Prdigt von Janine Liebegeld

Predigt Johannes 16

25 Grad, schönstes Wetter und strahlenster Sonnenschein. Sie stehen am Fuße eines Berges und wollen ihn erklimmen. Sie sind gut vorbereitet, haben alles Wichtige eingepackt, doch trotzdem prüfen Sie nochmal Ihre Ausrüstung.
Was meinen Sie ist das Wichtigste was Sie bei sich haben sollten?
Karabiner Haken zeigen.  Es ist dieser Karabiner Haken.
Klettern ist eine ganz schön risikoreiche Sache. Und je höher der Berg, desto größer ist auch die Absturzgefahr. Um sich also nicht in Gefahr zu begeben, braucht man eine Sicherung.
Und genau dafür ist dieser Haken da. Durch diesen Karabinerhaken ist man verbunden. Verbunden mit einem Seil.  Der Haken schafft also die Verbindung zum Seil, welches durch den Kletterpartner gehalten wird, damit nichts passiert und man eben nicht abstürzt. Diese Verbindung ist es, die einem das Leben retten kann und somit für den Kletterausflug unentbehrlich ist. Diese Verbindung ist es, die uns hält und uns sichert.
Natürlich gibt es auch noch andere Dinge, die fürs Klettern sehr wichtig sind, doch der Karabinerhaken schafft diese wichtige Verbindung.

Um Verbindung und Verbundenheit geht es auch heute in unserem Predigttext. Ich lese aus Johannes 16, die Verse 23-33.

 

 


Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.
24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.
25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.
26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde;
27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.
29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht in einem Bild.
30 Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.
31 Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr?
32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
33 Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Die Jünger hatten eine enge Verbindung zu Jesus. Sie waren fest mit ihm verbunden, denn sie haben alles aufgegeben, um ihm nachzufolgen; mit ihm unterwegs zu sein. Und jetzt redet Jesus plötzlich von einer Veränderung. Er redet davon, dass ihre gemeinsame Zeit zuende geht.

Kennen Sie das Gefühl, wenn etwas zuende geht? Die Kinder sind aus dem Haus, gehen studieren oder ziehen in eine eigene Wohnung und Sie sind nun alleine. Das ist erstmal eine große Umstellung. Oder das Ende einer Beziehung; das Ende von einem Job.
Egal was auch zuende geht, es ist oft erst einmal eine Umstellung. Oft ist das dann auch erstmal verbunden mit Trauer. Denn es wird sich etwas verändern. Und Veränderung ist besonders für uns Menschen, die gerne das Gewohnte mögen, nicht immer leicht.

In einer ähnlichen Situation befinden sich die Jünger in unserem Bibeltext. Sie sind verwirrt und ratlos. Ihr Messias, ihr Retter und ihr großes Vorbild ist zwar noch unter ihnen, aber sie wissen, diese Zeit endet bald. Denn immer wieder kündigt er sein Weggehen an. So auch hier:
Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.

Jesus hat eine tiefe Beziehung zu seinen Jüngern; na klar, mit ihnen verbringt er Tag und Nacht, teilt mit ihnen Freud und Leid und zieht mit ihnen durch die Städte. Und trotzdem zieht es ihn wieder zurück zu seinem Vater. Denn auch zu ihm hat er eine tiefe Verbindung.
Jesus der Überbringer
Jesus ist ein bisschen wie der Karabinerharken. Dieser Harken ist das feste Mittelstück, zwischen den zwei Seilen. Genauso ist Jesus das Herzstück, die Schnittstelle zwischen Gott und Mensch. Jesus ist die Verbindung zwischen seinen Jüngern und Gott; und auch zwischen uns und Gott. Jesus hat eine Verbindung zu beiden Seiten!  verbunden mit dem Vater, verbunden mit den Menschen.
Wir wollen uns nun mal genauer anschauen wie diese Verbindung jeweils aussieht.


Das erste Seil kennzeichnet die Beziehung zwischen Jesus und seinem Vater. !!!

Voraussetzung, dass Jesus in die Welt kommt, ist die Sendung von seinem Vater.
Gesandter zu sein heißt einen Auftrag oder eine Aufgabe zu erfüllen; oder etwas zu überbringen.

