Predigt zu 2. Mose 3, 13-15

Liebe Gemeinde,
in unseren Gottesdiensten beschäftigen wir uns ja mit Gott. Das tun also nicht nur Konfirmanden und auch nicht nur junge Familien mit frisch Getauften Kindern, wenn sie die Taufbibel herausholen.
Gott also. An was glauben wir da? Wie ist das mit Gott? Wie ist er so?
Diese Frage ist ganz und gar nicht neu. Sondern schon auf den ersten Seiten der Bibel wird sie gestellt. Um wen handelt es sich bei diesem Gott? Zunächst hören wir auf das Gespräch zwischen Mose, einem Propheten und Gott, das sie am brennenden Dornbusch miteinander geführt haben:
2. Mose 3: Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: Ich bin der, der wirklich existiert. Ich bin bei dir und begleite dich, was auch immer geschehen wird. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: der „Ich bin bei Dir“, der hat mich zu euch gesandt. 15 Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der HERR, der Gott eurer Vorfahren, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt.
So ist das also, liebe Gemeinde, Gott stellt sich mit diesem Namen vor. „Ich bin!“
Das bedeutet zunächst für mich einmal, dass dieser Gott Wert darauf legt, dass er eine Person ist. Ein Wesen, das Beziehung will und sucht. Und jemand der wirklich existiert.
Mose hatte damals eine wirklich große Aufgabe vor sich. Er sollte Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreien. Und das nur mit Worten. Und das einzige, das er als Garantie mitbekommen hatte war dies: ich will mit dir sein. Ich begleite dich, verspricht ihm Gott.
Das passt deshalb ganz gut zur Vorstellung der Konfirmanden. Aber auch zu unser aller Leben!
Weil wir uns alle gelegentlich fragen, was das Leben so bringen wird? Und ob ich geeignet bin, das zu bestehen, was alles kommen wird? Ob ich genug Tiefgang habe, Kraft, genug Humor, genug Widerstandkraft, genug Begabung, genug Wille? Wenn ich das bezweifle, ob ich das alles schaffen kann, dann bin ich hier bei Gott genau richtig. Haltet euch an Gott, denn er verspricht: Ich bin bei dir, ich begleite dich, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich behüte deine Seele.
Ob sich das so auswirkt, wie wir uns das wünschen? Sind Christen reich, gesund und in einer Gemeinschaft, die verlässlich ist.
Ja, Letzteres schon – diese Gemeinschaft heißt Kirche. Aber Gott erspart uns nichts, gar nichts! Leichtes und Schweres, Fröhliches und Trauriges erleben alle Menschen. Wir Christen leben so, wie alle andere Menschen auch – mit einem wichtigen Unterschied: Dass wir wissen, dass einer bei uns ist, der unsere Seele behütet.
Gott stellt sich vor. Er sagt, wer er ist. Er ist der Gott der Vorfahren im Glauben, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Hier in der Martinskirche können wir das sehen an den Bildern. Weit über 600 Jahre lang bringen Menschen hier ihre Hoffnungen und Bitten, ihre Dankbarkeit und alles was sie beschäftigt zu Gott. Da war viel Schlimmes dabei (Pfarrer Cuon z.B.) und viel Schönes.
Gott wird zuallererst in der Bibel von einer in Wüste geschickten Magd mit einem Namen versehen. Hagar sagt dankbar, weil sie seine Begleitung erfahren hat. Du bist ein Gott, der mich sieht, das ist dein Name.
Ja Gott sieht uns. Mit liebevollen Augen begleitet er jeden unserer Schritte durch das Leben. Ob sie zaghaft sind oder entschlossen.
Gott ist vor treu ist und verlässlich. Was er mit Abraham begonnen hat, wird nicht aufhören. Er begleitet seine Kinder.
Er ist der Gott, der uns sieht, dem ich wichtig bin, der mich mag, so wie ich bin. Im Psalm 139 sagt uns Gott, dass er alle unsere Wege kennt und dass er uns im Mutterleib so gemacht hat, wie wir sind. So wie du bist, hat er uns alle gemacht und gewollt und er will mit uns durch das Leben gehen, damit es gut wird. Nicht immer gesund, erfolgreich und reich – aber immer mit dem starken Gott in meiner Seele. Und wenn wir durch Schwierigeres müssen, wenn wir das Gefühl haben alleine zu sein und dass uns keiner versteht: er versteht. Es lässt ihn nicht kalt, wenn wir in Not sind. Er schaut hin, begleitet und hilft weiter, auch wenn wir das zuerst nicht wahrnehmen, so ist es!
Er hört hin. Er überhört nicht das Jammern und Klagen der Leidenden. Er hat ein Ohr für die Kleinen. Das zeigt die Bibel vor allem in den Jesusgeschichten. Die Betrüger wie Zöllner, die Liebesuchenden wir Dirnen, die Großmäuligen wie Petrus, die Zweifelnden wie Thomas, die Ausgeschlossenen wie die Aussätzigen, sie alle nimmt er mit hinein in das Leben, das Gott allen schenken möchte.
Dahinein nimmt er auch mich und dich!
Sehen, hören, mitfühlen, bewegt werden, sich anrühren lassen, entscheiden, Kraft zufließen lassen, entschlossen sein zu retten. So ist Gott.
Wer bist du, Gott? Das bin ich, der in dir ist und dich begleitet, der in diesem ganzen Leben überall am Werk ist und das Leben fördert. Der eines Tages das alles vollenden wird und uns zu sich nach Hause holt, an sein Herz. Ich bin bei dir und begleite dich, was auch immer geschehen wird.
Wo stehst Du, Gott? Da stehe ich, bei denen, die leiden, vor allem. Ich bin aufmerksam, mitfühlend, entschieden zu retten, entschlossen zu helfen, an deiner Seite. Ich werde für dich da sein. Ich werde mit dir sein. Unsichtbar, verborgen, manchmal kaum wahrnehmbar, aber ich werde da sein. Und lass Dich nicht irremachen: Vergiss nicht, wofür mein Herz schlägt.
Deshalb hat Gott immer ein besonders großes Herz für die Menschen in Not. Und deshalb setzen wir uns in der Kirche immer grade auch für solche Menschen ein: In ihrer Seele verwundete Menschen, Trauernde, Kranke, Sterbende, Sinnsuchende, Einsame, all die sind uns ans Herz gelegt, weil Gott sie an sein großes Herz gelegt hat.
Deshalb bin ich heute Pfarrer, weil Gott ein Herz für mich hat und ich das erfahren habe. Und dazu sind die Kinder jetzt getauft werden, dass sie das erfahren sollen, wen sie da an der Seite haben. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden, sollen das erfahren, alle, die heute hier sind. Der Meister des Lebens ist bei uns.
Wir sind nicht die ersten, die mit ihm Erfahrungen machen werden. Es gab schon viele vor uns. Das kann man an dieser Kirche sehen. Seit dem 14. Jahrhundert haben hier Menschen ihre Hoffnung vor Gott gebracht, ihn um Hilfe angefleht, ihm gedankt und vor allem: aus seiner Hand das Leben genommen. Und in diese Fußstapfen sollen wir alle.
Gott sagt: Ich bin mit dir. Komme, was da wolle. Fehle, was da wolle. Auf den Höhen, im finsteren Tal. In Stärke. In Schwäche. Im Gelingen. Im Versagen. Mit dir, auf ewig. Immer bin ich bei dir. Ich bin nicht ohne dich. Du bist nicht ohne mich. Da ist Gott: Ich bin bei dir und begleite dich, was auch immer geschehen wird.
Amen.