Predigt zu Psalm 139, 14

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Das sind alte Worte, doch sie sind auch heute gültig. Vor ungefähr 3000 Jahren hat sie der König David aufgeschrieben.
Immer wieder können auch wir einen Augenblick innehalten und sagen: Wie schön, dass ich leben kann. Wie schön das Leben ist: Die Sonne und der Regen. Das Frühstück und die Luft, die ich atme. Meine Familie und meine Freunde.
Wir können innehalten und dankbar sein. Denn das haben wir ja nicht selbst gemacht. Das kann man nicht kaufen. Das wird uns geschenkt. Christen sagen: geschenkt von Gott. Alles im Leben haben wir von ihm.
Gott hat mich gemacht – wunderbar gemacht. Doch nicht nur mich hat Gott gemacht – auch der mir gegenüber steht oder neben mir sitzt oder hinter mir.
Jeden und jede von uns sind anders. Jeder und jede ist einzigartig – sogar Zwillinge sind jeweils einmalig. Doch alle von Gott gemacht – wunderbar gemacht.
In der Bibel steht, dass Gott uns als sein Ebenbild gemacht hat. Also sind wir alle ein bisschen ein Abglanz von Gottes Herrlichkeit. In jedem Menschen steckt Herrlichkeit. Einige Spiegel haben wir in der Kirche ausgeteilt. Schau dich einmal genau an. Du bist genau so, wie Gott dich gewollt hat.
Schau in den Spiegel und du darfst wissen, dass Gott dich genau so gemacht und gewollt hat, wie du bist.
Und das gilt auch für meine Mitmenschen. Für die Klassenkameraden. Das gilt auch für die, die ich nicht so mag. Gott hat auch sie gemacht und liebt sie. Also halte den Spiegel noch einmal vor dich hin, aber nun schau jemand an, der neben dir sitzt.
Auch er ist ein Ebenbild Gottes. Gott ist unser aller Vater, wir sind seine geliebten Kinder.
Wir sind alle verschieden, haben verschiedenes Aussehen und verschiedene Fähigkeiten. Bei den 12 Jüngern, die damals Jesus begleitet haben, war es auch so. Sie waren ganz verschieden. Einer, der Thomas, der konnte zum Beispiel sagen: Ich glaube nur was ich sehe. Als Jesus von den Toten auferstanden war, glaubte er es, weil er es gesehen hat.
Petrus war von sich ziemlich überzeugt. Ein impulsiver Typ. Mal mutig und draufgängerisch, dann wieder sehr ängstlich. Aber Jesus nimmt ihn doch als den Felsen, auf dem er seine Kirche bauen will.
Dann Johannes und Jakobus, zwei Brüder, Jesus nennt sie Donnersöhne, wahrscheinlich waren sie oft laut. Obwohl sie sehr an ihrer Mutter hingen.
Dann Philippus: einer der immer befürchtet hat: das geht nicht gut aus.
Dann Simon, ein Freiheitskämpfer gegen die Römer. Jemand, der oft sagen kann: das ist ungerecht und der etwas dagegen machen möchte.
Matthäus, das ist ein Zöllner, also einer der sich anpasst und mit den Römern zusammenarbeitet.
Eine unglaublich bunte Truppe hat Jesus da beisammen: vom einfach Fischer zum gebildeten Hellenisten, vom Zolleintreiber für die Römer zum Untergrundkämpfer gegen die Römer, vom glühenden Anhänger zum Zweifler und Zauderer; vom Freund der mit ihm geht (Johannes, der Jünger den Jesus lieb hatte) bis zum Verräter.
Und wir, wir gehören jetzt auch zu den Freunden von Jesus. Wir, die wir heute in der Kirche zusammensitzen.
Wir sind auch verschieden und gehören doch zusammen in der Gemeinde Gottes. Uns alle liebt er so wie wir sind, mit unseren Stärken und Schwächen, mit unseren Eigenschaften un vielem mehr.
Schaut morgens in den Spiegel und sagt: Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Wenn das zu unserer Grundeinstellung wird, dann ist diese gesund für unsere Seele.
Ich wünsche dir, dass du oft dankbar sein kannst. Und dass du spürst: Gott liebt mich. Gott hört mir zu, wenn ich mit ihm rede. Gott versteht mich. Ich bin nicht allein. Amen.