Gottesdienst zu Apostelgeschichte 17

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Musik zum Eingang

Begrüßung
Christus und der Glaube an ihn verändert Menschen. Denn Christen haben immer Grund zur Hoffnung, Grund das Leben zu lieben und Kräfte, die sie immer wieder neu aufstehen lassen und dabei helfen unbeirrt den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu gehen.

Herzlich begrüße ich Sie zu diesem Gottesdienst, der das bewirjken kann und soll. Denn das bedeutet Gottesdienst ja eigentlich, dass Gott uns dient, dass er unsere Seele kräftigt und aufrichtet und uns dabei hilft, uns zu entfalten.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

 

Psalm 19

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, *

und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.

Ein Tag sagt‘s dem andern, *

und eine Nacht tut‘s kund der andern,

ohne Sprache und ohne Worte; *

unhörbar ist ihre Stimme.

Ihr Schall geht aus in alle Lande *

und ihr Reden bis an die Enden der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht;

und freut sich wie ein Held, zu laufen die Bahn.

Sie geht auf an einem Ende des Himmels /

und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.

Psalm 19, 2–7

 

Eingangsgebet – Stilles Gebet

Schriftlesung Klingler: Apostelgeschichte 17, 22-34

Die Philosophen, die mit Paulus stritten, nahmen ihn mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist. Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören. Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun 3 göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus von ihnen.

Lied: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
(Wegen des Urheberrechts darf das Lied leider nicht abgedruckt werden)

Predigt zu Apostelgeschichte 17

Würden Sie gerne mal wieder reisen? Zumindest in Gedanken können wir das jetzt miteinander machen.  Ich würde Sie gerne nach Athen entführen. Eine Stadt mit einer großen klassischen Tradition. Die Akropolis haben wir alle schon einmal gesehen. Dabei handelt es sich um einem Komplex aus klassischen Tempeln auf einer Anhöhe über den Dächern der Stadt. Dass die Griechen wie die Römer eine Vielzahl von Göttern verehrten, zeigt sich schon in den Tempeln, die auf der Akropolis versammelt sind. Nicht weit von ihr entfernt liegt der Marktplatz, der in der Antike nicht nur ein Umschlagsplatz für Waren, sondern auch für Ideen war. Über diesem Marktplatz aber erhebt sich der Areopag, ein kleiner Hügel, Sitz der gleichnamigen Behörde, die in alter Zeit über die Heiligtümer der Stadt wachte, die Abwehr von Missständen und Auswüchsen eingeschlossen.

Paulus hatte diesen Platz betreten und ist dort aufgetreten. Der Schritt nach Griechenland war entscheidend für die Ausbreitung des Christentums. Die Botschaft des Glaubens an den einen Gott, der alles gemacht hat und in Händen hat, selbst über den Tod hinaus sollte die ganze Welt erreichen.

So war Paulus nun in Griechenland angekommen und suchte diesen Marktplatz der Ideen auf dem Athener Marktplatz auf. Schnell geriet er mit Lehrern unterschiedlicher philosophischer Schulen in Streit.

Er bezeugte seinen Glauben auf dem Areopag, der Religionsbehörde Athens, und er greift dabei das Thema der vielen Götter auf.

Religiöse Vielfalt ist nicht erst ein Thema unserer Tage. Die Art wie Paulus das Thema in Athen begegnete, machte ihn zornig. Kein Wunder: Auf dem Athener Marktplatz waren neben den vielen verschiedenen Götterbildern aus griechischer Zeit nicht weniger als dreizehn Altäre für den gottgleich zu verehrenden römischen Kaiser errichtet worden. Den Stiftern ging es dabei oft erkennbar um eigenen Ruhm. Götterverehrung und Selbstdarstellung gingen ineinander über. Solche Übergänge kennen wir auch heute.

Im Blick auf die Religion haben wir es heutzutage mit einem vielfältigen Markt der Möglichkeiten zu tun. Über dem christlichen Abendland wölbt sich kein einheitlicher Sinnhorizont mehr. Wir können also nicht nur zwischen unterschiedlichen Lebensentwürfen wählen, sondern wir müssen es. Dabei stehen nicht nur unterschiedliche Glauben in Konkurrenz zueinander, sondern auch Glaube und Unglaube stehen miteinander im Streit. Eine säkulare Weltanschauung, manchmal zu einem kämpferischen Atheismus gesteigert, sucht sich ihren Platz. Damit sie leichter zum Zuge kommt, fordert sie, man solle Religion zur Privatsache erklären und nach Möglichkeit aus dem öffentlichen Raum verbannen. Damals wie heute hat das Thema es in sich.

