Predigt zu Psalm 31, 9

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Eltern, Großeltern, Paten, Freunde und Angehörige, liebe Festgemeinde,

Freiheit - das ist ein großes Wort... Wer sehnt sich nicht nach Freiheit... Ein Wort, das gut klingt. Grad in eueren Ohren, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, denn Freiheit zu genießen, Freiheit zu spüren, auch zu erkämpfen das gehört dazu - in der Jugendzeit. Und das ist die Konfirmation ja auch: eine Feier des Jugendalters. Freiheit – ja, sie ist erstrebenswert.
Gerade, wenn man in Zwängen steckt. Die Mühlen der Schule und der Hausaufgaben, wenn man Abhängigkeiten spürt, die man abschütteln will, wenn die Eltern nerven sollten.
„Hast du Mathe gemacht?“, „Ist dein Zimmer aufgeräumt?“ und „Komm nicht so spät wieder!“ oder die Lehrer „Was ist mit den Vokabeln?“ und der Pfarrer: „Psalm 23 gelernt?“ Gerade wenn man auch Sätze, die einem Erwachsene so sagen, in Frage stellt.

Freiheit ist ein großes Wort.
Freiheit - die möchte ich heute noch einmal aus einer anderen Perspektive, einem anderen Blickwinkel betrachten. Freiheit - das ist nämlich auch ein Geschenk Gottes.
“Die Freiheit eines Christenmenschen” heißt eine der wichtigsten Schriften, die unser Reformator Martin Luther geschrieben hat. Von der Freiheit spricht die Bibel: Du stellst meine Füße auf weiten Raum heißt es davon in der Bibel.

Denkt mal an eure eigenen Füße, nein, die schönen Schuhe und Strümpfe braucht ihr jetzt nicht ausziehen, aber denkt man an eure Füße. Jeder hat ganz eigene, ganz unverwechselbare Füße, ob nun Größe 36 oder 44, jeder Mensch hat seine eigenen Fußabdrücke - und ganz eigene Fußgerüche, davon konnten ich mich im „Schuhraum“ bei der Freizeit in Großerlach überzeugen. Jeder verschieden, nicht nur an den Füßen und so gewollt von Gott. Das macht frei.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Das Leben - eine große, weite Landschaft, und wir - hineingestellt. Gott stellt Euch in diese Landschaft, und zwar nicht als eine Marionette, die nur an Fäden hängt, leicht über dem Boden schwebend, ohne eigene Freiheit, sondern er stellt Euch auf Eure ganz eigenen Füße.
Stehen, Schritte wagen, gehen oder laufen - das müsst ihr schon selbst, das nimmt Euch keiner ab. Aufrecht zu gehen, dazu ist der Mensch bestimmt, seine Wege unter die eigenen Füße zu nehmen, das gehört zu unserem Leben.

Dass unser Leben kein Zufall ist, sondern Gott es uns geschenkt hat und uns genau so gemacht hat, wie wir sind, dieser Gedanke kann mich frei machen. Keiner soll mich zu etwas anderem machen wollen, sondern ich soll mich genau so entfalten dürfen, das will Gott.
Freilich, dazu gehört neben einer großen Freiheit auch die Verantwortung für mein Leben. Ich kann tun, was dem Leben nützt, - oder kann ihm schaden. Es ist mein Leben, es hat seine Zeit und seinen Ort in dieser Welt. Es hat seine Grenzen, wir haben ja grade die Gebote gehört, aber das Liebesgebot, das alles zusammenfasst, das ist doch mehr Freiheit und Freiraum.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Ja, es gibt viele Möglichkeiten, die ihr gehen könnt, sagt euch Gott heute zu. Es werden leichte dazu gehören und schwierigere.
Es hilft, zu wissen: es ist Gott, der uns mitsamt unserer Füße auf den weiten Raum des Lebens stellt Es hilft, zu spüren: er traut mir zu, dass ich meine Füße benutze er traut mir zu, durchs Leben zu gehen und er begleitet mich mit seinem Segen.
Das heißt: er ist immer dabei.

Er wird euch begleiten, er sagt euch zu: dass er bei euch sein wird. Darauf könnt ihr euch verlassen. Lasst ihn an Euch heran, lasst euch begleiten, Glaubt ihm! Und wer es zulässt, der wird spüren: dieser Glaube - das ist ein ganz wunderbares Geschenk, das uns in unserer Persönlichkeit stark macht und frei. Ein Geschenk, das in die Freiheit führt.
Gott gibt uns allen, was wir zum Leben brauchen. Stärke, innere Stärke, Kraft, Herausforderungen zu bewältigen, nach Niederlagen wieder aufzustehen,  Gott wird euch begleiten. Er stellt unsere Füße auf weiten Raum. Amen.