Predigt zu 1. Mose 18, 1.2.9-15

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1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. 2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde … 9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. 10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. 11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. 12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! 13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? 14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. 15 Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Liebe Gemeinde,
zuerst war ich schon überrascht, als ich den Predigttext gelesen habe, über den bei uns in diesem Jahr zum ersten Mal am 4. Advent gepredigt wird. Denn da ist ja nun gar nichts Weihnachtliches dran, an dieser Geschichte von den beiden alten Menschen. Zumindest dann nicht, wenn wir an all das denken, was für uns Weihnachten ausmacht. Aber wenn wir uns das alles mal wegdenken, die Lichter und den Glühwein, die Musik und die Weihnachtsmärkte, die Geschenke und das Essen, die Sehnsucht nach Harmonie und Liebe und die Erfahrung von Einsamkeit und Verlorenheit – wenn wir uns das mal alles wegdenken, ob dann wohl etwas zum Vorschein kommt, was wirklich zu Weihnachten gehört, was uns mehr von Weihnachten erzählt als all das, was wir drum herum gebaut haben?

So habe ich also bei mir selbst das mal alles weggedacht, um einen neuen Blick auf diese Geschichte zu werfen von Abraham und Sara in dem Hain Mamre in der Nähe von Hebron in Palästina. Ich will diese Geschichte jetzt nicht noch einmal erzählen, sondern nur auf ein paar Adventsüberraschungen hinweisen.

Die erste Überraschung: Gott kommt immer unangemeldet.

Die Männer in der Geschichte kommen einfach vorbei. Sie rufen nicht vorher an, fragen nicht, ob es denn auch passt. Plötzlich sind sie einfach da: überraschend. Das passt uns manchmal ja nicht, wenn jemand unangemeldet vorbeischaut und unseren Plan durcheinanderbringt. Abraham jedenfalls hatte keine Chance, sein Zelt aufzuräumen, den Boden zu fegen, den Tisch zu decken. So ist das, wenn Gott kommt. Dann kommt er auch überraschend mit einer Botschaft, die uns den Rücken stärkt, die uns aufrichtet, die uns überrascht und gut tut. Es könnte sein, dass er auch zu us kommt, jetzt oder irgendwann während des Lockdowns. Während dem Homeoffice oder dem Homeschooling. Er kommt an bei uns in Langeweile oder Isolation, das hindert ihn nicht. Wenn er dann bei uns eintritt, dann sieht er, wie ich gerade bin. Das ist ok, so unangemeldet aufzutauchen – das ist wie bei ganz guten Freunden und Freundinnen.

Aber dann die zweite Überraschung: Gott kommt verkleidet.

Sind es nun drei Männer in der Geschichte oder nur einer, sind es Boten, ist es Gott selbst? Es bleibt undeutlich. Der Regenbogen bei Noah, der brennende Dornbusch bei Mose, der Engel bei Maria, der Traum bei Josef, der Stern bei den Magiern – alles uneindeutige Zeichen Gottes. Wäre ja schön, wenn die Boten ein Schildchen „Gott“ auf der Stirn tragen würden Aber genau deshalb erfindet Gott immer neue Erscheinungsformen, weil er lässt sich nicht festlegen lässt auf unsere Vorstellungen und Denkmuster. Er hält sich offen und er hält damit auch mich offen für Neues.

Und das, denke ich, hat mit der dritten Überraschung zu tun. Wenn Gott kommt, unangemeldet und auch noch verkleidet, dann hat es etwas mit Zukunft zu tun. Verheißungen über Verheißungen, bei Abraham genauso wie bei Maria. Zukunftsorientierung halt. Ich glaube, das ist auch heute nicht anders, wenn er denn bei uns anklopft und zu unserem Herzen spricht; dann heißt das auch: Er ist noch nicht mit uns am Ende angekommen. Und deshalb sind wir auch noch nicht fertig mit uns selbst. Klar, das macht unsicher, weil da noch eine andere Zukunft auf uns wartet, ein unbekanntes Land. Aber er ist dabei, seine Verheißung manifestiert sich in unserem Leben und die heißt zum Beispiel: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

Da ist noch mehr: Besseres, Schöneres, Sinnvolleres, da ist noch viel mehr Leben im Leben. Du bist im Werden.

