Gott zeigt Herz

Predigt mit Symbolen

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Gemeinde,

Heute zuvor das Abendmahl. Bei einem guten Essen bekommt man auch etwas vorweg:  Amuse gueule Gaumenschmeichler nennen es die Franzosen. Brot und Kräuterbutter oder gar etwas besonders Leckeres.

Es soll den Geschmack anregen, stimulieren - vielleicht auch den Heißhunger besänftigen,  damit wir das festliche Essen genießen, nicht herunterschlingen.

Etwas davon ist auch Sinn des Abendmahls: es soll etwas wie ein Appetithäppchen sein - amuse gueule für das große Festmahl, das wir feiern werden im Reich Gottes.

Ein bisschen was vorwegnehmen - das gehört zum christlichen Leben.

Jesus hat vom Reich Gottes erzählt, von einem großen himmlischen Fest, zu dem alle Spannungen gelöst sein werden, alles Trennende beseitigt, alle Missverständnisse ausgeräumt.

Christen leben immer ein bisschen vorweg. Wir leben in dieser Welt mit einer Ahnung vom Himmel, und lassen uns von dem was geschieht schon beeindrucken, aber nicht lähmen. Wo andere sagen, da kann man nichts machen, nichts ändern, sagen sie, nein, das ist höchstens das vorletzte, zuletzt hat Gott uns was zusagen.  Christen haben die Hoffnung zum Lebensprinzip gemacht.

So auch jetzt, heute Abend und Morgen: Wir feiern nicht, dass wir am Ende sind, mit der Konfirmandenzeit fertig, mit der Kirche fertig, sondern, dass wir auf den Geschmack gekommen sind. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist, heißt es in der Abendmahlsliturgie.

Wer jetzt sagen würde: danke, das reicht mir schon, mit dem Glauben und der Kirche - der gibt sich mit diesen kleinen Brotstückchen zufrieden, mit den amuse gueule, und lässt sich das richtige Festessen entgehen.

Es wäre schade . Es wäre so, als würde einer Fahrstunden nehmen, den Führerschein machen, aber dann nie selbst Autofahren.

Wir stehen nicht am Ende, sondern am Anfang. Euch steht nicht nur die Welt offen, sondern der Himmel. Wann immer ihr an Grenzen steht, wo ihr nicht weiterzukommen scheint, verlasst euch auf die Begleitung durch Gott.

Mit den Augen des Glaubens sehen wir tiefer und weiter.

Jesus hat uns gezeigt, was Gott für uns hat: Herz.

Er hat uns gezeigt, wie Gott will, dass wir leben sollen: mit Herz.

Er führt uns in die Gemeinschaft. Er will nämlich, dass wir solidarisch leben. Gaben, Kräfte, Sorgen, Zukunft teilen und ermöglichen. Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden Möglichkeiten groß.

Er will, dass wir uns entfalten können. So wie er dich und mich gemacht hat, so will er uns haben. Keine Gleichmacherei. Glauben ist nicht schwarz, sondern bunt. Vielfalt bereichert die Gemeinschaft, die Gemeinde, die Kirche und ihr werdet morgen ein vollgültiges Mitglied davon.

Beauftragte des Lebens, das sind wir und das bleiben wir in der Kirche.

Natürlich: Wir sind (noch) nicht perfekt! Aber wir werden es eines Tages bei Gott.

Darum sagen Christen: Gott ist anders, er sieht das anders:

Wo immer Menschen festgelegt werden, auf das was sie mal gesagt oder getan haben und ihnen keine Chance mehr gegeben wird: So hat Gott es nicht gemeint.

Wo immer Grenzen gezogen werden oder Mauern errichtet, wo wir nicht mehr zueinanderkommen können, uns nur noch auseinandersetzen: So hat Gott es nicht gemeint.

Wo es zum Krieg kommt, nicht mehr verhandelt wird sondern zerstört und getötet: so hat Gott es nicht gemeint.

Wo das Recht des Stärkeren gilt, keiner mehr Schwäche zeigen darf, wo einer alles für sich haben will und andere unterdrückt werden: so hat Gott es nicht gemeint.

 Wo einer gehänselt wird, klein gemacht, nicht ernst genommen, immer der Loser ist: so hat Gott es nicht gemeint.

Wie er es gemeint hat?

So, wie auch ich selbst verstanden werden möchte. Antoine de Saint Exupery, der den kleinen Prinzen geschrieben hat, hat es so gesagt:

Zu dir, Gott kann ich kommen, kein Stück meiner inneren Heimat brauche ich preiszugeben.
In deiner Nähe habe ich mich nicht zu entschuldigen, nicht zu verteidigen, brauche ich nichts zu beweisen.
Über meine ungeschickten Worte, über die Urteile hinweg, die mich irreführen könnten, siehst du in mir einfach den Menschen. Dein JA-sagen zu dem was ich bin, hat dich gegen Haltung und Bekenntnis nachsichtig gemacht, sooft es nötig war. Ich weiß dir Dank dafür, dass du mich so annimmst, wie ich bin. Was habe ich mit einem Freund zu tun, der mich bewertet? Wenn ich einen Hinkenden zu Tisch lade, bitte ich ihn,  sich zu setzen und verlange von ihm nicht, dass er tanze.

Dies ist mein Gebot, sagt Jesus, lebt die Liebe, seid freundlich zu euren Gefährten, so wie auch ich euch freundlich bin, jedem in Liebe verbunden.

Und denkt heute und morgen daran, dass die Liebe das Größte ist.

Einen kleinen Vorgeschmack vom Reich Gottes bekommen wir beim Abendmahl.

Gott steht zu uns, lädt uns ein zu seinem Fest.

Denn wir feiern nicht uns - sondern unseren Glauben. Schon mal vorweg ein bisschen was von seinem Fest.

Gott  bewahre unseren Glauben, er stärke unsere Hoffnung, und erwecke unsere Liebe.

In Jesu Namen. Amen.