Gottesdienst mit Predigt zu Jesaja 52 (Gottesknechtslied)

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Musik zum Eingang
Votum - Begrüßung - Wort zum Tag:

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (gesungenes Amen)
Karfreitag – ein hoher Feiertag. Jesus hat die Liebe zu den Menschen gelebt, konsequent bis zum Ende am Kreuz. Es ist ein stiller ein nachdenklicher Feiertag. Ein neuer Bund wird ins Leben gerufen. Ein unverbrüchlicher!
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Psalm EG 759 (Lied vom Gottesknecht)

Fürwahr, er trug unsre Krankheit
und lud auf sich unsre Schmerzen.
Wir aber hielten ihn für den, der geplagt
und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet
und um unsrer Sünde willen zerschlagen.
Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten,
und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir gingen alle in die Irre wie Schafe,
ein jeder sah auf seinen Weg.
Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.
Als er gemartert ward, litt er doch willig
und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm.
Weil seine Seele sich abgemüht hat,
wird er das Licht schauen und die Fülle haben.
Amen.


Eingangsgebet – Stilles Gebet
Vater im Himmel,
im Leiden und Sterben deines Sohnes zeigst du uns deine Liebe. Du willst für uns da sein, immer: In Leidenszeiten, in Pandemiezeiten, in Tiefen wie auf Höhen.
Immer bist du unser Lebensbegleiter.
So bringen wir zu dir, was uns in diesen Zeiten besonders auf dem Herzen liegt.

Schriftlesung Johannes 19, 16-30

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

EG 85, 1+4+6 O Haupt voll Blut und Wunden
1. O Haupt voll Blut und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn, / o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron, / o Haupt, sonst schön gezieret / mit höchster Ehr und Zier, / jetzt aber hoch schimpfieret: / gegrüßet seist du mir!
4. Nun, was du, Herr, erduldet, / ist alles meine Last; / ich hab es selbst verschuldet, / was du getragen hast. / Schau her, hier steh ich Armer, / der Zorn verdienet hat. / Gib mir, o mein Erbarmer, / den Anblick deiner Gnad.
6. Ich will hier bei dir stehen, / verachte mich doch nicht; / von dir will ich nicht gehen, / wenn dir dein Herze bricht; / wenn dein Haupt wird erblassen / im letzten Todesstoß, / alsdann will ich dich fassen / in meinen Arm und Schoß.
Text: Paul Gerhardt 1656 nach »Salve caput cruentatum« des Arnulf von Löwen vor 1250

Predigt zu Jesaja 52

„(13) Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben.
(14) Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen.
(15) Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, Könige müssen vor ihm verstummen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun: Was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.
52 (1) Wer hat unserer Kunde geglaubt? Der Arm des Herrn, wem wurde er offenbar?
(2) Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
(3) Er wurde verachtet und von Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet, wir schätzten ihn nicht.
(4) Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.
(5) Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.
(6) Wir hatten uns alle verirrt wie die Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.
(7) Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.
(8) Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten, und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen.
(9) Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
(10) Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht, er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.
(11) Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.
(12) Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen, und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein.“

Liebe Gemeinde!
Es ist manchmal ganz hilfreich, eine Geschichte vom Ende her zu erzählen.
„Es ist vollbracht“, sagt Jesus nach dem Bericht des Johannesevangeliums als letzte Worte. Es gibt Darstellungen des Gekreuzigten, die das ausdrücken. Da sind seine Gesichtszüge entspannt, die Spuren des Leidens kaum noch zu erkennen, der Heiligenschein der mit Goldbronze überzogenen Figur glänzend. Dieser Christus am Kreuz scheint schon erhöht zu sein. Manche werden dabei ein wenig ärgerlich, denn sie bevorzugen den Markustext der Passionsgeschichte, in dem die letzten Worte Jesu am Kreuz lauten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Ihnen wäre es lieber gewesen, das Leiden Jesu und die Verzweiflung in seiner letzten Stunde auch im Gesicht des Kruzifixes wieder zu erkennen.
Denn es ist ihnen schon wichtig, das Mitleiden Jesu mit den Menschen zu betonen, und für leidende Menschen sollte sich auch die Gemeinde einsetzen.
Beides ist notwendig zu glauben: Dass Jesus für uns gelitten hat und heute noch mit uns leidet und dass er von Gott erhöht worden ist.

Denn wer würde je über diesen einen Gekreuzigten reden, wenn Jesus nicht auferstanden wäre? Er wäre in Vergessenheit geraten, wie so viele, die damals von den Römern gekreuzigt worden waren.
Deshalb finde ich es wichtig, dass der Lichtschein der Auferstehung schon im Gesicht Gekreuzigten leuchtet. Das Heilswerk Gottes ist hier schon „vollbracht“.
Denn nur wenn wir sie vom Ende, vom Licht der Auferstehung her erzählen, kann die Geschichte des Leidens Jesu uns Trost bringen.

