Gottesdienst zu Lukas 19, 37-40

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Musik zum Eingang
Cantiamo Kyrie
Votum
Begrüßung -Wochenspruch

In der Zeit nach Ostern geht es in der Kirche normalerweise fröhlich zu. Denn in der Zeit von Ostern bis Pfingsten wir feiern den Sieg über den Tod. Heute würden wir viel singen, gäbe es Corona nicht, denn der Sonntag heißt Singt: Kantate.
In der österlichen Freudenzeit nach JUBILATE: „jubelt“ nun KANTATE: „singt“. Aber vielleicht ist singen ja auch ohne Melodie möglich. Man kann auch im Herzen singen. Denn uns trägt Gott durch das Leben, das ist wie eine Melodie, die uns heiter machen kann. Mich macht es ja schon ein bisschen fröhlicher, dass wir hier, wenn auch nur in kleiner Zahl beieinander sein dürfen. Schön, dass einige Singende von Cantiamo dabei sind. Und natürlich begrüßen wir Sie zuhause auch und freuen uns, dass Sie mitfeiern. Der Wochenspruch lautet:
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder
(Psalm 98, 1)
Psalmen sind Lieder aus uralten Zeiten - und in der evangelischen Kirche werden diese meistens gesprochen:

Psalm 98 (EG 739)
Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.

Eingangsgebet – Stilles Gebet
Ewiger Gott, du kannst in uns das Klagen in Fröhlichkeit verwandeln. Ja, die Welt und die Umstände, in der wir gerade leben sind schwierig. Trotzdem kannst du unser inneres erfreuen, unsere Seele erhellen und aufrichten. Darum bitten wir dich.
Lass uns auf deine Stimme hören, die uns anspricht und anstößt.
Durch das Kommen Jesu zu uns Menschen und mit seiner Auferweckung aus dem Tod hast uns Ursache zur Hoffnung gegeben.
So fördere das Leben in uns und um uns herum.
Das bitten wir durch Christus, deinen Sohn, unsern Bruder und Herrn.

Schriftlesung Lukas 19, 37-40
Cantiamo Sanctus
Predigt zu Lukas 19, 37-40

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Liebe Gemeinde,
drei Szenen sind mir aufgefallen:
•    Lobsingend ziehen die Jünger ihre Straße. Wahrscheinlich wird der Gesang kein musikalischer Hochgenuss gewesen sein. Aber offensichtlich ist die Schar in guter Stimmung. Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über.
•    Aber siehe da: Da stellen sich ihnen welche in den Weg: Die Bedenkenträger sind unterwegs. So en lauter Gesang, ohne Erlaubnis einer Religionsbehörde! Die Pharisäer fordern: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“
•    Und die Antwort Jesu? Fast ein bisschen mystisch, in jedem Fall geheimnisvoll und doch auch vielsagend: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Schreiende Steine anstelle lobsingender Jünger!?
Reihen wir uns doch einfach in die fröhliche Schar der Sängerinnen und Sänger ein!
Ich singe nicht besonders schön -aber gerne und oft. Und das nicht nur im Gottesdienst. Manchmal auch beim Autofahren oder an Haustüren zu festlichen Anlässen.
Der Ruf geht an uns alle: Singt, wie die Jünger am Ölberg – voller Freude mit ganzem Herzen! Sie singen zum Lobe Gottes und sie rühmen seine großen Taten. Wem das Herz voll ist…
Einen Moment halte ich inne, werde nachdenklich und schaue zurück in dieses schwere Coronajahr. Zeitweise nur eingeschränkte Gottesdienste und als sie wieder langsam mit mehr Präsenz anliefen: In vielen Kirchen immer noch kein Gemeindegesang, manchmal heimliches Summen unter der Maske. Keine schönen Konzerte. Ganz schön traurig. Schön, dass sich manche bemühten mit einer Vorsängerin oder wie heute mit einer kleinen Gruppe uns Gottesdienstbesuchern spüren zu lassen: Singt dem Herrn ein neues Lied! Das tut so gut! Je länger die Beschränkungen andauern, desto mehr spüren wir es.
Es gibt und gab doch gerade auch in Krisenzeiten viele gute Gründe zu singen und zu musizieren:
•    Dankbare Lieder trotz Corona für das tägliche Brot, für das Miteinander in den Familien, für so viele Kleinigkeiten.
•    Frohe Liedchen beim Gang durch die Gärten: „Geh aus mein Herz und suche Freud!“
•    Lieder, die zu Herzen gingen in den Höfen vor den Altenheimen, wo man sonst so großen, traurig erlebten Abstand halten musste.
•    Mutmachlieder auch für die, die gegen das Virus und für die Menschen arbeiteten.
•    Danklieder, dass es wohl Mittel gegen die Pandemie gibt und wir uns zu helfen wissen.
Ich wohne ja im Pfarrhaus mit der Inschrift: Pesach Jahwe: Gott hat uns verschont. Das hat der Pfarrer damals über der Tür eingravieren lassen, der im pestkrankenhaus Martinskirche die Kranken mitversorgt hat, mit dürftigsten Mitteln. Da geht es uns heute doch bedeutend besser.
Gerade heute am Sonntag Kantate ist es ja zentrale Botschaft unserer Gottesdienste, Lob aufsteigen zu lassen zum Himmel.
Das Lied, das zum Himmel steigt, weist nämlich über uns und alle Krisen hinaus auf den, der uns hält und trägt und im letzten erlöst.
Haben mit ähnlichen Gedanken im Herzen nicht auch die Jünger damals ihre Lieder angestimmt? Ihre Lieder weisen hin auf den, der das Leben ist: Da kommt der, der im Namen Gottes Menschen geheilt hat, Traurige getröstet und Hungrige gesättigt hat. Da kommt der, der dafür steht, dass sich „Himmel und Erde berühren und Friede werde unter uns…“
Aber dann kommen die Ordnungshüter. Die, denen ja die bunte Schar am Ölberg schon oft nicht ins Konzept gepasst hat.
Und wieder schaue ich zurück auf das letzte Jahr. Es gab gute Gründe, dass die Oberen auch in unseren Kirche den freien Gesang ohne Abstand untersagt haben. Keiner hat Singen verbieten wollen, aber zum Lebensschutz der Mitfeiernden müssen wir einfach auf den gemeinsamen Gesang verzichten. Als man mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnis wusste, dass über Aerosole das Virus leichter sich versprüht, war Vorsicht zum Schutze aller angesagt. Manche freigeistigen Gemeinden haben das in den Wind geschlagen und das war durchaus unheilvoll.
Was die Pharisäer damals wohl zum Einhalt gebieten bewegt hat? Wir lesen nichts im Text. Aber man kann sich so manches vorstellen. Sie wollten alles in alten gewohnten Bahnen belassen. Singen ist ansteckend, schafft Aufruhr, schafft Verbindung, lässt aufhorchen. Achtung: Hier verbreitet sich Gotteslob! Das kann die Ordnung schon durcheinander bringen. Und tatsächlich hat gerade der Gesang ganze politische Systeme am Ende gar zum Wanken gebracht.
Die ehrlichen Freiheitslieder, die sich gegen korrupte politische Systeme stellten und mal eher leise, manchmal auch ganz kräftig Herrschaftssystem in Frage stellten, weil sich die Machthaber als Unterdrücker erwiesen. Die Gedanken sind frei und die Lieder drücken es aus.
Erst recht und ganz besonders die wunderbaren Gospellieder, die die schwarzen Sklaven auf den Baumwollfeldern Amerikas angestimmt haben. Oft traurig klagend, im letzten aber direktes Lob Gottes. Auch sie haben von seinen Taten gesungen und sich dadurch Mut gemacht und die Sklavenhalter entlarvt.
Vielleicht gerade deshalb stellte sich Jesus einmal mehr gegen die Pharisäer mit den Worten: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Was würden die Steine oben auf dem Ölberg hinunter durchs Kidrontal bis hinauf zum Ölberg alles hinaus schreien? Was könnten die Steine hier in unserer Kirche alles zum Thema machen?
Sie haben viel Trauriges gesehen, dort und hier: Weinende Menschen, die schweren Verlust zu beklagen haben. Ich erinnere mich an jene Frau, die nach dem Gottesdienst auf mich zukam schluchzend und als wir allein waren mit lautem Schrei weinend. Ihr Enkelkind war gestorben. Da können selbst Steine erweichen.
Sie könnten aber auch hell und voller Empathie ihre Freude hinaussingen – ja hinausposaunen. Sie würden uns erzählen von gesegneten Menschen, von Paaren, Konfirmanden, die sich ins Leben mutig und die anderen mit gemeinsamen Zielen aufgemacht haben. Vom Segen Gottes für sie würden die Steine berichten.
Eine bunte Schar dort am Ölberg singend, verstummend, Steine erweichend, die aufschrien
Kantate! Singt ihr Steine! Singt ihr Menschen vom großen Tun unseres Gottes. Bereitet den Weg dem Friedefürsten, dem Herrn des Lebens.


