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Musik zum Eingang
Wp 60 In der Stille angekommen (Gesang Fritschle)

1. In der Stille angekommen, werd ich ruhig zum Gebet. Große Worte sind nicht nötig, denn Gott weiß ja, wie's mir geht.

Danken und loben, bitten und flehn. Zeit mit Gott verbringen. Die Welt mit offnen Augen sehn. Reden, hören, fragen, verstehn. Zeit mit Gott verbringen. Die Welt mit seinen Augen sehn.

2. In der Stille angekommen, leg ich meine Masken ab. Und ich sage Gott ganz ehrlich, was ich auf dem Herzen hab.

3. In der Stille angekommen, schrei ich meine Angst hinaus. Was mich quält und mir den Mut nimmt, all das schütt ich vor Gott aus.

4. In der Stille angekommen, nehm ich dankbar, was er gibt. Ich darf zu ihm "Vater" sagen, weil er mich unendlich liebt.

 

Votum - Begrüßung
Mitten in der Passionszeit erinnert uns dieser Sonntag daran, dass wir Grund zur Freude haben. „Lätare“, d.h. „Freut euch!“ Freuen wir uns darüber, dass Gott uns den Sonntag geschenkt hat, an dem wir ausruhen dürfen und in seiner Gegenwart aufatmen.
Freuen wir uns über das Leben, den Glauben – alles Geschenke aus Gottes Hand.
Freuen wir uns über Jesus Christus, der den Weg der Liebe bis zum Ende gegangen ist.
Wochenspruch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt so bleibt es allein; wenn es aber erstirbt bringt es viel Frucht. Johannes 12, 24

Psalm 84 (EG 734) – gesprochenes "Ehr sei dem Vater"
Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich
nach den Vorhöfen des Herrn;
mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen
deine Altäre, Herr Zebaoth,
mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,
wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.
Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch;
sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen
ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause
als wohnen in der Gottlosen Hütten.
Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild;
der Herr gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
Herr Zebaoth, wohl dem Menschen,
der sich auf dich verlässt!
 
Eingangsgebet – Stilles Gebet
Herr, Jesus Christus,
darüber freuen wir uns jetzt, dass du hier bist und unsere Herzen erquicken willst. Dass du allen Menschen begegnen möchtest und ihnen das geben willst, was sie wirklich brauchen.
Du kennst uns alle ganz genau und begleitest uns als guter Hirte.
Führe uns durch dieses Leben zu dir, durch Höhen und Tiefen bis wir dich sehen in der Herrlichkeit.
Die Menschen, Situationen und Umstände bringen wir jetzt in der Stille zu dir, die du uns aufs Herz gelegt hast.

Schriftlesung Gesierich Johannes 12, 20-24 (Klingler)
EG 98 Korn, das in die Erde

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


Predigt zu Johannes 12, 20-24

Aufatmend klingt der heutige Predigttext aus dem 12. Kapitel des Johannesevangeliums (Joh 12,20-24) für mich:
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen:
„Herr, wir wollen Jesus sehen.“ Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach:
„Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Den Jüngern damals muss das schon atemberaubend vorgekommen sein. Es schien auf der Erfolgsleiter immer weiter nach oben zu gehen - bis zum Triumph. Direkt vor unserem Abschnitt wird über Jesus gesagt. „Alle Welt läuft ihm nach!“
Nun dehnt sich die Berühmtheit von Jesus sogar ins Ausland aus.. Es kommen sogar Griechen, also Pilger von außerhalb Israels, aus der griechischen Welt, die Jesus nicht nur sehen sondern näher kennenlernen wollen. Womöglich werden sie ihm auch nachfolgen?

