Gottesdienst zu Jesaja 58, 1-9

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Musik zum Eingang
Votum- Begrüßung

Der heutige Sonntag Estomihi - benannt nach dem Psalmwort: „Sei mir ein starker schützender Fels.“ - ist der letzte Sonntag vor der Passionszeit. So lädt er jetzt doch schon dazu ein, das Ganze des Weges Jesu bis zum Ziel zu überblicken, wenn er nach Jerusalem zieht, wo sich alles vollenden wird.
Wochenspruch: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Lukas 18, 31

Psalm 31 EG 716
Herr, auf dich traue ich,
lass mich nimmermehr zuschanden werden,
errette mich durch deine Gerechtigkeit!
Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels
und eine Burg, dass du mir helfest!
Denn du bist mein Fels und meine Burg,
und um deines Namens willen
wollest du mich leiten und führen.
Du wollest mich aus dem Netze ziehen,
das sie mir heimlich stellten;
denn du bist meine Stärke.
In deine Hände befehle ich meinen Geist;
du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,
dass du mein Elend ansiehst
und nimmst dich meiner an in Not
und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Ich aber, Herr, hoffe auf dich
und spreche: Du bist mein Gott!
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Errette mich von der Hand meiner Feinde
und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;
hilf mir durch deine Güte!

Eingangsgebet – Stilles Gebet
Vater im Himmel,
du hast deinen Sohn den Weg nach Jerusalem gehen lassen, damit deine Liebe aller Welt gezeigt wird. Wir bitten dich: Mach uns ganz frei, dass wir deine Wege erkennen und sie selbst zu gehen wagen, entzündet von der Liebe, die uns alles nehmen und geben lässt, durch ihn Christus, unsern Bruder und Herrn

Schriftlesung: Jesaja 58, 1-9a
Wochenlied EG 401, 1-3 Liebe, die du mich zum Bilde
1. Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht,
Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
2. Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war,
Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
3. Liebe, dir für mich gelitten und gestorben in der Zeit,
Liebe, die mir hat erstritten ewge Lust und Seligkeit:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

Predigt zu Jesaja 58
1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten.

Liebe Gemeinde,
was für ein spannungsgeladener Text: Neben großartigen Bildern der Hoffnung richtet der Prophet Jesaja gleichzeitig heftige Worte der Kritik an sein Volk. Strafpredigt und Heilszusage stehen nebeneinander. Hart prallt die Forderung nach radikaler Umkehr und Worte des Heils aufeinander.
Zuerst der harte Teil: Der Herr befiehlt Jesaja, wie eine Posaune seine Stimme ertönen zu lassen. Mit einem Alarmruf soll der Prophet sein Volk aus dem Schlaf der falschen Sicherheit wecken. Schonungslos werden die Stellen sichtbar, wo etwas falsch läuft. Äußerlich war doch alles in Ordnung bei den Israeliten: Der fromme Schein blieb gewahrt. Es ließe sich ja viel Lobenswertes über die Gemeinde sagen, denn die Gottesdienste wurden rege besucht und die Fastenzeit eingehalten. Doch wie steht es um die Ernsthaftigkeit des Glaubens? Es wird nur gefastet, um Eindruck zu schinden, stellt Gott fest.

Nichts gegen Fasten. Bald werden auch viele Christen wieder auf etwas verzichten, um sich auf das Eigentliche, das Wesentliche, auf Gott zu besinnen. Aber ein Fasten, das nicht im Inneren getragen wird, dagegen wendet sich der Prophet. Echtes Fasten hätte Auswirkungen im Alltag und wer auf diese Weise versucht mit sich selbst und mit Gott mehr ins Reine zu kommen, der kann nicht mehr nur an sich selbst denken.
Was nach Gottes Auffassung gar nicht geht ist das: Die Fastenzeit wird genutzt, um weiter zu streiten, und andere auszubeuten. Hauptsache ich komme zu meinem Recht. Das Volk gibt vor, Gott zu suchen, wie heuchlerisch. Nicht Gott hat sich von seinem Volk abgewendet, sondern das Volk war es, das seinerseits Gott beiseitegeschoben hat.
"Gehorsam ist besser als Opfer." (1. Sam. 15,22) Eine treffende Interpretation für das, was Gott den Propheten sagen lässt. Der Herr will einen lebendigen Glauben und dazu gehört als Folge tätige Nächstenliebe. Wirkliches, echtes Fasten zeigt sich im Verhältnis zu den Mitmenschen.

Da wird es ernst, auch für uns heute. Das von Nichtchristen meistgelesene christliche Buch: das sind wir!!! Rechtes Fasten würde sich im Verzicht und barmherzigen Teilen zeigen: Brich mit den Hungrigen dein Brot, kleide den Bedürftigen und beherberge den Obdachlosen!