Und wie schön kann es sein Überbringer zu sein!
Dazu eine persönliche Geschichte von mir:
Ich habe eine gute Freundin, die verheiratet ist und zusammen mit ihrem Mann bei mir in der Nähe wohnt. Und oft, wenn sie ihrem Mann ein Geschenk machen will, sei es zum Geburtstag oder zu Weihnachten, kommt sie auf mich zu. Denn meistens bestellt sie das Geschenk übers Internet, da gibt es mehr Auswahl. Doch wenn sie dieses zu sich nachhause schicken würde, dann würde ihr Mann das sofort sehen und gleich schon wissen: Oh, das ist wohl mein Geburtstagsgeschenk. Also machen wir das immer so, dass sie das Paket an mich adressiert. Ich bring es ihr dann immer vorbei, wenn ihr Mann mal nicht zuhause ist, damit sie es gut verstecken kann.
Und jedes Mal, wenn sie mir schreibt, ob ich doch wieder ein Paket annehmen kann, freu ich mich richtig, denn ich weiß: Sie vertraut mir. Sie könnte ja auch jemand anderen fragen. Aber nein, sie fragt mich, weil sie weiß, dass ich das nicht ihrem Mann erzähle, sondern dass das Geschenk bei mir sicher aufgehoben ist.
Vielleicht kennen Sie auch so Situationen und Momente, in denen Sie von jemandem ausgesandt sind etwas zu tun. Vielleicht ist es bei der Arbeit, in der Schule oder auch unter Freunden, dass Ihnen eine wichtige Aufgabe übertragen wird.
Überbringer und Gesandter zu sein heißt: Ich habe eine Verantwortung. Ich habe eine Verantwortung übertragen bekommen und mir wird Vertrauen entgegengebracht. Vertrauen, dass ich meine Aufgabe gut erfüllen werde.  Damit sagt eine Person zu mir: „Hey, ich verlass mich auf dich.“

Nicht nur heute, auch im Alten Testament gibt es Gesandte Gottes, Propheten die das Volk zur Umkehr bewegen und ihnen Gottes Wort verkündigen sollten. Jesaja, Jeremia, Amos… Oder Jona! Jona, dem Gott den Auftrag gibt nach Ninive zu gehen, um dort die Menschen zur Umkehr zu bewegen. 

Jesus (jedoch) hat einen ganz besonderen Auftrag. Seine Sendung vom Vater geht über alles hinaus was wir uns vorstellen können.
Der Vater sendet seinen Sohn in die Welt um den Menschen das Heil zu bringen.
Jesu Auftrag ist die Rettung der Menschheit.

Und wie könnte sein Vater ihn senden, wenn er nicht hundertprozentiges Vertrauen in ihn hätte? Die Sendung von Jesus durch seinen Vater zeigt diese innige Beziehung der beiden.
Und anders herum: wenn wir auf Jesus schauen – was für ein Vertrauen muss er zu seinem Vater haben. Er weiß, er wird sterben. In der Bibel sehen wir wie sehr er damit zu kämpfen hat, wie er im Garten Gethsemane sagt: „Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.“ Nein, er will nicht sterben. Aber trotzdem geht er diesen Weg. Trotzdem geht er den Weg seiner Sendung, bis zum Ende. Der Wille seines Vaters ist auch sein Wille. Und er sagt es immer wieder selber, so auch in Johannes 10,30: Ich und der Vater sind eins. 


Nur diese enge Verbindung zwischen Vater und Sohn macht es uns möglich, dass wir (zweites Seil an Karabinerharken dran machen) mit Gott in Beziehung treten können.
Wir halten zunächst fest: Jesus ist der Überbringer & Ermöglicher unserer Verbindung zu Gott.

Wie ist das mit der Verbindung von Jesus zu uns?
Gott will, dass wir mit ihm verbunden sind. Deswegen kommt er durch Jesus selbst auf diese Erde und lässt seine Liebe an uns konkret werden. Jesus macht sich klein für uns, erniedrigt sich bis aufs Äußere. Durch seinen Tod am Kreuz zeigt Gott wie ernst er es mit uns Menschen meint. Denn in Jesus und seinem Werk wird Gottes Liebe konkret und nimmt Gestalt an! Eine Liebe, die stärker ist als der Tod.
Und nur Jesus als Zentrum macht für uns die Verbindung zu Gott möglich. Er ermöglicht Nähe zwischen uns und Gott. Doch die wichtige Frage ist doch: wie können wir diese Nähe erleben?

Der Bibeltext sagt ganz klar: Durch Gebet. Durch Gebet haben wir Anteil an der Nähe Gottes und können sie erfahren.

Vers 24: Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.

