Gottesdienst zu Lukas 2, 41-52

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Musik zum Eingang

NL+ 38 Es wird nicht immer dunkel sein
1. Es wird nicht immer dunkel sein, so klingt seit alter Zeit
das Wort der Hoffnung hell hinein in Menschentraurigkeit.
Und halten auch die Hirten noch im Finstern ängstlich Wacht,
hat doch Gott schon den Himmel aufgemacht in der Nacht, hat doch Gott schon den Himmel aufgemacht in der Nacht
2. Kann so viel Licht im Dunkel sein und so viel heller Schall?
Der Engel lädt die Hirten ein zu Jesus in den Stall.
Sie ahnen, während rings der Himmel laut vor Freude lacht:
Gott hat sich zu uns Menschen aufgemacht in der Nacht. Gott hat sich zu seinen Menschen aufgemacht.
3. Da wo die tiefsten Schatten sind, lässt Gottes Licht sich sehn.
Noch ist es klein – so wie das Kind, vor dem die Hirten stehn.
Sie haben nichts als nur verzagte Herzen mitgebracht. Aber Gott hat den Himmel aufgemacht in der Nacht.
Gott hat heute seinen Himmel aufgemacht.
4. Es wird nicht immer dunkel sein hat uns das Kind gezeigt,
auch wenn bis heut die Finsternis vor unsern Augen steigt.
Doch wer das Licht bei Jesus sucht
noch in der tiefsten Nacht,
der hat sich schon zum Himmel aufgemacht,
hat bei Nacht sich auf Erden schon zum Himmel aufgemacht.

Votum – Begrüßung - Wochenspruch
Herzlich begrüße ich Sie zum Gottesdienst. Wir befinden uns ja noch mitten im Weihnachtsfestkreis. Gottes Herrlichkeit kommt zu uns auf die Erde. Dass er immer bei uns Menschen sein will, das feiern wir da.
Ein bisschen dieser Weihnachtsherrlichkeit bildet das Bild ab, das unsere Martinskirche in der Weihnachtszeit gibt. Schade, dass Sie nicht real hier sein können, aber so begrüße ich Sie eben virtuell auf dem Weg über die Kamera.
Möge Gott uns allen in diesem Gottesdienst ein bisschen der Weihnachtsherrlichkeit ins Herz geben, damit wir uns immer begleitet wissen von ihm. Danach sehnen wir uns, dass Gott uns nahe kommt – darum geht es nachher auch in der Predigt.

Der Wochenspruch:
Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Joh. 1, 14

Psalm 100 (EG 740)
Jauchzet dem Herrn, alle Welt!
Dienet dem Herrn mit Freuden,
kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
Erkennet, daß der Herr Gott ist!
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
Gehet zu seinen Toren ein mit Danken,
zu seinen Vorhöfen mit Loben;
danket ihm, lobet seinen Namen!
Denn der Herr ist freundlich,
und seine Gnade währet ewig
und seine Wahrheit für und für.
Ehr sei dem Vater...

Eingangsgebet - Stilles Gebet
Allmächtiger Gott,
Wir sind an diesem Morgen zu Dir gekommen, so wie wir sind. Du weißt, wie es uns zumute ist. Komm Du selbst in dieser Stunde spürbar zu uns und berühre unser Inneres. Hilf du unserer Seele auf, dass sie sich aufrichten kann und wir aufatmen in deiner Gegenwart. Gib du uns Sehnsucht nach deiner nähe und komm zu uns.
Du bist in unsere Welt gekommen und hast Deinen Sohn uns zuliebe Mensch werden lassen. Dafür danken wir Dir und bitten Dich:
Mach unsere Augen und Herzen weit auf, damit wir uns über Dein Nahekommen freuen können und dich mit unserem Leben preisen.