Auch unser Predigttext aus dem Prophetenbuch des Jesaja im Alten Testament, der über den „leidenden Gottesknecht erzählt, beginnt mit dem Ende. Gott sagt zum Ende des Lebens seines Knechts: „Seht, mein Knecht hat Erfolg. Er wird groß sein und hoch erhaben.“
Aber in der Lebensgeschichte des Knechts sah es am Anfang gar nicht so aus, als ob er einmal Erfolg haben würde. Schon als „junger Spross“, der auf „trockenem Boden“, also in Armut aufwuchs, schien sein Weg vorgezeichnet.
Bestimmende Themen seines Lebens werden Schmerzen, Krankheit, Misshandlung und ungerechte Anklagen und Verurteilung sein.
Die Parallelen dieses alttestamentlichen Textes zur Leidensgeschichte Jesu waren schon für die ersten Christen offensichtlich. Es war für sie ein Hinweis darauf, dass Jesus der Messias ist, der von Gott eingesetzt wurde, auch wenn er zuerst leiden musste wie der Gottesknecht im Buch des Propheten Jesaja.


Kann ein Gott sterben? Können Menschen einen Gott töten? Wenn es einen solchen Gott gäbe, dann kann das nur ein – ja – Esel sein. So jedenfalls sah das der Unbekannte, der im dritten Jahrhundert auf dem Palatin in Rom die Karikatur in eine Wand ritzte, bei der es sich um die älteste uns bekannte Darstellung der christlichen Kreuzesszene handelt. Ein ans Kreuz genagelter Mensch mit Eselskopf, daneben ein Mann in Gebetshaltung, darunter die Worte „Alexamenos sebete theon“, „Alexamenos betet Gott an“. Hohn und Spott über einen frühen Christen: Wer einen Gott anbetet, der ein solcher Esel ist, sich eine Hinrichtung am Schandpfahl gefallen zu lassen, kann nur selbst ein Esel sein.

Nun ja, Spötter bringen ohne es zu wissen, öfter eine Wahrheit ans Licht.
Wir denken bei diesem Eselsgott nicht nur an den Einzug Jesu am Palmsonntag auf einem Esel.
Dieser Esel war ja schon Zeichen der Demut und seines Reiches der Gewaltlosigkeit. Aber schauen wir noch eine Schicht tiefer: Die Verse des Predigttextes sagen von Gott, dass dieser Gott sich für sein Volk zum Esel mache, zum Lasttier, das seine Geschöpfe schleppen und retten wird, auch dann noch, wenn sie alt und grau geworden sind. Er wird sich die Seinen aufladen, sich unter sie beugen, um sie für sich zu gewinnen und zu retten – und wenn es noch so lange dauern mag. Soviel Geduld hat er mit ihnen, die sprichwörtliche Eselsgeduld mit ihnen, den Störrischen.
Das aber tut Gott nicht einfach so nebenbei. Neine, nein, das kostet ihn schon allerhand. Und eben dieser Preis wird sichtbar in den Liedern vom leidenden Gottesknecht.

Jesaja sagt nicht, wer dieser Gottesknecht sein wird – weil er ja nicht die Zukunft voraussagt. Er bezeugt einfach nur, dass es einen solchen Gottesknecht um der Menschen willen geben muss. Wenn der tiefste Gottesname – jenes „Ich-bin-der-ich-bin-da-für euch“ – wahr sein soll, dann braucht es so einen Boten. Jesaja weiß daher, wie dieser Gottesknecht sein muss: Ein Sinnbild des geduldig tragenden, schleppenden Gottes aus Fleisch und Blut.
Entstellt, verachtet, geschlagen, gebeugt – und doch ein Großer und von Gott gerettet, weil er Böses bis über die Schmerzgrenze ertragen hat und weggetragen hat. Damit hat er einen neuen Anfang möglich gemacht.

Aber was bedeutet das? Das von Gott aufgetragene Werk – eine neuen Befreiung, ein neuer Exodus – aber nun nicht mehr handelnd wie Mose einst, sondern – leidend? Nicht aus Lust am Leiden, sondern weil so auch noch in der Situation der extremsten Verfassung, in die ein Mensch geraten kann, während eines aggressiven Hassausbruches gegen Gott, so gezeigt wird, dass Gott immer noch der ist: "Ich-bin-da-für-dich".
Indem der Gottesknecht leidet, zeigt er wie überflüssig die Ablehnung und Auflehnung gegen Gott ist, weil der doch absolut nichts für sich, aber alles für sein Geschöpf will. Alles für seine Menschen!
Durch den Gottesknecht beendet Gott die Trennung von Gott, die Sünde und der Tod wird entmachtet.

