Gottesdienst mit Predigt zu Johannes 7, 37-39

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Musik zum Eingang
Votum – Begrüßung - Wochenspruch

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (gesungenes Amen).
Der Sonntag Exaudi hat zum Thema das Hören. Er liegt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in diesem merkwürdigen Zwischenzustand. Zwischen dem Weggehen Jesu und dem Kommen des Heiligen Geistes. Auch wir sind in einem solchen Zwischenzustand. Noch haben wir sie nicht gesehn, Gottes neue Welt, noch wartet die Welt und wir darauf, dass er sein Reich aufrichtet, noch scheinen Vergänglichkeit und Unrecht zu herrschen. Aber doch gilt schon Jesu Wort:
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

Psalm 27 (EG 714)
Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
das ich im Hause des Herrn bleiben könne
mein Leben lang,
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn
und seinen Tempel zu betrachten.
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,
er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!
Ehr sei dem Vater…

Eingangsgebet - Stilles Gebet
Herr wir bitten dich für diesen Gottesdienst. Sei unter uns gegenwärtig und rede mit uns.
Lass uns das Leben aus deiner Hand annehmen und uns auf deine Worte hören, auch wenn wir deine Wege nicht immer verstehen. Schenk uns, dass wir unser Leben von dir her gestalten.
In der Stille öffnen wir Gott unser Herz.

Schriftlesung: Johannes 7, 37-39

Lied: 136, 1-3 O komm du Geist der Wahrheit
1. O komm, du Geist der Wahrheit, / und kehre bei uns ein, / verbreite Licht und Klarheit, / verbanne Trug und Schein. / Gieß aus dein heilig Feuer, / rühr Herz und Lippen an, / dass jeglicher getreuer / den Herrn bekennen kann.
2. O du, den unser größter / Regent uns zugesagt: / komm zu uns, werter Tröster, / und mach uns unverzagt. / Gib uns in dieser schlaffen / und glaubensarmen Zeit / die scharf geschliffnen Waffen / der ersten Christenheit.
3. Unglaub und Torheit brüsten / sich frecher jetzt als je; / darum musst du uns rüsten / mit Waffen aus der Höh. / Du musst uns Kraft verleihen, / Geduld und Glaubenstreu / und musst uns ganz befreien / von aller Menschenscheu.

Predigt
Liebe Gemeinde,
wenn die ausgetrocknete Wüste durch den Tau oder durch Regen befeuchtet wird, wird sie plötzlich grün; die Samen von Pflanzen, Büschen und Blumen fangen an zu wachsen und zu blühen.
Ein wunderschönes Bild davon, was in unseren Leben geschehen kann, wenn Gottes Geist uns berührt. Dann wird etwas, das in uns hinein gelegt ist sichtbar und erfahrbar.
Die wunderbare Verwandlung der Wüste haben die Menschen in Israel natürlich auch zur Zeit von Jesus immer wieder hautnah erlebt. Besonders in der Regenzeit im Herbst; also genau in dieser Jahreszeit, wo auch das Laubhüttenfest gefeiert worden ist.
Durch die Ausgestaltung dieses Festes sind bei den Pilgern noch andere innere Bilder und Erinnerungen geweckt worden.
Das Wohnen in Laubhütten hat die Israeliten erinnert, wie das Volk während der Wanderung durch Wüste ins gelobte Land mit Zelten unterwegs gewesen ist. Sie haben aus dem 2. Mose 17 gelesen, wie Gott sein Volk wunderbar versorgt hat, z.B. (als sie am Verdursten waren und anfingen zu murren) mit Wasser aus dem Felsen, an den Mose mit seinem Stab geschlagen hat.
Oder sie haben die Hoffnung vom Prophet Hesekiel wach behalten, wo beschrieben wird (Kap 47), wie am Ende der Zeit aus dem Tempel eine Heilsquelle fließen wird hinein in die ganze Schöpfung.
So schöpften die Priester am letzten Tag des siebentätigen Festes (zum feierlichen Höhepunkt) Wasser aus der Siloah-Quelle, brachten es in feierlicher Prozession in den Tempel hinein und schütteten das Wasser unter dem Jubel des Volkes und zu den Klängen der Tempelmusik am Altar aus.
So hat man zelebriert, was der Prophet Jesaja (12, 3) gesagt hat: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen.“
Man sagte in Israel: „Wer die Freude des Wasserschöpfens nicht gesehen hat, hat niemals eine Freude gesehen.“
Am letzten Tag des Festes dann das: da steht plötzlich einer auf. Und die Menge wird still. Einer flüstert seinem Nachbarn zu: „Ist das nicht dieser Jesus aus Nazareth, von dem deine Frau so schwärmt?“ „Ja, ich glaube schon. Dass der sich hierher traut! Er muss doch wissen, dass er sich hier schon viele Feinde gemacht hat. Was er wohl will?“ „Psst, seid doch mal leise. Wir wollen hören, was er zu sagen hat.“
„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“
„Lebendiges Wasser? Was meint er damit?“ „Keine Ahnung! Aber was Durst ist, weiß ich. Komm, lass uns irgendwo was trinken gehen.“
„Johannes, was meinte er damit?“ So fragen später die Gemeinden. Was ist das mit dem lebendigen Wasser?
Und Johannes antwortet: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten, denn der Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“
Der Heilige Geist ist für Johannes also das  lebendige Wasser.
Manchmal trifft man einen Menschen, der so erfrischend ist wie eine sprudelnde Quelle. Von dem etwas ausströmt, das gut tut.
So wie die Kursleiterin im Kloster Gnadenthal, in dem ich Exerzitien erleben durfte.
Sie lächelt mich an und gibt mir die Hand zur Begrüßung. Und es lächelt nicht nur ihr Gesicht, sondern es lächelt in ihr – oder aus ihr heraus. Und dann führt sie uns durch diese Tage. Unaufdringlich, interessiert an unseren Gedanken, froh, etwas weitergeben zu können von dem, was ihr wichtig ist. Meditation, Gebet, Bibelgespräch. Es ist nicht so, dass sie schon alles weiß, sondern sie ist selbst auf der Suche. Aber ich spüre, sie ist schon einen Schritt weiter als ich. Und das will sie nicht für sich behalten, sondern gibt gerne davon ab. Als ich wieder nach Hause fahre, summe ich die Lieder noch weiter, die wir gesungen haben. So möchte ich auch irgendwann einmal sein, denke ich noch.
Ein Mensch wie lebendiges Wasser.
Ich weiß nicht, ob sie sich selbst immer so fühlt. Oder ob sie immer auf andere so wirkt. Vielleicht kennt sie auch die anderen Zeiten, die Wüstenzeiten. Wenn im Herzen Trockenheit herrscht. Selbst nicht begeistert. Und deshalb nicht in der Lage zu begeistern. Lebendiges Wasser strömt nicht immer aus einem Menschen. Vielleicht nicht mal oft.
Die Zeit, in der die Wüste blüht, ist die kürzere gemessen an der langen Zeit der Dürre. Da hilft es ihr auch nicht, sich besonders anzustrengen. Die Wüste kann sich nicht vornehmen, genug Wasser zu haben, sie kann sich nicht vornehmen zu blühen. Und sie kann das Wasser, wenn es denn kommt, auch nur für eine kleine Weile aufheben und bewahren. Sie muss immer wieder einfach warten. Auf das Wasser von oben. Sie muss nichts weiter tun, als sich für diesen Moment bereithalten. So wie ein Mensch. Der sich für den Moment, an dem der Geist ihn erfüllen möchte, bereithält. Ja, das ist ganz schön schwer zu warten. Das gilt nicht nur in geistlicher Hinsicht, aber es lohnt. Denn dann wenn es so weit ist, dann wird es sein als ströme lebendiges Wasser in und aus unserer Seele. Genug für mich selbst und genug für die Menschen um mich herum. Und dann blüht auch hier bei uns dann und wann die Wüste.
Jesus war so ein Mensch – und so ein Gott, der Menschen anschaute, ihnen begegnete, ihnen Aufmerksamkeit geschenkt hat – von ihm fließt dieses Wasser seither in alle, die an ihn glauben und das ist gut. Und es tut gut.
Ich lese zum Abschluss noch einmal den Predigttext:
Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.
Amen

