Predigt zu Epheser 3, 2-6

2 Ihr habt ja gehört, dass Gott mir die besondere Aufgabe anvertraut hat, euch von seiner Gnade zu erzählen. 3 Und wie ich in diesem Brief bereits erwähnte, hat Gott selbst mir seinen verborgenen Plan offenbart. 4 Wenn ihr lest, was ich geschrieben habe, werdet ihr verstehen, was ich über das Geheimnis des Christus weiß. 5 Früheren Generationen hat Gott es nicht offenbart, doch nun hat er es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch seinen Geist zu erkennen gegeben: 6 Auch die anderen Völker sollen durch Christus das Reich Gottes erben, zu seiner Gemeinde gehören und die Zusagen Gottes in Anspruch nehmen, wie es die gute Botschaft sagt.

Liebe Gemeinde,
Noch immer ist Weihnachtszeit, seit dem 25. Dezember bis zum Erscheinungsfest mindestens, eigentlich bis Maria Lichtmess am 2. Februar. So lange denken Christen an das Kommen Gottes zu uns. Zu lang? Nicht für Christen, denn das ist schon etwas Besonderes, dass Gott menschlich wird und unsere Nähe sucht.

Weihnachten – da wurde in einem einfachen Stall in Judäa ein Judenkind geboren. Der Gott der Juden sandte seine Engel zu jüdischen Hirten und ließ ihnen ausrichten: Euch ist heute der Heiland geboren! Und die Hirten kamen und beteten das Kind an. Bis dahin eine innerjüdische Geschichte.

Unser Predigttext zeigt die weltweite Dimension, wenn er sagt: Auch die anderen Völker sollen durch Christus das Reich Gottes erben und die Zusagen Gottes in Anspruch nehmen.
Was hat das mit der Geschichte von der Geburt im Stall zu tun? Wie kommen wir darauf, dass da auch unser Heiland in der Krippe liegt, mein Retter? War das nicht alles eine sehr lokale Angelegenheit? Kommen wir denn überhaupt vor an diesem Stall von Bethlehem?

Sie ahnen es, liebe Gemeinde, die Antwort liegt in der Geschichte vom Erscheinungsfest. Durch einen Stern hat Gott die sternkundigen Magier zum Stall geführt. Und so sehen wir im Stall das Kind. Und vor ihm beten jüdischen Hirten und heidnische sterngläubige Magier. Bisher hatten sie nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun. Die Hirten, einfache Leute, kannten nur ihre Familien, ihre Herden und den Bund mit dem Gott Israels. – Und die sterngläubigen Magier aus dem Morgenland: Die waren sicher gebildet und den Geschenken nach auch reich und hatten ihre eigenen religiösen Vorstellungen. Sie glaubten, die Gestirne des Himmels würden ihre Geschicke lenken. Doch sie erkannten in dem Kind von Bethlehem den einen Gott und beteten es an. Von dem Gott Israels wussten sie zuvor vermutlich nichts. Auch nichts von seinen Verheißungen, die der ganzen Welt gelten sollten. Sie waren die Fremden, sie waren anders, sie gehörten in Israel nicht dazu. Und, das ist die Pointe der Geschichte am Erscheinungsfest, jetzt holt Gott sterngläubige Magier dazu, finstere Heiden, denn der Retter der Welt ist geboren. Er will nämlich alle bei sich haben! Und als die vor Jesus stehen, knien sie nieder und beten das Kind an.

In diesen Männern aus dem Ausland beginnt die weltweite Dimension der christlichen Botschaft. Symbolisch stehen sie für die ganze Welt. Von ihnen repräsentiert stehen auch wir mit an der Krippe. Denn auch unsere Vorfahren in der Antike waren keine Juden. Wir gehörten nicht zum Bund Gottes mit Israel und trotzdem feiern wir gerade die Weihnachtszeit und beten das Kind als unseren Retter an. Warum? Weil Gott uns zu ihm geführt hat. Er führt uns – manchmal auf genauso wundersame Weise – bis wir dann auch bei ihm landen und bekennen: Er ist der Ursprung des Lebens. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude!
Er führt uns heute, wie Paulus sagt, durch die heiligen Apostel und Propheten. Wir können das für uns so übersetzen: Gott führt auch uns zu sich durch Menschen, die Aufgaben und Ämter in unserer Gemeinde übernommen haben. Durch Erzieherinnen und Lehrer, durch Gruppen- und Chorleiter, durch Kirchengemeinderäte, Omas und Opas, Eltern und Freund, wie durch andere Menschen, die sich von Gott begeistern lassen.

