Predigt zu Jeremia 14

1Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre: 3Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. 4Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter. 7Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben. 8Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? 9Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Liebe Gemeinde,
Bilder von Zerstörung, von jämmerlich verschmachtendem Leben, von Mensch und Tier, die qualvoll leiden, stellen uns diese Worte vor Augen. Mit erschreckender Mühelosigkeit rufen sie Bilder aus unserer Zeit hervor: Das brennende Australien.
Flüchtende, Ertrinkende, Menschen in Trauer, mit verhüllten Häuptern und der Versuch,, damit fertig zu werden, zu begreifen, zu verstehen, was in unserer Welt gerade geschieht. Immer haben glaubende Menschen, Juden, Christen oder Muslime, mit dem, was sie beschäftigt und bewegt, sich unter das Wort Gottes gestellt. Und genau das tun wie heute Morgen auch. Für uns ist es dieser Abschnitt aus dem Jeremiabuch. Jeremia blickt auf einen Krieg zurück. 100 Jahre ist das her. Samaria und Juda, die Schwestern, hatten sich entzweit und Krieg geführt. Das Nordreich Israel wollte Macht und Unabhängigkeit und hat alles verloren, vegetiert jetzt als bedeutungslose und geplünderte assyrische Provinz vor sich hin. Und ein neuer Krieg droht. Juda liegt als Spielball zwischen Assyrien und Ägypten - den Interessen dieser starken, feindlichen Mächten hilflos ausgeliefert. Der König Jojakim weiß nicht, was er tun soll und der Untergang des Reiches zeichnet sich ab. In diese Situation hinein redet der Prophet im Namen Gottes Worte der Klage Worte des Gebetes:
7 Ach, HERR, 8 Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? 9 Warum stellst du dich wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Liebe Gemeinde,
Gott ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt. Ja, so kommt es uns auch oft vor. Wir haben Gott nicht. Wir besitzen ihn nicht. So ist es! Er ist uns nicht verfügbar. Er kann und muss von uns nicht verteidigt werden. Er kann von uns nicht herbeigezwungen werden. Er ist Gott. Er entscheidet über seine Gegenwart und manchmal ist er nur ein Fremder im Land und ein Wanderer in der Nacht.

Und ein Held, der nicht helfen kann. Gott gibt sich nicht dazu her, dass wir Menschen ihn benutzen, um zu herrschen. Das ist die Versuchung des Glaubens, jeden Glaubens. Die Versuchung aller religiösen Menschen. Wir wissen doch, was Gott will. Wir wissen doch, wen er mag. Wir wissen doch, auf wessen Seite er ist. Wir wissen doch, wie er will, dass wir leben und denken sollen. Wir glauben doch an ihn. Er redet mit uns. Also kennen wir uns aus. Juden, Christen und Muslime. Immer wieder in der Geschichte unseres Glaubens haben wir uns auf Gott berufen, um hier und jetzt Herrschaft auszuüben: Gläubige über Ungläubige, Priester über einfache Gläubige, Männer über Frauen, Eingeweihte über Uneingeweihte. Und immer wieder führt uns die Bibel vor Augen, dass das ein Irrweg ist und dass Gott so nicht funktioniert.
Wenn wir Gott nicht zum Herrschen benutzen können, was also ist er uns dann? Wie erfahren wir seine Gegenwart und worin hilft sie uns, wenn sie uns nicht bewahrt vor Terror, vor Streit, vor Leid.
Gott ist in uns, in der Stimme unsere Gewissens, in unserer Fähigkeit, gut und böse zu unterscheiden, mitzufühlen, mitzuleiden, uns selbst in Frage zu stellen, und eigene Bosheit und eigenes Unvermögen zu erkennen und zu akzeptieren.

Die biblischen Lesungen dieses Sonntags geben uns eine dreifache Antwort: Die erste Antwort: Gott ist in uns. Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben.

Wir mögen das Wort Sünde nicht. Es hat so einen altmodischen Klang und den Touch von Spielverderberei. Aber zu unserer Freiheit und Würde gehört es gerade dazu: Sünde nennen können, beim Namen nennen heißt doch: ich bin nicht das gebeutelte Objekt meiner Welten. Ich kann das Richtige erkennen und tun. Es ist mir gesagt, was gut ist und was der HERR von mir fordert. Ich bin nicht nur vor meinem Gewissen sondern auch für mein Gewissen verantwortlich. Ich bin verantwortlich. Maschinen haben Pannen, die sind nicht verantwortlich. Menschen können das Richtige, das Gute wählen oder eben das Falsche tun. Ich bin ich - in meiner Erkenntnis und in meinen Handlungen. Und in dem allen ist Gott mir ein Gegenüber und seine Stimme ist in mir. In dieser Welt erscheint er uns manchmal als ein Fremder im Land und ein Wanderer in der Nacht. Und ein Held, der nicht helfen kann Aber in mir ist er der Trost und der Nothelfer und das lebendige Gegenüber meiner Sehnsucht nach Glück und Frieden und Gerechtigkeit.
Das ist die zweite Antwort: Gott ist in mir und Gott ist im Gebet:
Ach, Herr, so hilf doch um deines Namens willen! ...8 Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. ..... Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Wir können über Gott nicht verfügen. Und allen unseren Versuchen ihn  zu benutzen für unsere Zwecke, entzieht er sich. Aber im Gebet erfahren wir die Gegenwart Gottes. Da hört er auf, abwesend zu sein, sondern stellt sich in unseren Gedanken dahin, wohin er gehört: ins Zentrum unserer Person. Beten- zu Gott rufen, unsere Welt, seine Welt vor ihn bringen, ihm anvertrauen und unter seine Herrschaft stellen. Mich Gott geben mit allem, was in mir ist, was mich sorgt, belastet, freut und ohne Berechnung, ohne dass er meinen Gebeten entsprechen muss, ihn sorgen lassen. Im Beten wird Gott erfahrbar.
Als Gott, als Urgrund alles Seins, als mein Woher und Wohin, als der, dem ich mich verdanke und der mich nicht verlässt.

Und Drittens: Gott wird erfahrbar im Gewissen, im Gebet und in nicht verfügbaren Zeichen seiner Gegenwart. Ich liebe das Evangelium dieses Sonntags. Das Weinwunder von Kana. Wir haben es in der Lesung gehört. Der Theologe Fulbert Steffensky unterscheidet entbehrliche und unentbehrliche Wunder. Dann ist dieses Weinwunder natürlich ein entbehrliches, fast trivial. Da geht bei einer Hochzeit der Wein aus. Der Speisemeister ist verblüfft und weiß nicht, wo der neue Wein herkommt und erklärt auch noch, dass man doch den besten zu Beginn serviert. Und die Jünger glauben, wegen des Weins in den Krügen? Ich weiß nicht, ob mir das zum Glauben gereicht hätte, vom Wein getrunken hätte ich aber bestimmt