Jesus antwortet ihnen: „Die Zeit ist gekommen, wo der Menschensohn in Seiner Herrlichkeit offenbart wird.“
Endlich scheint es so weit zu sein: Wird sich Jesus, der „Menschensohn“, jetzt vor aller Welt in seiner Herrlichkeit offenbaren? Bei Herrlichkeit denken Israeliten immer an die Herrlichkeit Gottes, die Schechina. Ja Gottes Herrlichkeit leuchtet auf in diesem Jesus – aber anders als sich die Jünger und auch die Pilger das vorstellen. Jesus muss ihnen klarmachen, dass Seine Verherrlichung nur über das Kreuz geschieht, denn er geht nicht den menschlichen Weg des Erfolgs. Das macht er ihnen am Beispiel des Weizenkorns deutlich.
Er sagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Was kann ein einzelnes Weizenkorn bewirken? In einem Weizenkorn liegen ganz vitale Vermehrungskräfte.
Aus einem einzigen Weizenkorn, können bereits in der vierten Generation eine Million Körner hervorgegangen sein. Voraussetzung zum Fruchtbringen ist allerdings, dass dieses eine Weizenkorn weder in der Scheune aufbewahrt wird noch sonstwo. Es muss in die Erde kommen, dann wird es keimen und aufgehen und Frucht bringen. In der Erde beginnt der Sterbeprozess, das Weizenkorn verwandet sich in eine andere Existenz. Am Ende des Prozesses kommt es zu einer vielfachen Vermehrung des Lebens.

So wie in diesem Töpfchen. Vor einigen Tagen habe ich einige Tomaten-Samenkörner in diesem Töpfchen in die Erde gesteckt und angegossen. Und was geschah?
Nach einer Woche hob sich die Erde und es waren kleine grüne Keime zu sehen. Schon am nächsten und den folgenden Tagen wuchsen die kleinen Pflanzen heraus. Die Samenkörner sind aufgeplatzt und gestorben und das ist daraus geworden: lebende Pflanzen.

Was will Jesus mit dem Bild vom Weizenkorn ausdrücken und deutlich machen? Er redet von sich als dem Weizenkorn, das in die Erde versenkt wird und Frucht bringen wird. Es geht mit ihm jetzt nicht im Triumph zur irdischen Thronbesteigung,
sondern es geht durch seinen Tod zum Leben, durch Leiden zur Herrlichkeit.
Jesus entscheidet sich den Weg der Liebe und der Gewaltlosigkeit bis zum Ende zu gehen, damit Leben erscheint, das bleibt in Ewigkeit. Samenkorn wird er sein und durch Seinen Tod, wahres Leben ans Licht bringen und das für sehr viele Menschen – auch für uns.
Durch seinen Tod verliert der Tod die Macht. Durch ihn kann uns das Drohen und die Angst nicht mehr für immer festhalten, denn wir gehören mit ihm auf die Seite des Lebens.
Wir leben nämlich mit der Herrlichkeit Gottes. Sie begleitet uns. Gottes Segen umgibt uns. Durch ihn fließt uns Leben zu, das bleibt in Ewigkeit.

Gott verändert durch Jesus Christus unsere Wahrnehmung. Er lässt uns tiefer sehen. Es gilt nicht das Vordergründige, was vor unseren Augen steht. Das Prinzip des Weizenkorns, das mit Vermehrung und Leben, mit Hoffnung und Auferstehung zu tun hat, zieht sich durch die ganze Heils- und Kirchengeschichte.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Jesus steht auf den Plätzen Jerusalems. Die Straßen und Gassen sind belebt. Ein Fest wird vorbereitet. Nun kommen sogar Griechen und wollen Jesus sehen. Inmitten der geschäftigen und fröhlichen Stimmung sagt ihnen Jesus dieses rätselhafte Wort. Es passt überhaupt nicht in die Situation. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein …

Bitterkeit klingt in seinen Worten an, zumindest am Beginn. Allein sein - Schmerzen und Leid stehen plötzlich unvermittelt im Raum. Wir Leser des Verses denken vielleicht die Einsamkeit Jesu am Gründonnerstag und an Karfreitag. Am Ende verraten und verlassen ihn alle. Alleingelassen mit großem Leiden und Verzweiflung stirbt er am Kreuz. Das Weizenkorn bleibt allein – zunächst zumindest.

Jesus spricht mitten auf den belebten Straßen das aus, was für uns der größte Schrecken sein könnte: Ganz allein sein. Aber er lässt uns damit hindurchschauen durch unsere gewohnte Normalität, die wir nun vermissen. Und durch die schwere und unwirkliche Situation, in der wir uns derzeit befinden.
Diese Worte voll von Leben kann nur er sagen. Denn er ist das Weizenkorn. Er ist die Hilfe, die Gott uns schafft. Das einzige Korn, in dem der Tod seine verewigende Kraft verliert. Aus ihm lässt Gott neues Leben sprießen. Jesus teilt die Einsamkeit aller. Aber aus ihr heraus lässt er neues Beisammensein wachsen.
Wir sind nicht das Korn. Wir sind die Frucht. In der Frucht keimt die Hoffnung. Die Frucht kann andere satt machen. Wir können andere spüren lassen, dass sie nicht allein sind. Denn es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist.

