Gottesdienst mit Predigt zu 1. Mose 11

Gottesdienst als Video in gekürzter Fassung.

 

Pfingstsonntag 2021 (Scholl/Brand/Schöne/Cantiamo)

Musik zum Eingang

EG 135 1, 3, 7 Schmückt das Fest mit Maien

1. Schmückt das Fest mit Maien, / lasset Blumen streuen, / zündet Opfer an, / denn der Geist der Gnaden / hat sich eingeladen, / machet ihm die Bahn! / Nehmt ihn ein, so wird sein Schein / euch mit Licht und Heil erfüllen / und den Kummer stillen.

3. Lass die Zungen brennen, / wenn wir Jesus nennen, / führ den Geist empor; / gib uns Kraft zu beten / und vor Gott zu treten, / sprich du selbst uns vor. / Gib uns Mut, du höchstes Gut, / tröst uns kräftiglich von oben / bei der Feinde Toben.

7. Lass uns hier indessen / nimmermehr vergessen, / dass wir Gott verwandt; / dem lass uns stets dienen / und im Guten grünen / als ein fruchtbar Land, / bis wir dort, du werter Hort, / bei den grünen Himmelsmaien / ewig uns erfreuen.

Votum – Begrüßung - Wochenspruch

Herzlich willkommen zum Geburtstagsfest der Kirche. Wir begehen den Heiligen Geist – mit dem niemand so ganz viel anfangen kann. Doch geistreich sein, geistvoll, begabt, bewegt, in eine Gemeinschaft gestellt, die füreinander einsteht. Das kennen wir schon. Dass Gottes Geist in unsere Herzen ausgegossen ist, der Leben will, es schafft und erhält. Der zugleich Glauben will, schafft und ihn erhält.

Am Geburtstagsfest der Kirche sind wir zusammengekommen. Denn seit dem ersten Pfingsten brennt die Flamme des Glaubens, die wir weitergeben.

Das Wort für die Pfingstwoche lautet:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth.

(Sacharja 4, 6)

EG 726 Psalm 47

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,

und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

Gott fährt auf unter Jauchzen,

der Herr beim Hall der Posaune.

Lobsinget, lobsinget Gott,

lobsinget, lobsinget unserm Könige!

Denn Gott ist König über die ganze Erde;

lobsinget ihm mit Psalmen!

Gott ist König über die Völker,

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

Die Fürsten der Völker sind versammelt

als Volk des Gottes Abrahams;

denn Gott gehören die Starken auf Erden;

er ist hoch erhaben.

Ehr sei dem Vater

Eingangsgebet

Herr Jesus Christus,

wir danken dir, dass du uns in der Welt nicht alleine gelassen hast, sondern durch deinen Geist bei uns bist an jedem Tag.

Du begleitest uns, stärkst unsere Seelen und richtest sie auf.

So komm, Heiliger Geist, in unsere Welt, in unser Leben, in unsere Herzen.

Führe zusammen in die Gemeinschaft deiner Kirche.

Verbreite die machtvolle Liebe Gottes.

Erfrische die Müden, vertreib allen Kleinmut,

und mach die Worte unseres Herrn für uns bedeutungsvoll und kraftvoll.

 

Komm Heiliger Geist,

 komm in unser Herz.

 Wir dürsten nach Sinn

 für unser Leben,

 wir brauchen Halt

 in verworrenen Zeiten.

 Erfüll uns mit Vertrauen

 zu Christus.

Schriftlesung Scholl: 1. Mose 11, 1-9

EG 136, 1-4 O komm du Geist der Wahrheit

1. O komm, du Geist der Wahrheit, / und kehre bei uns ein, / verbreite Licht und Klarheit, / verbanne Trug und Schein. / Gieß aus dein heilig Feuer, / rühr Herz und Lippen an, / daß jeglicher getreuer / den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter / Regent uns zugesagt: / komm zu uns, werter Tröster, / und mach uns unverzagt. / Gib uns in dieser schlaffen / und glaubensarmen Zeit / die scharf geschliffnen Waffen / der ersten Christenheit.

3. Unglaub und Torheit brüsten / sich frecher jetzt als je; / darum musst du uns rüsten / mit Waffen aus der Höh. / Du musst uns Kraft verleihen, / Geduld und Glaubenstreu / und musst uns ganz befreien / von aller Menschenscheu.

4. Es gilt ein frei Geständnis / in dieser unsrer Zeit, / ein offenes Bekenntnis / bei allem Widerstreit, / trotz aller Feinde Toben, / trotz allem Heidentum / zu preisen und zu loben / das Evangelium.

Glaubensbekenntnis EG 686

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen.

Cantiamo Alta trinita beata (Anonymus 15. Jahrhundert)

Alta Trinità beata,
da noi semper adorata,
Trinità gloriosa
unità maravigliosa,
Tu sei manna saporosa
e tutta desiderosa.

