Nacht der verlöschenden Lichter

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Gründonnerstag 1.4.2021 Online-Gottesdienst


Herzlich willkommen zum Gottesdienst an Gründonnerstag. Engste Gemeinschaft feiert Jesus mit seinen Jüngern. In schwierigen Lebenssituationen, haben wir gerne die bei uns, die uns wichtig sind. In Coronazeiten geht das leider aber nicht so wie bisher. Deshalb feiern wir jetzt unsere Gemeinschaft in der Distanz über diesen Gottesdienst im Internet. Gehören aber doch zusammen in der Gemeinschaft, in die Gott uns gestellt hat.
In seinem Namen feiern wir diesen Gottesdienst.


Am Gründonnerstag findet bei uns das Auslöschen der zwölf Kerzen als Symbol für die verlöschende Hoffnung der Jünger statt, bis in der Kirche nur noch eine Kerze in der Mitte – Christus – brennt. Dieses Licht verlöscht nicht, denn Christus spricht:
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Möge uns allen sein Licht aufleuchten.


Eingangsgebet – Stilles Gebet
Wir beten:
Vater im Himmel, gerne bist du bei uns und gerne versammelst du uns um deinen Tisch. Da sind wir jetzt angekommen. Wir sind beieinander in dieser Stunde, um zusammen zu sein. Bleib du bei uns und stärke unsere Seele.
Wir kommen zu dir und atmen auf, hören auf dein Wort und lassen uns von deiner Botschaft kräftigen. Stärke in uns die Hoffnung auf dein Reich. Lass deine Liebe in uns stark werden. Hilf uns, dass dieser Gottesdienst dabei hilft, die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.
Darum bitten wir dich durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung
1. Kerze
Judas verlässt Jesus schon kurz nach dem Abendmahl. Er geht in die Nacht, um ihn zu verraten. Er wird es mit einem Kuss tun - Zärtlichkeit wird zum Mittel des Verrats. Nicht einmal dieses Zeichen der Zuneigung und Vertrautheit ist davor geschützt, missbraucht zu werden. (Die Kerze wird ausgepustet.)

2. Kerze
Der zweite Jünger hat Nachteile für Frau und Kinder befürchtet: „Wenn sie mich festnehmen,“ denkt er, „wird es nicht nur mir schlecht ergehen.“ Deshalb flieht er und hat einen plausiblen Grund für seine Flucht gefunden und so zieht er sich zurück. (Die Kerze wird ausgepustet.)

3. Kerze
Jesus hatte gerade gesagt, dass er leiden würde. Dem dritten Jünger wird in diesem Moment klar, dass Jesus nicht auf der Siegerseite stehen würde. Er will nicht zu diesem Verlierer gehören. Warum sollte er sich für einen Gescheiterten opfern? (Die Kerze wird ausgepustet.)

4. Kerze
Der Vierte hat gelernt, dass man sich mit Mächtigen nicht anlegen sollte. Daran denkt er in dieser Nacht. Den Schwertern muss man sich fügen. Er fügt sich – und flieht. (Die Kerze wird ausgepustet.)

5. Kerze
Der Fünfte denkt nichts. Er hat nur Angst: Angst um sein Leben. Er tut, was sein Fluchtinstinkt ihm eingibt - und läuft weg. (Die Kerze wird ausgepustet.)

6. Kerze
Der Sechste geht, weil er überleben möchte. „Jesus kann ich nun nicht mehr helfen, dann will ich wenigstens dafür sorgen, dass hinterher die Wahrheit über ihn verbreitet wird“. (Die Kerze wird ausgepustet.)

7. Kerze
Dem Siebten wird es einfach Zuviel: Er hat die Zumutungen nun endgültig satt. Damit soll es ein Ende haben. Er beendet für sich dieses Kapitel. (Die Kerze wird ausgepustet.)

8. Kerze
Der Achte will sich nicht mehr verstecken müssen. Er ist müde geworden und sehnt sich in diesem Augenblick nach Hause zurück, ans Ufer des Sees. Dort hat er sich vor drei Jahren wegholen lassen. Seine Familie wird sich freuen, wenn er zurückkehrt. So denkt er nicht weiter darüber nach und geht einfach weg. (Die Kerze wird ausgepustet.)

9. Kerze
Der Neunte will sich von Gewalt distanzieren. Er will nichts damit zu tun haben, dass Schwerter gezogen werden. Wird nicht durchs Schwert umkommen, wer das Schwert nimmt? Er befürchtet ein Handgemenge und geht deshalb unauffällig bei einer passenden Gelegenheit weg. (Die Kerze wird ausgepustet.)

10. Kerze
Der Zehnte fragt sich, ob er sich gründlich getäuscht hat. War alles bis hierher ein Irrweg? Drei verlorene Jahre? Aber noch ist es nicht zu spät, umzukehren und das alte Leben zurück zu gewinnen. (Die Kerze wird ausgepustet.)

11. Kerze
Der Elfte traut sich vieles zu, aber leiden möchte er nicht. Davor hat er nun wirklich Angst. Er hat mit sich gekämpft; aber nun gibt er auf. (Die Kerze wird ausgepustet.)

12. Kerze
Der Zwölfte flieht zuerst mit den anderen. Später geht er aber doch heimlich seinem gefangenen Herrn nach. Er möchte mitbekommen was geschieht. Er bleibt in der Nähe - und ist doch weggegangen. Wenn der Hahn kräht, wird ihm sein Scheitern bewusst werden. Er weiß sich nicht weiter zu helfen und geht. (Die Kerze wird ausgepustet.)