Liebe Gemeinde, Jesus hat die Worte des Propheten Jesaja in seiner Rede vom Weltgericht (Mt. 25) aufgenommen, um nachdrücklich das Gebot der Nächstenliebe einzufordern. In so einer Praxis unseres Glaubens zeigt sich , was mir wichtig ist. Der christliche Glaube kann sich nicht nur mit mir beschäftigen, sondern er wirkt sich aus, auf mein Verhältnis zu den anderen, der Schöpfung, den Armen, den Außenseitern usw..

Bis zum Tod am Kreuz blieb Jesus Christus den Menschen uneingeschränkt zugewandt. Er hat durch seinen Kreuzestod die Versöhnung mit Gott deutlichst gezeigt. Seither gilt uns diese bedingungslsoe Liebe. Dass wir das Licht des Herrn hervorbrechen haben sehen wie die Morgenröte, verdanken wir allein Christus. Denn Jesus Christus hat uns in dieses freundliche Licht Gottes gestellt.

Durch diesen hellen Schein können wir heil und frei werden. Was menschliche Selbstbezogenheit, Hass, Fanatismus, Aggression, Neid und Habgier tagtäglich produzieren, ist so offensichtlich, dass ich darauf verzichte Beispiele zu nennen.

Seit Christus unser Herz erleuchtet, bleibt der Mensch nicht auf sich geworfen und steht nicht allein da. Nein, ich bin nicht hoffnungslos auf mich selbst gestellt. Nein, eine Vorahnung vom Reich Gottes bricht in der christlichen Gemeinschaft an. Nicht mehr. Aber das immerhin doch: das Reich Gottes beginnt bei und, in uns und durch uns.

Ein Bruchstück von wahrer Liebe, Mitmenschlichkeit und Gemeinsinn beginnt bei uns.
Deshalb treten wir für eine gerechtere Welt ein und sorgen uns um das Schicksal unserer Nächsten. Nicht resigniertes Schulterzucken ist angesagt, sondern aktives Engagement für den Nächsten und die Schöpfung. Es ist gut, dass in den evangelischen Kirchen heute daran erinnert wird.

Professionelles, diakonisches Handeln geschieht tagtäglich in vielen kirchlichen Einrichtungen. Hilfe zur Selbsthilfe wird den ärmeren teilen der Welt von vielen kirchlichen Trägern und ihren Mitarbeitern mit großem Einsatz geleistet. In den Kirchengemeinden geschieht diese Zuwendung zum Nächsten auf vielfältige Weise. Das sehen wir nicht immer – aber doch ist es da: das anbrechende Reich Gottes.

Jesaja hat sein Volk und uns erneut in das "Bilderbuch der Verheißung" schauen lassen.
In der Dunkelheit der Welt und des Lebens sind die Verheißungen Gottes wie das Licht der Morgenröte. Auf ihn dürfen wir vertrauen!

Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 …Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten.
Amen.

Wp 172 Lass uns in deinem Namen Herr die nötigen Schritte tun
1. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.
2. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu leben.
3. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.
4. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.

Fürbittengebet – Vater unser
Lass uns erkennen, was wichtig ist und was unwichtig und unser Leben danach ausrichten.
Lieber Vater im Himmel, wie schnell fangen wir an, verächtlich über andere zu denken und zu reden, wenn sie so leben und glauben, wie wir das für richtig halten. Es ist wie eine Sucht, sich selber groß zu machen und die anderen klein.
Gott, du Bruder der Verachteten, wann werden wir endlich einsehen, dass wir alle von deiner Gnade leben, und von deinen Worten - wir und die anderen.
Mach aus uns Boten deiner Liebe und Gnade, für die Menschen, die uns in unserem Alltag begegnen.
Gib uns wache Augen, hörende Ohren und helfende Hände.
Lass uns mit den Müden aufmunternde Worte sprechen, Worte des Lebens.
Lass uns den Verzweifelten das Licht der Hoffnung bringen.
Lass uns den Armen und Entrechteten zur Seite stehen.
Kranken und Einsamen lass das Licht des Lebens durch uns aufleuchten.
Wir bitten dich für die Jugendlichen, gib ihnen Wurzeln in dir und Werte.
Wir bitten dich für die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – zeig ihnen Wege in schwierigen Zeiten.
Wir bitten dich für Abrahams Kinder, die Völker im Nahen Osten. Zeig ihnen Wege zum gerechten Frieden.
Für die hungernden und leidenden Menschen in der Welt bitten wir dich um deine Nähe. Zeige uns Wege, wie wir wirksam helfen können.
Begleite uns in die neue Woche, gib uns Kraft und Mut für unseren Alltag und zeige uns Möglichkeiten, dein Wort in unserem Leben Raum gewinnen zu lassen. Amen

Schlusslied: EG 171, 1-4 Bewahre uns Gott
1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.
2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.
3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.
4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

Segen
Musik zum Ausgang