Hohe, heilige Dreifaltigkeit,
von uns immer angebetet,
glorreiche Dreifaltigkeit,
wunderbare Einheit,
du bist das köstliche
und ersehnte Himmelsbrot.

 

 

Predigt zu 1. Mose 11, 1-9

 

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

Wo schlägt Ihr Herz? Wohin geht Ihre Sehnsucht? Wie ist Ihre Grundeinstellung?

·       Mehr: Zurück zu den Anfängen?
Oder eher: Ende gut – alles gut?

·       Früher war alles besser?
Oder … hell leuchtet die Zukunft hervor?

·       Sind wir immer noch Ewig-Gestrige
oder tatsächlich schon Übermorgen-Leute?

 

Dei bekannte Erzählung vom Turm zu Babel zeigt Details, die für ein neues Verstehen hilfreich sind. Schon der Bauplan hat offenbar eine Vorgeschichte: Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Das wird so dargestellt, als sei das schon immer so gewesen.

im Hebräischen heißt es: Und es geschah … Und es begab sich … Kein Urzustand, sondern eine Geschichte! Kein Anfangsidealzustand, eher ein Werden und ein Fortentwickeln, von dem hier berichtet wird: Es geschah, es war einmal so weit gekommen, dass … Also: da machen die Menschen nun eigene Pläne. Sie nehmen sich was vor, sie treffen Verabredungen. Sie rufen und skandieren. Da sollen wir hellhörig werden und kritisch bleiben: Wo so ein Irgendwer spricht und alle Welt einfach mit vereinnahmt, da sollten wir das Denken nicht beiseite legen.

 

Babel hat weitreichende Pläne, die Bibel entlarvt gleicht das Ganze als Hochmut: … lasst uns einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen.

Gottes erste Reaktion? Humorvoll, satirisch, spöttisch: er muss erst mal umständlich herniederfahren, um die Bauarbeiten da unten zu besichtigen. Verzeihen Sie bitte den Kalauer, aber der Wolken-Kratzer scheint Gott wirklich nicht zu kratzen! Gott muss sogar näher heran, sehr genau hinsehen, um wahrzunehmen, was die Menschen da treiben. Erst jetzt übrigens, mit dem ersten Blick Gottes, werden die bisher unpersönlich handelnden und redenden Subjekte Menschenkinder genannt (V.5).

Gottes erste Analyse? Er kommt ins Grübeln, so wird erzählt: Diesem gleichgemachten Volk, der Einheitsdoktrin scheint nun nichts mehr unmöglich. Gott kritisiert Städteplanung und Turmbau nicht als solche! Seine Bilanz lautet: dahinter beginnt das gefährliche Tun, im Willen zur Vereinheitlichung, und darin in Selbsterhöhung und Selbstverehrung. Der Turm – das neue Zeichen, sein zu wollen wie Gott. Und Gottes nächste Reaktion? Er verurteilt und bestraft hier gar nicht so sehr. Gott unterbricht und irritiert und setzt in Bewegung. Menschliche Pläne werden durcheinandergebracht. Diesem Projekt gebietet Gott Einhalt, indem er die Differenz schafft.

Verschiedene Sprachen machen es nötig, Wege der Verständigung zu finden.

Gott sorgt zuerst für Distanz und macht so mit dieser Urgeschichte der Kommunikation den Dialog zur neuen Gestaltungsaufgabe für uns Menschen.

Das Projekt, sich selbst einen Namen zu machen, findet seinen Nachhall noch im Städtenamen Babel. Diesmal lässt sich das hebräische Wortspiel bis in deutsche Umgangssprache hinein nachempfinden: babylonische Sprachverwirrung. Gott unterbricht und irritiert und setzt in Bewegung. Gott schafft die Vielfalt der Sprachen und Völker. Gott stellt uns Menschen damit vor die Aufgaben der Begegnung und der Verständigung unter Verschiedenen, die Kommunikation der Kulturen.

 

 

Nun ist heute das Pfingstfest und er Predigttext ist deshalb dran, weil am ersten Pfingsten damals das Gegenteil geschah. Menschen verstanden sich plötzlich wieder. Bei der Predigt des Petrus hörte jeder sie in seine Muttersprache.

So zeigt das erste Pfingstfest, was Gott schafft: Verständigung in Vielfalt.

Ja, Christen aus verschiedenste Teilen der Welt sind verbunden durch den Geist Gottes.

Und sie sind nicht nur verbunden, sie verstehen sich auch. Denn sie haben das gleiche Anliegen. Nicht reich zu werden, nicht die Welt auszubeuten für den eigenen vorteil, sondern gut zu leben, das schon. Aber auch das Leben zu bewahren, Glaube, Liebe und Hoffnung weiterzutragen.