Schriftlesung  Lukas 2, 41-52

41 Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten's nicht. 44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. 46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. 47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. 48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? 50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

EG 56 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Der immer schon uns nahe war, stellt sich als Mensch den Menschen dar. Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Bist du der eignen Rätsel müd? Es kommt, der alles kennt und sieht! Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Er sieht dein Leben unverhüllt, zeigt dir zugleich dein neues Bild. Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Nimm an des Christus Freundlichkeit, trag seinen Frieden in die Zeit! Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Schreckt dich der Menschen Widerstand, bleib ihnen dennoch zugewandt! Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein!

Predigt
Liebe Gemeinde!
Zunächst der erste Blick auf diese Geschichte:Jesus ist mit seinen Eltern beim Passahfest in Jerusalem. Das ist das wichtigste Fest im jüdischen Glauben. Damals gehörte es dazu, dass jeder Jude, der dazu in der Lage war, teilgenommen hat. Ganze Großfamilien waren miteinander auf der Reise in diesen Tagen. Jerusalem hatte damals ca. 60.000 Einwohner, aber zu diesem Fest waren fast 1 Million Menschen dort versammelt. Menschen aus der ganzen Welt kamen und sieben Tage lang wurde gesungen, gebetet und Gottesdienste gefeiert. Es war eine Stimmung wie auf einem Kirchentag, mit viel Trubel und Begegnungen.

Am Passahfest erinnern sich die Israeliten an den Auszug aus Ägypten und die Rettung aus der Sklaverei. Das ist das Grunddatum des jüdischen Volkes und des jüdischen Glaubens. In der ersten Nacht des Festes feiern sie das Sedermahl und das jüngste der anwesenden Kinder stellt folgende Frage: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Die Antwort darauf, die der Hausvater gibt, lautet: „Sklaven waren wir einst dem Pharao in Ägypten, da führte uns der Ewige, unser Gott, von dort heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm“. Diese Worte klingen für einen Israeliten so vertraut in den Ohren wie für uns die Weihnachtsgeschichte. Es muss für den Dorfjungen Jesus sehr beeindruckend gewesen sein, das mitzuerleben. Die erste Nacht des Passahfestes, die große Stadt Jerusalem, die Menschenmassen, der Tempel in dem Gott selbst gegenwärtig ist. Eine Menge Eindrücke für einen zwölfjährigen Jungen. Und beim Nachhauseweg geht er verloren.

In den letzten Monaten haben wir ja gerade Menschenansammlungen gemieden.

In unserer Geschichte haben wir das Kontrastprogramm dazu: Alles voller Menschen. Da konnte man schon mal schnell jemand aus den Augen verlieren. Wie gut, dass man in einer größeren Gruppe unterwegs war, man kannte sich und es war bestimmt nicht ungewöhnlich, dass ein Kind auch eine Zeitlang mit Nachbarn oder anderen Verwandten mitging. Es konnte ja nichts Schlimmes passieren; man musste als Eltern ganz bestimmt nicht in Sorge sein, schließlich passt man aufeinander auf.

Das versuchen wir auch gerade – aufeinander achten, einander schützen.

Wie groß muss auf dem Heimweg der Schrecken der Eltern gewesen sein, als ihnen klar wurde: Der Junge ist weg! Einen ganzen Tag sind sie schon unterwegs nach Hause - entfernt von Jerusalem. Trotz fieberhafter Suche unter allen Freunden und Verwandten - das Kind war nicht zu finden. Was Maria und Josef durchgemacht haben müssen, brauche ich Eltern nicht auszumalen. Also, den ganzen Weg zurück nach Jerusalem und dort weitersuchen nach dem Sohn.
Schließlich finden die besorgten Eltern Jesus, ihr Kind, im Tempel zwischen den Theologen sitzen. Es ist, als wäre es das allernatürlichste von der Welt, mit zwölf Jahren zwischen hochkarätigen Theologen zu sitzen, um denen Rede und Antwort zu stehen.