Wp66 Leben aus der Quelle
1. Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir, Leben aus der Quelle des Lebens.
Und du erforscht mich, veränderst mein Denken, nur noch aus dir will ich leben, o Herr. Und du erforscht mich, veränderst mein Denken, nur noch aus dir will ich leben, o Herr.
2. Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir, Leben aus der Quelle des Lebens.
Hilfst mir zu schweigen und auf dich zu warten, nur noch aus dir will ich leben, o Herr. Hilfst mir zu schweigen und auf dich zu warten, nur noch aus dir will ich leben, o Herr.
3. Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir, Leben aus der Quelle des Lebens.
Willst mich gebrauchen, als Salz für die Erde, nur noch aus dir will ich leben, o Herr. Willst mich gebrauchen, als Salz für die Erde, nur noch aus dir will ich leben, o Herr.

Fürbitten - Vaterunser
Vater im Himmel,
gib uns dieses Wasser des Lebens und gib es der ganzen Welt.
dass wir das Leben feiern und fördern,
dass wir andere wahrnehmen und wertschätzen
dass wir uns anstecken lassen und anstecken mit Glaube, Liebe und Hoffnung.
Komm und sende deinen Geist aus.
damit Frieden wird
in Israel,
im Heiligen Land,
in deiner Stadt Jerusalem.
Verwandele die Herzen der Menschen
und erneuere diese Welt.
Du bist die Quelle des Friedens –
erbarme dich.
Komm und sende deinen Geist,
damit Gerechtigkeit wächst
für die Geschwächten,
für die Übersehenen,
zwischen den Generationen,
zwischen den Gesunden und den Kranken.
Verwandele die Meinungen der Menschen übereinander
und erneuere unser Zusammenleben.
Du bist die Quelle der Gerechtigkeit –
erbarme dich.
Komm und sende deinen Geist,
damit der Glaube auflebt
in deiner weltweiten Kirche,
in unseren Gemeinden,
bei den Teilnehmenden des Ökumenischen Kirchentags,
bei unseren Kindern und Enkeln.
Wandele den Zweifel in Vertrauen
und die Angst in Zuversicht.
Jesus Christus,
wir kommen zu dir.
Erneuere unsere Hoffnung.
Stille unsere Sehnsucht.
Sende uns deinen Geist.
Du bist die Quelle des Lebens –
erbarme dich
heute und alle Tage.
Amen.

Schlusslied:


Bekanntgaben
Segensstrophe: 576 Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Segen
Musik zum Ausgang