Dazu führt uns der Geist von Pfingsten zusammen. Unterschiede sind nicht mehr Gefahren, werden vielmehr zu Geschenken, und die Vielfalt wird zum gemeinsamen Reichtum. Von Turmbau in Babel und Pfingsten in Jerusalem leitet sich die Wegweisung ab, sich gegenseitig an den verschiedenen Orten der Welt wahrzunehmen und die Menschen hier und dort in ihrer Geschichte und Prägung und Ausgestaltung ernst zu nehmen. Dieser Geist Gottes legte sich in besonderer Weise auf Christus, den Menschgewordenen, strahlte aus von ihm in Nächstenliebe bis hin zur Feindesliebe. In seinem Geist wurden die Jünger und ersten Gemeinden entfacht und gaben weiter, was ihnen im Geist Jesu Christi zugeweht war. So beschenkt gehen auch wir in diese Zeit des Pfingstfestes. Wo schlägt unser Herz, wohin geht unsere Sehnsucht? Zurück zu den Anfängen? Oder … hell leuchtet die Zukunft hervor? Sind wir Ewig-Gestrige oder Übermorgen-Leute? Wie wäre es mit folgenden Verabredungen

Wohlauf, lasst uns mit allen auf gute Weise leben, die uns begegnen und bewegen und begeistern. Wohlauf, lasst uns weniger von gestern oder für die Tradition leben oder für das „Das-war-schon-immer-so“, vielmehr als Vielfalt- Menschen – in unmittelbarer Nachbarschaft auf der ganzen Erde. Wohlauf, lasst uns die Erde als rund erkennen: damit unser Denken die Richtung wechseln kann, und respektieren, dass jeder Ort, jeder Punkt auf diesem Globus ein Mittelpunkt ist, sodass Anfang und Ende nur noch eine Frage der Perspektive sind.

Uns allen, wo immer Sie leben, wie immer Sie glauben, was immer Sie verstehen und sprechen, wie immer Sie vor Gott singen und beten, ich wünsche eine begeisterte, eine bewegende und begegnungsreiche Pfingstzeit. Amen

 

Klavierstück

Fürbittegebet- Vaterunser

Herr, unser Gott,

wir bitten dich für unsere Kirchengemeinde. Wecke in ihr an allen Orten Leben, Glauben und Zuversicht. Schenk, dass wir in Vielfalt das Unsere dazu beitragen. Segne alle, die bezahlt oder ehrenamtlich mithelfen, dass deine Worte des Lebens Menschen erreichen.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns.

 

Wir bitten dich für deine Kirche in allen Konfessionen.

Hilf uns, mit Achtung und in Liebe miteinander umzugehen und nicht, unsere eigenen Vorteile bestätigt zu suchen.

Schenke uns, dass wir uns leiten lassen vom Geist Christi in unserer Fürsorge füreinander

und für alle, die unseren Beistand brauchen.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns.

 

Du schaffst neues Leben.

Erneuere die Hoffnung und die Lebensfreude der Menschen,

die ihre Lebenskraft und ihren Mut verloren haben, die sich mit Sorgen und Not quälen,

die zerbrochen sind durch Krankheit und Zweifel.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns.

 

Wir bitten dich: Wecke überall Leben, wo lebensfeindlich Umstände herrschen. Gib immer wieder neue Hoffnung und Lebensmut.

Wo Krieg, Hass und Gewalt triumphieren, sende den Geist des Friedens zu den Menschen,

die Verantwortung tragen.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns.

 

Wir bitten für uns selbst.

Lass uns erkennen, wo du in unserem Leben handelst und dafür dankbar werden.

Hilf uns darauf zu vertrauen, dass du bei uns bist.

Schenke uns die Begeisterung, die für andere deine Güte sichtbar werden lässt.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns.

 

Herr, unser Gott, du Geist des Lebens, wir danken dir, dass wir unser Herz bei dir ausschütten dürfen,

wie Kinder bei ihrem Vater. Darum beten wir gemeinsam: Vater unser im Himmel ...

EG 555, 1-3 Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit

1. Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit, / durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit. /

Licht der Liebe, Lebenslicht. / Gottes Geist verlässt uns nicht. / Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.

 

2. Ein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt, / erfüllt den Tag, dass es jeder spürt.

 

3. Ein Licht macht uns froh, wir sind nicht allein. / An jedem Ort wird es bei uns sein.

Bekanntgaben Scholl

 

Nun wünsche ich Ihnen Geistesgegenwart in der kommenden Woche. Ich selbst bin jetzt bis kommenden Sonntag im Urlaub. Die Vertretung übernimmt Pfr. Frank aus Hohenacker.

 

Morgen feiern wir den ökumenischen gemeidneübergreifenden Gottesdienst auf dem Alten Friedhof in Hohenacker im Freien.

 

Segenstrophe Dona nobis pacem (Mary Lynn Lightfoot)

Segen