Homeschooling ist das, aber anders herum als erwartet. Die Theologen bekommen Unterricht beim Sohn Gottes.

Erstaunlich sind die Antworten, die Jesus gibt. Über die staunen die Schriftgelehrten, Staunen tun allerdings auch Maria und Joseph, über die Antwort, die sie bekommen. „Warum habt ihr mich denn gesucht? Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss „Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“

Damit deutet Jesus an, dass er in einer ganz besonderen Beziehung zu Gott steht und dass die Zeit im Haus Gottes, eine größere Bedeutung hat, als alle menschlichen Angelegenheiten. So weit der erste Blick.
In der Geschichte werden nämlich Grunderfahrungen geschildert, die Christen nach Festen auch kennen. Es geht zurück in den Alltag. Die Zeit des Festes mit seinen Gottesdiensten ist vorbei. Bald ist wieder Alltäglichkeit angesagt, auch harte Realität wie bei uns zur Zeit mit Abstand und Isolation, mit Existenzangst und Sorge um Menschen.

Auf Joseph wartet sein Geschäft als Handwerker, auf Maria die Arbeit zuhause. Alltägliches schiebt sich wieder in der Vordergrund, Wesentliches, Grundlegendes wird nach hinten geschoben. Das Wesentliche kommt ja meistens erst dann zum Tragen, wenn wir zur Ruhe kommen. Deshalb ist der Gottesdienst am Sonntag für mich auch so wohltuend – denn da komme ich zum Wesentlichen, im Alltag ist das schwerer.

Das Verhalten von Jesus in dieser Geschichte steht für die Orientierung am Wesentlichen: „Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ In dieser Geschichte taucht zum ersten Mal etwas auf, dass sich durch das ganze Leben von Jesus zieht. Jesus sucht immer wieder die Gemeinschaft mit seinem Vater. Er sucht sie in Gotteshäusern, in der Einsamkeit, in der Wüste, und hier heute in unserer Geschichte imTempel. Man überliest das schnell inmitten der großartigen Reden, der wundersamen Geschichten und Begegnungen. Aber immer wieder gibt es die kurze Notiz, dass Jesus sich zurückzieht, um zu beten. Nach Tagen voll von Ereignissen schickt er oft die Menschen und seine Jünger weg und geht in die Stille. Das täte uns auch gut. Stille, nicht Isolation, sondern aufatmen in Gottes Gegenwart.

Der Kern unseren Glaubens sind nicht schöne Gottesdienste, spektakuläre Veranstaltungen oder Aktionen der Nächstenliebe. Der Kern unseres Glaubens ist eine Beziehung zwischen einem „Ich“ und einem „Du“ – zwischen mir und meinem Gott.

Wie wir das pflegen ist verschieden. Formen variieren dabei, aber es ist schon gut, wenn wir dafür einen Ausdruck unseres Glaubens finden. Mitten im Alltäglichen, im Betrieb, der uns gefangen nimmt, brauchen wir Oasen für unsere Seele, damit sie nicht verkümmert. Geistliche Tankstellen sind gut.

Wir wollen uns nicht im Oberflächlichen verlieren, sondern immer wieder zum Kern unseres Glaubens kommen, denn auch wir sollten "im Haus des Vaters" sein, damit unser Glaube lebendig bleibt.

Wo das für uns ist, das ist freilich verschieden. Aber ich lade Sie chon heute dazu ein, wieder einmal in einem Gotteshaus hereinzuschauen, wenn es sie wieder live geben wird-und wer weiß, vielleicht tut es ihnen dort auch so gut, dass sie alles um sich herum vergessen. Wie dem auch sei, auf jeden Fall liegt eine Verheißung darauf, dort zu sein, wo wir hingehören, in Gottes Gegenwart.
Amen.