Das ist, so denke ich mir, gerade wie bei zwei Menschen, zwischen denen Böses vorgefallen ist: Solange der eine beschuldigt und der andere sich rechtfertigt, solange der eine urteilt und der andere verurteilt wird, solange bleibt das Zerwürfnis bestehen. Erst in dem Augenblick, wo der eine dem anderen vergibt, auf die Durchsetzung seiner Rechte verzichtet ohne Zweck und Vorteil für sich, erst in diesem Moment eröffnet sich beiden wieder die Möglichkeit, über die Barriere geschehener Schuld hinweg neu zueinander zu finden.

Genau nur so – das ahnt der Dichter der Gottesknechtlieder zutiefst – kann es sein zwischen Gott und seinen Menschen. Wird diese Ahnung sich erfüllen? Der Prophet und einige seiner Kollegen mit ihm erhofften das. Das Volk Israel lebt mit dieser Hoffnung bis heute. Und einige Frauen und Männer aus diesem Volk haben in grundlegenden Erfahrungen ihres Lebens vor knapp 2000 Jahren die unumstößliche Gewissheit gewonnen, dass Jesus von Nazareth das vollbracht hat. Er hat das Geschick des Gottesknechts so ganz und unbedingt übernommen, dass in ihm die neue, endgültige Rettung der Geschöpfe sichtbar werden konnte. Bei ihm war es mit Händen zu greifen, dass Gott der ist: Ich bin für euch da. ich gebe mich für euch.

Für die Jünger von Jesus war das Leiden ihres Herrn genau das, was Jesaja aufgeschrieben hatte.
Dass ausgerechnet der, der in seinen Predigten Gott spürbar machen konnte wie kein anderer zuvor und an dessen bloßen Zugegensein anderen aufging, was Menschlichkeit ist – dass ausgerechnet der aus offiziell politischen, in Wirklichkeit aber religiösen Gründen hingerichtet wird; und dass seine Anhänger dann, wider den Sog ihrer absoluten Niedergeschlagenheit, erleben, dass sich dieser Getötete auf eine radikal neue, nur unbeholfen in Worte zu fassende Weise ihnen als Lebendiger bezeugt – das alles konnte ja gar nicht anders, als sie schlagartig an die Gottesknechtslieder des alten Jesaja denken zu lassen, den Geschlagenen und Bespuckten, der dann von Gott so groß und erhaben gemacht werden wird, dass die Völker staunen.

Dies zu erfahren und in seiner ganzen Wahrheit zu erspüren, das verdanken wir Jesus. So hat er uns nahe gebracht, wer Gott ist - dadurch, wie er war.
Denn so heißt unser Gott: "Ich-bin-da-für-euch". Damit hat er ernst gemacht.

Lied: Wp 170 Kreuz, auf das ich schaue
Fürbitten – Vaterunser
Gott,
du bist für uns da – Dafür danken wir dir.
Du trägst deine Menschen, du lässt ihnen Kraft zufließen, du liebst und stärkst sie alle.
Heute denken wir an das Leiden deines Sohnes
und das Leiden aller Menschen.
Steh allen bei, die Schmerzen ertragen müssen, sei bei den Kranken, den Sterbenden und Trauernden.
Stärke die Bemühungen derer die das Leiden erträglicher zu machen versuchen.
Sei bei Pflegenden und Versorgenden, bei Lebensfördernden und Liebenden.
Stärke in uns allen Glauben, Hoffnung und Liebe und sei so auch für uns der Gott, der den Namen trägt: ich bin für dich da – immer.
Gemeinsam beten wir zu unserm Vater im Himmel.

Wp 46 Gott, deine Liebe reicht weit
1. Gott, deine Liebe reicht weit, du hüllst sie ein in ein Kleid aus Bäumen, Blumen und Ähren, die schön sind und uns ernähren. Wir wurzeln in ihr von Zeit zu Zeit: Gott, deine Liebe reicht weit.
2. Gott, deine Liebe ein Lied, das mich seit je zu dir zieht. Singt, Vögel, Wellen und Winde, dass meinen Ursprung ich finde. Dein Atem belebt, die Schwermut flieht: Gott, deine Liebe ein Lied.
3. Gott, deine Liebe hält warm. Sie ist der schützende Arm, mit dem wir Menschen uns geben, was jeder braucht für sein Leben. Wir schöpfen aus ihr Hoffnung und Charme: Gott, deine Liebe hält warm.

Bekanntgaben
Segen
Musik zum Ausgang