besonders das Gebet für diejenigen, die Politik gestalten. Es wird eine bleibende Herausforderung sein, wie wir das Leben auf diesem Planeten gestalten, ob es uns gelingt, Schritte auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Wohlhabenden und den Habenichtsen zu gehen, und ob wir bereit sind, zurückzustecken, bescheidener zu werden.
Mit uns geht das Zeichen Gottes, das Kind aus der Krippe, der jüdische Rabbi, der gekreuzigte und auferstandene Herr. Wir gehen nicht ins Dunkel, wir gehen ihm entgegen. Manchmal verzagt, ängstlich, aber doch begleitet, weil er gesagt hat: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.
Auch wir können die Erfahrung machen wie sie die Israeliten gemacht haben: Wo erst kein Weg zu sein schien, tut sich doch einer auf. Wo die Situation aussichtslos erschien, geht es doch weiter. Es geschieht - wir werden weitergeführt.
Wir können mit Zuversicht in das neue Jahr gehen, denn Gott geht mit. Wir sind nicht alleine. Wir sind mit vielen anderen zusammen unterwegs in unserem Leben, mit unseren Familien, mit den Menschen hier in der Gemeinde, mit Freunden, denen wir helfen und die uns helfen. Gott ist da. Vielleicht nicht immer so sichtbar wie damals bei den Israelitinnen. Trotzdem stimmt das.
Und wir wissen auch, dass Gott da sein wird, wenn eines Tages die Zeit gekommen ist, diese Welt zu verlassen und dorthin zu gehen, wo es keinen Schmerz und kein Leid mehr gibt und wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Ja, dann werden wir ganz sicher wissen, dass Gott da ist. Bis dahin begnügen wir uns mit den kleinen Wundern, die uns das Leben hell und lebenswert machen. Von diesen Wundern, die uns spüren lassen, dass Gott da ist, wünsche ich Ihnen im Jahr 2018 eine große Menge. Lassen Sie uns in das neue Jahr gehen im Vertrauen darauf, dass Gott da ist und uns beschützt und uns den Weg zeigt. Amen.