Erntedank

Die Worte „denken“ und „danken“ haben im Deutschen einen gemeinsamen Ursprung. Danken kommt von denken. So wie Lilly und der Opa eben nachgedacht haben und immer weitergefragt wurde: „Von wem kommt das eigentlich?“.
Von wem kommt das Leben? Von wem kommt der Lebensmut, die Lebenkraft? Wer lässt uns nach Tiefschlägen wieder Kraft zufließen? Wer hat versprochen, dass das Leben siegt?
Glauben wir wirklich, wir hätten das alels selbst geschafft? Landwirte, die das meinen können in diesem Jahr sehen, dass aller menschlicher Beitrag, nicht ausreicht. Wenn kein Wasser vom Himmel kommt, dann reicht alles nicht. Und da können wir nur wenig machen.
Und das gilt nicht nur für Landwirte – alles im Leben hängt von Umständen ab, die wir nur wenig beeinflussen können.
Wir können nichts dafür in diesem reichen Land zu leben, mit seinen Ressourcen.
Wer nicht nachdenkt, der vergisst dankbar zu sein. "Undankbarkeit", so sagte einmal Dietrich Bonhoeffer, "beginnt mit dem Vergessen."
Und wir Menschen vergessen schnell: heute vielleicht noch mehr als früher, weil immer etwas Neues auf uns zu kommt und wir oft so in Stress kommen, dass keine Zeit zum zwecklosen Nachdenken bleibt.
Wir Erwachsene leben beständig in der Gefahr, dass wir vor lauter Aufgaben die wesentlichen Dinge im Leben vergessen. Dabei haben wir nur dann eine Chance glücklich zu sein, wenn wir nicht von einem zum nächsten kommen, sondern das Tempo rausnehmen.
Uns bewusst machen, wie viel uns bei all unseren Aufgaben geschenkt wird. Das macht dankbar. Und danken macht glücklich. Wenn wir denken und danken, geschieht es, dass wir uns beschenkt fühlen. Von Menschen, vom Leben, von Gott. „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. So heißt es in Ps. 103, 2.
Gott hat uns auch dieses Jahr viel Gutes geschenkt. Das nicht zu vergessen, hilft uns gerade auch dann, wenn Schweres kommt, was wir nicht so einfach tragen können.
Der Psalmschreiber fordert sich selbst dazu auf, dankbar zu sein: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Vielleicht war ihm grade nicht danach. Und dann sagt sie zu sich selbst: „Lobe den Herrn meine Seele. Auf, ich will Gott loben.“
Damit wir das Loben und Danken nicht vergessen, brauchen wir feste Zeiten dafür. Erntedank ist so ein Termin, der uns zu denkenden und dankbaren Leuten machen soll.
 „Danke, guter Gott, dass du an uns denkst und für uns sorgst.“ Gott vergisst uns nicht. Tun wir etwas, damit wir ihn nicht immer wieder vergessen. In der Vorbereitung für heute habe ich mal Sinnsprüche zu Dankbarkeit gesucht und folgende gefunden, die mich angesprochen haben:
• Ich habe heute morgen zwei Geschenke geöffnet,
es waren meine Augen!
• Es kostet nichts, dankbar zu sein, aber es ändert einfach alles.
• Dankbarkeit ändert die Blickrichtung des Herzens
• Nicht die Glücklichen sind dankbar, die Dankbaren sind glücklich.
• Dankbarkeit zaubert ein Lächeln in die Seele.
Und wer dankbar ist, der geht anders durch das Leben. er teilt den Überfluss mit den Menschen, die wenig haben. Wir geben diese Gaben für die Einrichtung auf dem Reichenberg und opfern heute für die Katastrophenhilfe unserer Diakonie.
Wer nachdenkt, der wird nämlich auch erkennen, dass alles, das uns gegeben wir an Reichtum und Besitz und worüber wir uns freuen können, gleichzeitig auch eine Aufgabe ist. Wir sollen nämlich Gott loben auch damit, dass wir diese Welt zu einem Ort machen, wo möglichst viele Menschen gut leben können, nicht nur wir und ich.
Wer denkt, der dankt,
wer dankt, der lobt Gott,
wer beschenkt ist, wird teilen. Amen.