Lied: In deinem Haus bin ich gern Vater
1. In deinem Haus bin ich gern, Vater,wo du mein Denken füllst, da kann ich dich hören, Vater, sehn was du willst. In deinem Haus will ich bleiben Vater, du weist mich nicht hinaus und nichts soll mich vertreiben, Vater, aus deinemHaus.
Mich locken viele Sterne  an meinem Horizont. Sie weisen in die Ferne und jeder sagt mir, dass sein Weg sich lohnt.

2. In deinem Haus bin ich gern, Vater, weil du die Sonne bist und nicht nur ein Stern, Vater, der mich vergisst.
In deinem Haus will ich bleiben, Vater, du weist mich nicht hinaus und nichts soll mich vertreiben, Vater, aus deinem Haus.
Nimm du aus meinen Sinnen, die alte Sattheit fort. Ich will ganz leer beginnen, mich umgestalten lassen durch dein Wort.

3. In deinem Haus hör ich gern, Vater, was du zu sagen hast. Auch das will ich hören, Vater, was mir nicht passt. In deinem Haus will ich bleiben, Vater, füll du mich völlig aus, dann kann mich nichts vertreiben, Vater, aus deinem Haus.
Ich gebe dir mein Leben, die Sorgen und das Glück.Willst du mirs wieder geben, behalt, was dir an mir missfällt, zurück.

4. Mein ganzes Leben soll dein Haus sein, Vater, dein Haus, das du für dich nach deinen Plänen baust, mein Vater, und nicht für mich. In diesem Haus sollst du bleiben, Vater, füll du es völlig aus, und nichts soll dich vertreiben, Vater, aus diesem Haus.

Fürbittengebet -Vaterunser
Heiliger, ewiger, guter Gott,
Dunkelheit und Finsternis bedrückt diese Welt. Oft ist uns Menschen Angst und Bange. Wir brauchen deine Nähe.
Darum danken wir dir, dass du in deinem Sohn Jesus Christus zu uns kommst.
In ihm machst du die Nacht dieser Welt hell.
Wir bitten dich:
Lass das Licht Jesu auch in unseren Herzen leuchten, damit wir froh werden.
Lass uns in dieser weihnachtlich geprägten Zeit deine Wärme und Nähe spüren.
Lass die verändernde Kraft deiner Liebe unter uns wirksam werden
Gott, dein Licht scheint in der Dunkelheit.
Deine Kraft stärkt die Müden
und die sich nach dir sehnen,
berühre deine Zuwendung.
Dir vertrauen wir uns an
du Licht und Leben in Ewigkeit.


Wp 80, 1-4 Stern-Kind
1. Stern-Kind, Erd-Kind: Gott sagt zu uns Ja; Wunsch-Kind, Christ-Kind: bringt den Himmel nah.
Dies Jahr, dies Jahr, komm zur Welt dies Jahr, dass jeder dein Fest feiern kann, mach es heute wahr!
2. Slum-Kind, Hass-Kind: jeder jagt es weg;  Schmerz-Kind, Lust-Kind: lebt in Not und Dreck.
Dies Jahr, dies Jahr, komm zur Welt dies Jahr, dass jeder dein Fest feiern kann, mach es heute wahr!
3. Traum-Kind, Greis-Kind: trägt Erinnrungslast; Stief-Kind, Gast-Kind: ist nicht angepasst.
Dies Jahr, dies Jahr, komm zur Welt dies Jahr, dass jeder dein Fest feiern kann, mach es heute wahr!
4. Lieb-Kind, Schoß-Kind: hat und will noch mehr; Kind des Glaubens: ist von Freude schwer.
Dies Jahr, dies Jahr, komm zur Welt dies Jahr, dass jeder dein Fest feiern kann, mach es heute wahr!
5. Kind der Hoffnung: zeigt, dass Gott nicht fern; Ja-zur-Welt-Kind: aller Sterne Stern.
Dies Jahr, dies Jahr, komm zur Welt dies Jahr, dass jeder dein Fest feiern kann, mach es heute wahr!

Segen
Musik zum Ausgang