Abraham und Sarah wurden noch zum Ursprung eines großen Volkes. Gott traut es ihnen zu und mutet es ihnen zu. So macht er es auch mit uns: er traut uns noch Großes zu – und er mutet es uns auch zu.

Und weil ich es meist nicht selbst entdecken kann, taucht unerwartet Gott irgendwann, irgendwo und irgendwie in deinem Leben auf.

Ja und das vierte ist vielleicht gar keine so große Überraschung: Wenn Gott kommt, hat das was mit Liebe zu tun. Immerhin steht einer der wichtigsten und schönsten Sätze in der Bibel: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Sara wusste das wahrscheinlich nicht und deshalb war es für sie wohl doch eine ziemliche Überraschung. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie sie da hinter dem Zelteingang hockt, dem Gespräch der Männer lauscht und vor sich hinkichert: „Ich alte Frau sollte noch ein Kind bekommen können? Und Abraham ist inzwischen ja auch nicht nur im Gesicht faltig geworden. Nein, nein, die Zeit ist vorbei.“

Wie wir wissen, hat Sara sich gründlich geirrt. Denn aus ihren Kindern wuchs das Volk, in dem viel später Jesus von Nazareth geboren wurde – den Juden und Muslimen ein wichtiger Prophet, den Christen der Messias. Aber völlig unabhängig von dieser Bedeutung war Jesus ein Mensch, der seinen Weg in radikaler Liebe, unbedingtem Vertrauen auf Gott und entschiedener Zuwendung zu den Menschen ging - so sehr erfüllt mit Liebe, dass es über das Verstehen der Menschen damals hinausging und es das vielleicht bis heute tut. Die Zeit der Liebe ist noch lange nicht vorbei.

Und dazu gehört die fünfte Überraschung. Wenn Gott kommt, dann kann fast alles passieren, mehr auf jeden Fall, als wir uns in der Regel vorzustellen wagen. Sara konnte es sich nicht vorstellen, in ihrem Alter noch zu gebären; Ob Maria es sich vorstellen konnte, schon in ihrer Jugend zu gebären, wissen wir nicht wirklich. Jesus hat seine Jünger immer wieder auf die Macht des Glaubens hinweisen müssen, der Großes wirken könnte.

Diese Überraschungen finde ich in dieser alten Geschichte und ich finde, sie haben eine Menge mit Advent zu tun; denn Gott kommt auch noch heute. Und dann mag die Menschwerdung Gottes in jeder und jedem von uns geschehen, damit wir frei werden zu jener liebevollen Menschlichkeit Jesu, die auch Göttlichkeit genannt werden kann.

Also: halten wir die Augen offen, lassen uns überraschen, überraschen andere – dann gibt’s auch spannende Weihnachten. Das wünsche ich Ihnen und mir.

Amen.

1. An dunklen, kalten Tagen beschleicht uns banges Fragen: Was wird wohl morgen sein? Gott kommt und schafft die Wende, macht Angst und Furcht ein Ende und lässt uns Menschen nicht allein.

2. Voll Sorgen sind die Zeiten, voll Krieg, Gewalt und Streiten, wer weiß, was kommen mag? Gott kommt, verscheucht die Schatten, die uns geängstigt hatten. Sein Licht geht auf zum neuen Tag.

4. Was wir zutiefst ersehnen, dass Menschen sich versöhnen, scheint unerreichbar fern. Gott kommt, will Frieden schenken, die Welt zum Guten lenken, und dann bricht an das Reich des Herrn.