Predigt zur Jahreslosung: Suche Frieden

Suche den Frieden und jage ihm nach. Psalm 34, 15
Liebe Gemeinde,
das ist die Jahreslosung für 2019. Eigentlich ist diese Aufforderung zum Schalom etwas, das die Welt schon immer braucht.
David hat das im 34. Psalm so niedergeschrieben. Schalom, das ist weit mehr als die Abwesenheit von Unfrieden oder Krieg. Schalom, das ist Leben bei Gott, in seiner Gegenwart, bei der Quelle des Lebens, des Friedens, des HeilsFriede auf Erden, so heißt es im Weihnachtsevangelium, das hat Jesus gebracht und das bringt er bis heute zu den Menschen, die ihm nachfolgen. Wer ihm nachfolgt, der jagt, sozusagen automatisch, dem Frieden nach.
Die Hoffnung auf das Ende von Chaos und Zerstörung und ein alle und alles umfassendes Friedensreich zieht sich durch die ganze Bibel. Sie berichtet aber auch von den ersten bis zu den letzten Seiten von Mord und Totschlag, Streit und Unversöhnlichkeit. Mitten hinein erklingt deshalb immer wieder der Ruf: Suche Frieden und jage ihm nach!
Sie haben die Karte in der Hand, die am Eingang ausgeteilt wurde. Auf ihr sehe ich ein strahlend weißes Kreuz, das sich über die gesamte Grafikcollage Stefanie Bahlingers erstreckt und sogar darüber hinaus reicht. Es sprengt Raum und Zeit, verbindet Himmel und Erde, umfasst alles, was war, was ist und was noch sein wird.
Die Künstlerin wählt ein Kreuz als Zeichen des Friedens. Den Ort, an dem Christus alle feindlichen Machte besiegt hat: „Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.

Am Kreuz hat Gott mit uns Menschen und seiner ganzen Schöpfung Frieden geschlossen. Auf unserer Suche nach gerechtem Frieden im Kleinen wie im Großen kommen wir nicht am Kreuz vorbei! Wie die vielen Menschen in der Grafik, die einander ohne trennende Mauern und Grenzen ganz nah sind. Sie geben einander Halt und leuchten in den Regenbogenfarben. Da stören keine Unterschiede, auch nicht der Herkunft, angedeutet durch die aneinandergefügten Schriftfragmente des Vaterunsers in verschiedenen Sprachen. Ihre Anordnung erinnert an ein „Haus lebendiger Steine", mit dem das Reich Gottes verglichen wird. Möglicherweise bilden die Personen auch eine „Menschentraube" als Hinweis auf Jesu Rede vom Weinstock und seinen Reben, die nur am Weinstock Frucht bringen können. Ohne ihn und seine Gemeinde lebt es sich gefährlich. Denn nur in der Gemeinschaft miteinander begegnen wir ihm und seinem Frieden. Nur in der Gemeinschaft miteinander begegnen wir ihm und seinem Wort, das uns beflügeln kann, korrigieren, ermutigen, neue Impulse geben.
Er sagt zu seinen Jüngern:  Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt  gibt Euer Herz erschrecke
nicht und fürchte sich nicht" (Johannes 14, 27). Was für eine Verheißung! Diese Spannung mag verwirren und Ist nicht einfach zu lösen. So ist es auch schwer zu erkennen, wohin sich die Blicke
der Personen in Stefanie Bahlingers Bild richten: zum Kreuz, zur Stadt im Hintergrund oder schauen sie einander an?
Suche Frieden und jage ihm nach! - geht nur mit der Bereitschaft, die Blickrichtung zu wechseln und sich von Christus immer wieder neu ausrichten zu lassen. Die Farben verlieren sich zum unteren Bildrand hin, an dem alle Unterschiede nahezu aufgehoben und dem Weiß des Kreuzes angeglichen sind. „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen (Matthäus 5, 9), verspricht Jesus in der Bergpredigt. Als seine Kinder sind wir dazu berufen, Licht der Welt zu sein. Wie die einladende, helle Stadt auf dem Berg im Hintergrund.
Zu ihr zieht es auch die Menschen am rechten und linken Rand. Deutlich „gebrochene", graue Existenzen sehnen sich mit ihren abgeknickten und kaputten Beziehungen nach Heilsein, nach dem Schalom! In den Bruchstücken ihres Lebens sind auch Ausschnitte des Vaterunsers zu lesen: „... vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von
dem Bösen. (Matthäus 6,12 f). Frieden und Versöhnung zu leben, ist eine Überforderung, wenn wir dabei nur von unseren Möglichkeiten ausgehen. So steht auch das ,,Amen" direkt am Fuß des Kreuzes. Frieden und Versöhnung zu leben, haben wir nie im Griff. Und doch sind wir dazu aufgerufen:
Suche Frieden und jage ihm nach!
Die Grafik stellt Phasen meines Lebens in seiner ganzen Bandbreite dar und mutet mir ganz persönliche Fragen zu: Wo würde ich mich selber gerade ansiedeln? Wo sind Beziehungen zerbrochen? Welche Trümmer liegen im Weg und könnte ich aus dem Weg räumen? An welcher Stelle sollte ich von meiner festgefahrenen Sicht der Dinge Abstand nehmen und vielleicht nicht länger auf mein Recht pochen und alte Wunden lecken? Was lähmt und hindert mich daran,
in Frieden zu leben? Auch mit mir selbst und meiner Geschichte. Manchmal scheint es leichter zu sein, sich für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu engagieren, als sich den Herausforderungen in unmittelbarer Nähe zu stellen. Das eine darf das andere aber nicht ausschließen Doch wer kann schon von sich behaupten, er wisse, was gerecht ist und dem Frieden dient? Trotzdem ermutigt uns David: Suche Frieden und jage ihm nach!
Wir brauchen dem Frieden nicht überfordert hinterherzujagen. Christus lädt uns ein in seinen Frieden. An uns liegt es, wie wir uns an ihn und seine Versöhnungskraft „binden" lassen, angedeutet durch die beiden goldenen Diagonalen in der Mitte des Kreuzes. Dann bleibt es nicht aus, dass wir seinen Frieden an unserem Platz widerspiegeln. Oft nur angedeutet und doch blitzt er auf, der Friede, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bis am Ende der Zeiten der Schalom Gottes anbricht:
Dafür steht der goldene Bogen am oberen Rand der Grafik. Wenn Jesus durch das goldene Tor in Jerusalem kommt, bricht für alle sichtbar das ewige Friedensreich an: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes" (Lukas 13, 29). Bei diesem großen Festmahl wird der Friede als ,,Dauergast" mit am Tisch sitzen. Das garantiert der Gastgeber persönlich!
Amen