Das ist das Erscheinungsfest: Über der Krippe erscheint ein Licht, welches alle Lichter dieser Welt überstrahlt. Und mit einem Mal bekommen die jüdischen Hirten vor der Krippe gehörig Gesellschaft, erst einige Magier und dann setzt sich das fort. Immer mehr Fremde, ganz verschiedenartige – solche, von denen sie nicht gedacht hätten, dass Gott mit denen etwas zu tun haben will. Aber es werden immer mehr und mehr, die zu ihrem Heiland strömen.

Mit dem Erscheinungsfest „explodiert“ Weihnachten gleichsam: Die stille, heilige Weihnacht für die Heilige Familie breitet sich in einem hellem Licht aus über die ganze Welt!

Dass es dazu kam, warum es dazu kam, das erklärt uns der heutige Predigttext aus dem Epheserbrief.
Gott hatte demnach ein Geheimnis, das er gut gehütet hat. Jetzt, als der Christus, der Messias auf die Welt kam, hat Gott die Sprengkraft dieses Geheimnisses enthüllt. Christus ist ja nicht der Nachname von Jesus, sondern ein Titel. Christus, (das heißt auf Hebräisch: „Messias“ und) auf Deutsch: der Gesalbte. Gesalbt wurden die, die Gott in Beschlag genommen hat, ihnen eine besondere Aufgabe gegeben hat. Könige und Propheten.

Jesus ist der Name des Christus. Jesus heißt auf deutsch: Gott hilft! Und das universal gemeint. Gott hilft allen, auf der ganzen Erde!

Das ist das Geheimnis, dass die Heiden nun auch zum Volk Gottes gehören. Also ich auch!
Die Öffnung des Christentums für alle, für Heiden wie für Juden, das ist im Blick auf die Kirchengeschichte ein ganz entscheidender und wichtiger Schritt. Die Frage: „Wer gehört dazu?“, stellt sich auch heute immer wieder neu. Schnell entsteht bei dieser Frage Streit.

Egal, ob bei Konfirmandenfreizeit, in der Mutter-Kind-Gruppe oder beim Seniorentreff. Überall wird ganz genau darauf geachtet, wer wo seinen Platz hat und wer zum wem gehört, Auch hier in unserer Kirche gibt es Stammplätze, die manchem, der dazukommen möchte – gewollt oder ungewollt – sichtbar werden lässt, ob man dazu gehört. Und natürlich will keiner Außenseiter sein.

Wer gehört dazu? Die Magier gehörten nicht dazu, bis das Licht Gottes sie erreicht hat. Und das ist intim und persönlich und entzieht sich unserer Beurteilung. Wir können nur die Folgen beobachten: Sie knien nieder und beten das Kind an. Wer innerlich niederkniet, ihn als seinen Herrn anerkennt und ihn anbetet, der gehört dazu.

Gott zieht zu sich. Damals und heute. Wir sind eingepflanzt in die Geschichte Gottes mit den Menschen, seit Jesus kam und Weihnachten sich explosionsartig über die Erde ausgebreitet hat. Die Verheißungen, die Gott seinem Volk Israel gegeben hat, gelten nun auch für uns. Im Provinznest Bethlehem geschieht etwas Atemberaubendes. Dort erscheint das helle Licht der Liebe Gottes zu uns Menschen und strahlt nun bis in die dunkelste Ecke dieser Welt und meines Lebens.

Wie die Heiden, die niederfallen und anbeten, sollen auch wir anders werden, verändert wieder nach Hause gehen. „Beglänzt von seinem Lichte hält euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesichte, kam euch die Rettung her!“

Auch wir sollen heimgehen, von diesem Gottesdienst und das Licht wird uns begleiten und unsere Herzen nie mehr im Dunkeln versinken lassen.