Predigt zu Johannes 14, 23-27

Liebe Gemeinde,
Pfingsten, das Fest des Geistes Gottes ist schwer zu fassen. Von Jesus kann man Geschichten erzählen, wie er Menschen angenommen hat, wie er Kinder zu sich gelassen hat und sie als wertvoll bezeichnet hat. Wie er Kranken beigestanden ist, Betrügern und wie er Außenseitern die Liebe Gottes zugesprochen hat. Auch wie er die Selbstgerechten kritisiert hat. Wie er Menschen dazu aufgerufen hat, das ewige an-sich-selbst-zu –denken aufzugeben und sich an Gott zu orientieren. Aber was kann man vom Heiligen Geist erzählen?

Wir hören zuerst einmal auf den Predigttext:

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters im Himmel, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
 Johannes 14, 23-27

„Zuerst, zuallererst,“ sagt Jesus, „hat der Geist Gottes, diese eine Aufgabe: Er soll euch erinnern an alles, was ich euch gesagt habe.“

Der Heilige Geist ist ein Erinnerer. Er-innern. Das bedeutet doch: die Worte Jesu sollen in mein Inneres hinein, in meine Personzentrum und mich dort prägen. Seine Worte sollen nicht außen bleiben, sondern sollen in mich hinein. Sie sollen mich erfüllen und von innen heraus bewegen. Das eben ist der Unterschied zu einer Religion, die nur Regeln aufstellt und Beachtung mit allen Mitteln verlangt. Christlicher Glaube soll so sein: Von den Worten Jesu ergriffen sein, beseelt und so mein Leben entfalten. Der Heilige Geist ist die Energie, die uns Christen erfüllt und uns Energie gibt.

Was mich antreibt im Leben, das merkt meine Umwelt schnell. Geht es um Macht, Prestige oder Geld? Das spüren wir jedem schnell ab. Solche Menschen verändern nicht wirklich und berühren uns nicht.

Seit die 16-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg die Bewegung "Fridays for Future" ins Leben gerufen hat, bewegt der Klimaschutz viele Menschen. Christen sollte das schon immer am Herz liegen. Es ist erstaunlich, welche Wirkung Greta Thunberg und ihre Bewegung haben und wie sie uns beeinflussen. In Schweden gibt es inzwischen das Wort "Flugscham" und tatsächlich ist die Zahl der Inlandsflüge stark zurückgegangen.

Welche Menschen beeinflussen mein Leben oder haben das getan -unabhängig davon, ob sie noch leben oder nicht.

An erster Stelle unsere Eltern. Wenn alles gut geht, schenken Eltern ihren Kindern die nötige Liebe und Geborgenheit, um das so wichtige Urvertrauen aufzubauen. Das ist mindestens genau so wichtig wie die Erziehung und Bildung, die sie uns mitgeben und ob sie die Werte, für die sie einstehen auch vorleben.

Dann sind es die Lehrerinnen und Lehrer, die uns prägen und uns Horizonte öffnen. Wir erkennen meist erst später, wie sehr sie uns beeinflusst haben und weiter beeinflussen.

Hoffentlich prägen uns auch seit Kindertagen die biblischen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament. Der Prophet Jona im Fisch, Mose, der das Meer geteilt hat und das Volk Israel aus Ägypten geführt hat - das sind Geschichten, mit denen viele von uns aufgewachsen sind, und die uns geprägt haben. Sie zeigen uns, dass Gott immer begleitet und weiterhilft.

Wir leben in Beziehungen - mit der Partnerin oder dem Partner, mit der Familie, mit Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen, in Beziehungen zu lebenden und auch längst verstorbenen Menschen, die wir gekannt haben. Sie wirken alle in uns.

Aber eine Beziehung gibt es, die uns noch viel tiefer prägen und begeistern, motivieren und beflügeln kann: die Beziehung zu Jesus Christus. Das ist doch eigentlich erstaunlich. Denn wir kennen ihn ja auch nur durch das Hören und Lesen von Texten, von biblischen Geschichten und durch Predigten?! Wie also ist das möglich, dass Jesus uns - und viele vor uns in der Geschichte - bis heute so tief bewegt und bewegt hat? Unser Predigttext sagt uns, diese Beziehung schenkt der Heilige Geist.

Der Heilige Geist sorgt dafür, dass die Verbindung zu Jesus so tief geht und nicht abreißt. Er ist die treibende Kraft unserer Beziehung zu Jesus.

Er sagt seinen Freundinnen und Freunden: "Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe."

Zum Beispiel, so ergänze ich, an den Satz "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Oder: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe".

Es ist dieser Heilige Geist, der Menschen durch zwei Jahrtausende immer wieder angesprochen und bewegt hat. Denn er wirkt anders als all die Stimmen, die uns tagtäglich beeinflussen. Er ist eine starke, in uns wohnende Kraft, die sich in der Liebe verwirklicht wie zum Beispiel in den Werken der Barmherzigkeit, dem Besuch bei Einsamen, der Pflege der Kranken, der Sorge um die Armen, der Begleitung von Sterbenden, aber auch in der Aufnahme von Flüchtlingen und heute dem Eintreten für den Klimaschutz. In unserem Text drückt Jesus das so aus: "Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen."

Wer so tief mit Jesus verbunden ist, bleibt nicht allein. Die Pfingstgeschichte zeigt anschaulich, dass die Erfahrung des Heiligen Geistes Menschen in Jesus verbindet. Er erscheint allen, die versammelt sind und hat ganz konkrete Folgen: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (...) Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte."

Das ist die Geburtsstunde der Kirche. Weil das 50 Tage nach Ostern geschehen ist, feiern wir heute Pfingsten.