Von Paulus können wir dabei lernen. Bevor er sich in einen Disput verwickelt, schaut und hört er genau hin. Vielfalt kann man nur bewältigen, wenn man den anderen wahrnimmt und zu verstehen sucht. Dabei entdeckt Paulus nicht nur Fremdheit, sondern auch ein gemeinsames Suchen. Ein Altar wird ihm dafür zum Symbol, der die Aufschrift trägt: Dem unbekannten Gott. Diese Aufschrift steht für das Suchen der Menschen. Es gibt viele, die mit ihren Fragen noch nicht am Ende sind. Sie wissen unbestimmt, dass ihr Leben etwas mit Gott zu tun hat; denn „in ihm leben, weben und sind wir“. Aber wer dieser Gott ist und wie er sich zeigt, bleibt für sie unklar.

Paulus zeigt uns, dass wir das Gespräch suchen müssen, wenn wir weiterkommen möchten. Das Gespräch mit denen, die nach dem unbekannten Gott suchen wie mit denen, deren Gottesvorstellung festgefügt ist und als unveränderbar erscheint. Gegenüber den einen wie den anderen muss man sich um Klarheit und gute Nachbarschaft bemühen,

In der religiösen Pluralität von Athen damals und in der von heute gibt es keine Alternative zum Gespräch, zum Dialog, wenn die Religionen einen Beitrag zum Frieden leisten wollen. Ich denke da gerade an Hans Küng, der den Dialog zwischen Religionen angeregt hat.

Freilich: Der Dialog verlangt Klarheit im eigenen Glauben. Zum Dialog gehört es, eine eigene Position zu haben, die das Eigene nicht schamhaft versteckt und das Fremde am Gegenüber nicht vereinnahmt. Christen können mit anderen nicht über den Glauben reden, ohne dass von „Jesus Christus und der Auferstehung“ die Rede ist – selbst wenn das in anderen Ohren so klingt, als sollten zwei weitere Götterbilder aufgestellt werden.

Paulus macht deutlich, dass es ihm um etwas anderes geht: „Ich verkündige euch, was ihr unwissend verehrt“. Mit diesem Übergang wird aus der Verteidigungsrede eine Predigt. Mit Nachdruck bringt er das Evangelium von Jesus Christus zur Sprache.

In Anknüpfung an den „unbekannten Gott“ wird der eine, wahre Gott verkündet, der Himmel und Erde gemacht hat und dem alle Menschen ihr Leben verdanken. Dieser Gott „wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind“. Er entzieht sich jedem menschlichen Verfügungsanspruch.

Warum ist der Apostel sich dessen so sicher? Weil Gott sich in einem Menschen offenbart hat, aus Fleisch und Blut, und sich in ihm erniedrigt hat, deshalb braucht niemand mehr sein Vertrauen auf Gottesbilder oder Tempel zu setzen, die von Menschenhand gemacht sind. Weil er den Gekreuzigten von den Toten auferweckt hat, kann jedem klar sein, vor wem allein wir Menschen letzte Rechenschaft schuldig sind: nicht vor dem Kaiser in Rom, nicht vor dem Areopag in Athen, sondern vor Gott selbst und vor ihm allein.

Fordernd klingen solche Worte; doch vor allem befreien sie. Die Verteidigungsrede vor dem Areopag wird zur Religionskritik im Namen des einen Gottes.

Christliche Verkündigung ist seitdem immer auch Religionskritik. Sie verwirft die religiöse Suche der Menschen nicht einfach, sondern spürt die Lebenssehnsucht auf, die aus ihr spricht. Denn Gott selbst hat die Sehnsucht in die Menschen gelegt, „ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns“. Menschen suchen über sich hinaus. Die Sehnsucht nach Ewigkeit ist in ihr Herz gelegt.

Martin Luthers berühmte Aussage, dass das, woran einer sein Herz hängt, sein Gott ist, leitet zu der kritischen Prüfung an, ob denn das, was das Herz in Anspruch nimmt, diesen Anspruch auch zu Recht erheben kann.

Menschen, die an Gott glauben, führt dieser Glaube in die Freiheit. Er verleiht ihnen unverlierbare Würde – als Ebenbild Gottes.

Daraus folgt Respekt vor dem anderen, vorseiner Art zu glauben und gleichzeitig die Verpflichtung unseren Glauben und was er mir gibt zu bezeugen.

Mit der Auferweckung Jesu von den Toten ist schon mitten im Alten die Umkehrung der Verhältnisse angebrochen. Die Welt kann anders werden: das gilt auch angesichts von Klimakatastrophe, Hungernöten und Pandemien. Gott eröffnet für seine Schöpfung eine hoffnungsvolle Perspektive. Und er ermutigt uns, um diese Hoffnung zu beten und aus ihr heraus zu handeln.