Cantiamo Agnus dei
Fürbitten-Vaterunser

Du, Gott, schenkst uns Grund zur Freude und zum Lobgesang. Dein Wort hat Kraft, das Leben neu zu machen. Wo wir gefangen, da sprichst du uns frei. Wo wir unterzugehen drohen in Angst, da willst du in uns Zuversicht wecken. Wo uns nur Trauer und Klage bleiben würden, da kannst du in uns ein Dank- und Loblied wecken. Trotz allem.
Lass das neue Leben, das du in der Auferweckung Jesu Christi begonnen hast, auch in uns aufkeimen und wachsen und reifen und Frucht bringen. Erfülle uns mit deinem Geist.
Vor dir denken wir an die Menschen, die voll im Leben stehen. Behüte sie, sich oder andere mit ihren Erwartungen zu überfordern. Gib ihnen Freude auch an kleinen Dingen. Dich rufen wir an:
Vor dir denken wir an die Kinder mit der Freude, die sie bereiten und den Sorgen, die sie machen: Lass sie in ihrem Lernen ein Angebot finden, innerlich zu wachsen und dir zu vertrauen. Gib, dass sie unbefangen fragen und offen zuhören. Lass sie lebendige Vorbilder des Glaubens und der Liebe entdecken.
Vor dir denken wir an deine Kirche in der ganzen Welt: Mache sie in allem, was sie redet, wie sie lebt und handelt, zur Zeugin deiner Frohen Botschaft. Wir danken dir an diesem Tag besondere für die Gaben, die wir einsetzen können zu deiner Ehre und zur Freude der Menschen. Segne den Dienst aller Kirchenmusiker und Chöre.
In uns allen wecke dein Lob und schließe uns zusammen als deine Gemeinde, die dir vertraut, die glaubt,…

Cantiamo Wochenlied EG 302 Du, meine Seele singe
1. Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd; / ich will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil! / Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil, / das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt; / sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig unbetrübt.

3. Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht; / das weisen die Geschäfte, / die seine Hand gemacht: / der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer, / der Fisch unzähl'ge Herde / im großen wilden Meer.

8. Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm; / der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum. / Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt, / ist's billig, daß ich mehre / sein Lob vor aller Welt.

Abkündigungen
Segen
Musik zum Ausgang