13. Kerze
Ein Licht ist übrig geblieben. „Ich bin das Licht der Welt“, sagt der, der bleibt, von sich. „Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)
Er ist unsre Hoffnung – immer!

EG 488 Bleib bei mir, Herr
1. Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein.
Es kommt die Nacht, die Finsternis fällt ein.
Wo fänd ich Trost, wärst du mein Gott nicht hier?
Hilf dem, der hilflos ist: Herr, bleib bei mir!
2. Wie bald verebbt der Tag, das Leben weicht,
Die Lust verglimmt, der Erdenruhm verbleicht;
Umringt von Fall und Wandel leben wir.
Unwandelbar bist du: Herr, bleib bei mir!

Predigt
I. Es gibt im Leben immer wieder Zeiten, in denen Menschen an einer festlichen Tafel sitzen, weil es etwas zu feiern gibt; Ostern ist so ein Fest, aber auch Geburtstagsfeiern, Konfirmationen und andere Familienfeste. Sie schweißen Familie und Freunde fester zusammen und bringen wertvolle Erinnerungen ins Gedächtnis. Oft erinnert man sich an das gemeinsam Erlebte oder an Durchgestandenes - an eine erfüllte Begegnung, einen klugen Rat, eine fröhliche Erfahrung. Manche reden auch von der Zukunft, überreichen ein kleines Geschenk und sprechen Wünsche aus. In diesen Tagen vermissen wir solche Zusammentreffen, weil sie gerade nicht so möglich sind, wie wir das gewohnt sind.
Am ersten Gründonnerstag ist Jesus mit seinen Jüngern festlich zusammengesessen. Sie haben miteinander gegessen und getrunken. Sie haben sich unterhalten, über das was war und Jesus hat sie vorbereitet auf das was kommt. Er hat ihnen auch ein Geschenk mitgegeben: das Abendmahl: Die Jünger haben es nicht gleich als solches erkannt. Aber später schon, sonst würden wir heute nicht zusammen sein.
Auch wir sind hier um uns zu erinnern. Damit tun wir das was Jesus sogar zweimal in den Einsetzungsworten sagt: „Feiert … zu meinem Gedächtnis“. Erinnert euch an mich! Wir denken an das, was damals geschah. Auch wir sind, wie die Jünger damals, dankbar, dass Jesus uns so viel von Gott gezeigt hat: dass Gott die Liebe ist und unser Vater im Himmel, der uns immer begleitet und unsere Seele behütet.
Damals lag über der fröhlichen Feier ein dunkler Schatten. Jesus wusste: er wird verraten und verlassen werden, gefangengenommen und er wird sterben. Er wusste es schon lange. Aber an diesem letzten gemeinsamen Abend spricht er deutliche Worte.
Darüber erschrecken die Jünger.
Jesus aber wählt den gewaltlosen Weg, den ohne Weglaufen, der zum Tod führt. Warum? Das konnten die Jünger noch nicht erkennen. Sie hatten ja Ostern noch nicht erlebt. Durch Ostern wissen wir mehr: Jesus ist den Weg durch den Tod gegangen, um uns zu zeigen: wer zu Gott gehört, der lebt in Ewigkeit.
Leicht war das für Jesus auch nicht. Er hatte Angst. Später im Garten Gethsemane bittet er sogar darum, dass er nicht sterben muss. Ganz menschlich zeigt er sich uns.
Das tut mir gut, dass es unserem Herrn auch einmal so ging. So weiß er, wie es uns geht in dunklen Zeiten.
Wir sind nicht alleingelassen, sogar dann nicht, sollte es sich so anfühlen. Bei Jesus war es auch so. Gott begleitet durchs Dunkel hindurch. Er geht den Lebensweg mit uns der letztlich im Licht enden wird. Unser Herr kennt diesen Weg, denn Jesus ist ihn selbst gegangen.
Jesus, der Hausherr, macht seinen Jüngern ein Geschenk. Das ist unüblich. Normalerweise bringen die Gäste Geschenke mit. Jesus macht es wie so oft überraschend anders. Er ist der Geber. Sein Geschenk ist der neue Bund, den Gott in Christus mit den Menschen schließt. Paulus schreibt davon: dieser Kelch ist der neue Bund.
Ja, Gott hat einen Bund mit uns Menschen geschlossen und der wird durch Jesus sichtbar. Inhalt dieses Bundes ist dies: Nie lasse ich euch alleine, sagt er uns. Immer bin ich bei euch. An den leichten Tagen und an den schweren.
Wie gut, dass Jesus so viel über Gott erzählt hat – über die göttliche Liebe. Dass Gott das Leben will und dass er uns begleiten möchte.
Amen

EG 488
3. Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein,
Denn des Versuchers Macht brichst du allein.
Wer hilft mir sonst, wenn ich den Halt verlier?
In Licht und Dunkelheit, Herr, bleib bei mir!

Fürbitten-Vaterunser
Vater im Himmel,
gut, dass dein Licht uns scheint.
V Wenn uns Angst überkommt – A Herr, stärke uns.
V Wenn uns Zweifel plagen – A ...
V Wenn wir nicht mehr weiter wissen – A ...
V Wenn wir uns schwach und hilflos fühlen – A ...

V Für die Kranken – A Herr, stärke sie.
V Für die Menschen, die Not leiden – A ...
V Für die Menschen, die sich verlassen fühlen – A ...
V Für die Sterbenden – A ...
V Für die Menschen, die Not lindern – A ...
V Für die Menschen, die anderen beistehen – A ...

wp 202 Verleih uns Frieden gnädiglich
Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!

Segen