Die Antwort auf die Vielfalt der Religionen besteht in der Besinnung auf den Kern unseres Glaubens: Wir brauchen uns kein Gottesbild zu machen, weil Gott sich Jesus als Bild erwählt, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Weil wir uns an dieses Gottesbild halten, gewinnt die Unterscheidung zwischen Gott und den Götzen für uns an Gewicht. Diese Unterscheidung müssen wir auch in die Streitfragen unserer Zeit einbringen:

gegen eine Vergötzung der Wirtschaft als Selbstzweck und damit für deren dienende Funktion,

gegen das selbstsüchtige Hinausschieben der nötigen Schritte zur Eindämmung der Klimakatastrophe und damit für die Lebensbedingungen künftiger Generationen,

gegen den Anspruch, über Anfang und Ende des Lebens verfügen zu können und damit für den Schutz des Lebens zu Beginn und für eine fürsorgliche Begleitung von Menschen am Ende ihres Weges.

Deshalb sind wir verpflichtet, der Gottvergessenheit zu wehren, die sich um uns her ausbreitet. Die wichtigste Aufgabe für uns als Christen besteht darin, das Schweigen über Gott zu durchbrechen und von Christus zu sprechen, dem lebendigen Bild Gottes, das uns befreien kann. Amen.

Lied: Die Himmel erzählen
(Wegen des Urheberrechts nicht abgedruckt)

Fürbitten - Vaterunser

Ewiger Gott, durch dein Wort hast du alles geschaffen und hast die Welt nach deinem Willen mit Leben erfüllt. Auch uns Menschen hast zu deinem Bild gemacht, hast uns deinen Atem eingehaucht. Deine Kraft belebt uns und deine ganze Schöpfung. Dich rufen wir an:

G:  Kyrie eleison.

Wir bitten dich: Schenke uns Achtsamkeit und Gespür für uns selbst und die Menschen um uns herum. Lass uns das Gute entdecken, das du gibst und erwartest. Dich rufen wir an:

G:  Kyrie eleison

Wir bitten dich für Menschen, die niedergedrückt und mutlos sind. Zeige ihnen Wege, auf denen sie auch in diesen Zeiten aufgerichtet gehen können und hilf ihnen zu dem Vertrauen, dass deine Erde sie trägt und nährt. Dich rufen wir an:

G:  Kyrie eleison

Wir bitten dich für Menschen, die sich selbst ihr Leben schwer machen, die sich nicht ertragen können oder sich nie genug sind. Öffne sie für deine Gnade, dass sie sich selber milde betrachten können und mache sie guten Mutes.  Dich rufen wir an:

G:  Kyrie eleison

Wir bitten dich für Menschen, die immer gern und viel für andere tun. Gib, dass sie lernen auch an sich selber zu denken und bereit werden, etwas von anderen anzunehmen. Dich rufen wir an:

G:  Kyrie eleison

Wir bitten dich für Menschen, die nur sich selbst kennen und andere wenig schätzen. Befreie sie aus dem Gefängnis ihrer eigenen Welt und zeige ihnen deine Weite und Vielfalt.  Dich rufen wir an:

G:  Kyrie eleison

Lass deine unbegreifliche Gnade, die vor allen Dingen ist, uns im Inneren erfüllen und ihre Freude lass in uns wachsen, dass deine Kraft uns trägt und ausstrahlt auf unser Miteinander. So bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Bruder und Herrn.

 

Lied: Gott gab uns Atem (Wegen des Urheberrechts nicht abgedruckt)

Bekanntgaben

Am kommenden Sonntag finden Sie auf unserer Internetseite wieder einen aktuellen Gottesdienst zum Anschauen, Mitfeiern oder lesen.

Das Opfer am heutigen Sonntag ist für die EKD bestimmt.  Der Landesbischof schreibt dazu:

Eine Initiative unserer evangelischen Kirche ist es, junge Erwachsene in ihrem christlichen Glauben zu begleiten und ihnen innovative Räume des Glaubens zu öffnen soll heute unterstützt werden. Hierzu zählt besonders die Integration junger Geflüchteter und Migranten durch Bildungsangebote.

Ihr Opfer soll für neue digitale Formate von Spiritualität, Seelsorge und Reflexion des eigenen Glaubens verwendet werden. Mit Seminaren der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) sollen junge Geflüchtete und Migranten für gesellschaftspolitische Debatten und ihre historischen Hintergründe sensibilisiert werden. Damit bietet sich die Chance, aktuellen Formen von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit gemeinsam entgegenzuwirken.

Gott segne Geber und Gaben.“

Dr. h.c. Frank O. July, Landesbischof

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Segen

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