Predigt zu 2. Kor. 1, 3.4.7

[3] Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, [4] der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.  [7] Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.

Liebe Gemeinde,
mit dem christlichen Glauben verbinde ich Gutes, Wohltuendes für Leib und Seele. Viele Geschichten bezeugen das, an die ich auch in diesen Tagen denke: Ich denke an die Wunder, die Jesus getan hat: Wie er Menschen geheilt hat, die lange krank gewesen sind. Wie er Menschen ins Leben zurückgeholt hat.

Auch das, was Jesus erzählt und verkündet hat, finde ich einmalig: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Gott ist nicht ferne von euch, sondern liebevoll wie ein Vater und eine Mutter zu ihren Kindern. „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Wer ein bisschen in den Evangelien blättert, der findet bei große und großartige Geschichten, die faszinieren und die brandaktuell zu Handlungen führen, die Mitmenschen schützen und zum Leben helfen.

Bei den Geschichten mit und von Jesus geht es immer gut aus, oder? Heute habe ich es im Predigttext zunächst nicht gehört. Da geht es um Trauer und Trübsal, um Trost, um Geduld und Leiden – bin ich im falschen Film?

Unsere Religion ist kein schönes Märchen so nach dem Hollywood-Motto: immer ein Happy End. Die Bibel ist da viel ehrlicher. Gott ist Mensch geworden, das bedeutet auch, dass er auf unsere Ebene gekommen ist. Er kennt unser Leben, unsere Angst, unsere Trauer. Er stellt sich und Jesus nicht auf einen hohen Sockel. Er weiß, dass nicht alles großartig ist im menschlichen Leben! Er weiß, dass Menschen ihre Sorgen und Probleme und Nöte haben, die man das nicht mit ein bisschen Friede-Freude-Eierkuchen wegwischen kann! Er weiß das alles, schließlich hat er das alles auch selbst erlebt:

Er war im Gefängnis und hatte Todesangst,
er wurde von Menschen im Stich gelassen,
er war und ist mit uns solidarisch.

Unser Predigttext spricht in eine schwere Situation hinein. Es wäre verengend und verkürzt, wenn wir denken würden, dass das Leben ohne finsteres Tal auskommt, wenn wir nur getauft sind und wir Glauben haben.

Aber so war es nicht und ist es nicht. Paulus war offen, war ehrlich, war authentisch. Er weiß, dass das menschliche Leben nicht nur aus lauter Höhenflügen besteht. Und so schreibt er auch von dem, was wir sonst gerne verdrängen, weil es uns Unbehagen macht: Von Trübsal und Trauer, Geduld und Leiden. Und das kommt an: Heute und hier, damals und dort. Weil alles andere ja sowieso nicht stimmt.

Damals war vielleicht einer gerade der Lebenspartner gestorben. Können Sie sich vorstellen, wie die wohl reagiert hätte, wenn Paulus geschrieben hätte: „Wenn ihr an Gott glaubt, kommt alles in Ordnung, denn es hängt alles nur an eurem Glauben.“ Das hätte sie bestimmt von Gott weggetrieben. Die wollte in ihrem Schmerz bestimmt nicht hören: „Kopf hoch, es wird schon wieder!“

Und heute ist es doch genauso: Wir alle kommen aus unserem schönen Leben vor Gott. Bei dem einen oder anderen war vielleicht auch die vergangene Woche gut und schön, abgesehen von der Gefahr, die sich uns zu nähern scheint durch die Corona-Epidemie. 

Bei anderen steht es schon viel mehr im Mittelpunkt: die Sorge, was wohl noch kommen könnte. Gesundheitliche Befürchtungen für uns selbst, Sorge um unsere Angehörigen, wirtschaftliche Einbrüche für manche, das ist so in diesen Tagen.

Gleichzeitig ist es doch unsere menschliche Natur nicht nur zu bangen, sondern auch zu hoffen. Ich denke, dass das so ist, weil Gott es in uns hineingelegt hat. Die Hoffnung, dass das Leben nicht versiegt und der blühende Mandelzweig sich im Winde wiegt.

Gibt es Grund zur Hoffnung? Ja, sagt uns die Botschaft, weil Gott da ist. Er tröstet, stärkt, hilft und will das Leben!

Wir können Gottes Kraft gut gebrauchen, wir bitten um sie und er lässt sie uns zufließen. Er ist unsere Burg, wenn wir die Tore schließen müssen. Bei ihm ist Halt und Trost.

Wer sich an Christus hält, der oder die muss im Leben trotzdem manches Schwere durchleben. Aber zugleich gibt es Gott, der ihn oder sie hält. Und das hilft manches auszuhalten. 

Jesus Christus selbst ist in allem Leiden und Schweren dabei. Jesus Christus lässt keinen fallen, auch wenn sich alle anderen schon von uns abgewandt haben sollten. Denn wer sich an Jesus Christus hält, der hat die Hoffnung: Die Hoffnung, dass Gott sich nicht von uns abwendet, sondern zu uns steht. Immer!

Das ist Hoffnung für Leute wie mich. Für alle, die nun gezwungenermaßen nicht mehr aus dem Haus können und unsere Gottesdienste von zuhause aus mitfeiern.

Das ist für mich das wirklich Großartige, das Schöne an der christlichen Botschaft, viel mehr als alle Wunder und klugen Worte.

ER hält mich.

ER hält mich aus.

ER hilft mir zum Aushalten.

ER ist meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke und mein Licht.

Amen.