Es ist schön, unsere Fantasie zum Erblühen zu bringen und Zeichen der Hoffnung an andere Menschen zu senden, zu mailen, zu twittern, ihnen einfach etwas Gutes zu sagen.
Es ist ein Zeichen des Lebens, wenn wir noch einen Blick für die vielen anderen Nöte in der Welt haben – um uns herum und füreinander beten. Wir bitten um Kraft, um Bewahrung. Wir beten für die Mächtigen – für die Wahlen. Und wir können Danke sagen für die vielen Zeichen der Menschlichkeit, durch die wir selbst immer wieder Hoffnung schöpfen.

All das mag uns als wenig erscheinen. Wir müssen hindurchschauen: tiefer sehen. Es ist ein Teil der vielen Frucht, die wächst, wenn das eine Korn stirbt.


Mache mich zum guten Lande,
wenn dein Samkorn auf mich fällt.
Gib mir Licht in dem Verstande,
und, was mir wird vorgestellt,
präge du im Herzen ein,
lass es mir zur Frucht gedeihn.
Amen

EG 166, 4-6 Tut mir auf die schöne Pforte
4. Mache mich zum guten Lande, / wenn dein Samkorn auf mich fällt. / Gib mir Licht in dem Verstande / und, was mir wird vorgestellt, / präge du im Herzen ein, / lass es mir zur Frucht gedeihn.
5. Stärk in mir den schwachen Glauben, / lass dein teures Kleinod mir / nimmer aus dem Herzen rauben, / halte mir dein Wort stets für, / dass es mir zum Leitstern dient / und zum Trost im Herzen grünt.
6. Rede, Herr, so will ich hören, / und dein Wille werd erfüllt; / nichts laß meine Andacht stören, / wenn der Brunn des Lebens quillt; / speise mich mit Himmelsbrot, / tröste mich in aller Not.

Fürbitten – Vaterunser
Jesus Christusl,
In dem Korn sehe ich, wie du da bist und wirkst.
Verborgen und doch gegenwärtig.
Mit der unbändigen Kraft des Lebens kommst du ans Licht, stehst auf, wächst empor.
Wächst in mir, in meinem Herzen.
Machst es ruhig und getröstet.
Bist bei mir, ganz gleich was kommen mag –
Du kennst es und hast es durchlitten, was mir Angst macht: Schmerzen, Leiden, Einsamkeit. Tod.
In deinem Sterben sehe ich, was ich sonst nicht wahrnehmen kann.
Was mir täglich vor Augen steht und mir die Zuversicht raubt, sehe ich in deinem Sterben nicht mehr. In deiner Passion und in Ostern sehe ich Leben, das siegt.
Lass viel Frucht in mir keimen.
Hoffnung, Zuversicht und gute Ideen, um andere zu trösten, zu ermutigen, zu erfreuen. mit dir ist große Freude in die Welt gekommen. Keine oberflächliche Freude, sondern eine mit Tiefgang.
Alles legen wir vertrauensvoll an dein Vaterherz.
Heute denken wir besonders an die Politik in unserem Land. Segne du alle Bemühungen, die das Leben beschützen, fördern und dabei helfen, dass es sich frei entfalten kann.
Wir beten gemeinsam…


Wp 189, 1-2 Sei behütet

Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht. Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

1. Mitten in der grauen Alltagswelt, die sangund klanglos mich beengt, höre ich ein Lied, das mir gefällt, und das mir Perspektiven schenkt.

Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht. Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

2. Manchmal, wenn ein Tag zu Ende geht und die Nacht durch alle Ritzen dringt, spüre ich den Wind, der uns umweht und diese Zeilen mit sich bringt.

Text: Clemens Bittlinger. Melodie: Clemens BittlingerFabian Vogt. © bei den Urhebern


Bekanntgaben Klingler
Segensstrophe 189,3 Sei behütet

3. Immer, wenn wir auseinander gehn, spür ich Trauer, fühl ich mich allein. Und bis wir uns einmal wiedersehn, solln die Worte dein Begleiter sein.

Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht. Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.


Segen
Musik zum Ausgang