Bitten, empfangen und dann ist die Freude vollkommen.
Na klar, das klingt einfach. Wenn ich um etwas bitte, es bekomme, klar bin ich dann überglücklich und kann mich daran freuen. Aber ist das immer so?


Jesus spricht dies seinen Jüngern zu. Bei den Jüngern kann man davon ausgehen, das Gebet nicht die zentralste Rolle eingenommen hat. Denn Jesus war mitten unter ihnen, er war ihnen nahe; da ist es nicht verwunderlich, dass sie nicht ständig gebetet haben und die Nähe zu Gott gesucht haben. Denn der lebendige Gott war ja mitten unter ihnen!
Und an Freude war ja gerade gar nicht zu denken. Denn Jesus spricht ja schon wieder davon, dass er zu seinem Vater zurückkehren und seine Jünger verlassen wird.
Ich kann mir das schon gut vorstellen: Man ist mit Jesus unterwegs, live dabei, erlebt Zeichen und Wunder, hat wahrscheinlich gerade die aufregendste Zeit seines Lebens und dann sagt Jesus: Ich werde euch verlassen. Ja und jetzt? Was nun? Wie soll das Leben jetzt weitergehen? Das kann der doch nicht einfach machen! Und im gleichen Zug sagt er, dass man beten soll und dadurch die Freude vollkommen wird. Ja aber wie soll man sich denn da freuen, wenn man von Jesus selbst verlassen wird?

Die Gedanken der Jünger sind berechtigt. Und auch heute geht es uns doch auch manchmal so, oder?
Na klar, wir haben das Gebet, können uns jederzeit an Gott wenden, ihm unser Herz ausschütten und trotzdem fällt das Freuen daran manchmal schwer. Denn im Leben ist halt nicht immer alles leicht. Fakt ist doch, dass wir viele Stürme in unserem Leben erleben. Dass wir vor großen Bergen stehen und nicht wissen, ob wir es hoch schaffen. Und wenn wir dann beten, können wir nicht immer von Freude reden, sondern sind manchmal noch verzweifelter, weil sich eben NICHTS verändert.

 

Ja, nicht immer erleben wir, dass nachdem wir beten, etwas anders ist. Dass sich äußere Umstände verändern.
Aber es macht etwas mit uns. Denn durch Gebet haben wir Anteil an der Nähe Gottes. Durch das was an Ostern passiert ist; Durch Jesus, unser Verbindungsstück, können wir frei in das Gebet mit Gott eintreten und zu ihm kommen. (Und Gebet zeigt uns, dass Jesus in Hörweite ist)
Und ja, vielleicht ist es so, dass wir uns Gott nicht immer nah fühlen. Vielleicht ist es so, dass wir oft uns nicht gehört fühlen.
Aber Nähe ist uns durch Jesus zugesprochen. Und daran dürfen wir uns halten und diesen Zuspruch für uns geltend machen. Und das können wir, indem wir trotzdem beten. Auch wenn manchmal scheinbar nichts passiert. Weiter zu beten, wenn wir nicht weiter wissen. Denn Nähe ist das, was Gott uns zusagt. Er sagt zu dir: Ich bin da, ich bin dir nahe und ich verlasse dich nicht. Auch wenn du das gerade nicht fühlst – ich lass dich nicht alleine.

Vers 33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Ich habe die Welt überwunden.
Für die Jünger klingt das wahrscheinlich sehr abstrakt, sie können sich nicht genau vorstellen, was Jesus damit sagen will. Doch für uns heute sieht das anders aus. Wir wissen was an Ostern geschehen ist und was Jesus am Kreuz für uns getan hat.

 

 

Und auch uns spricht Jesus zu: Ich habe die Welt überwunden.
Was auch in unserem Leben auf uns zu kommen mag, sei es das eigene Scheitern, Schicksalsschläge oder Momente in unserem Leben, in denen wir weder Aus noch Ein wissen; wir dürfen gewiss sein, dass Jesus stärker ist.
Das darf und kann uns ein Trost sein.
In all dem Schlimmen was wir erleben, dürfen wir wissen: Jesus ist dafür am Kreuz gestorben und hat über das Böse gesiegt.
Und er ist es, der uns die Nähe zum Vater ermöglicht, der unser Verbindungsstück zu Gott ist. Durch Jesus können wir Beziehung mit Gott leben und im Gebet die Nähe Gottes erfahren.
Jesus, der Karabinerhaken, der Ermöglicher und Überbringer;
Jesus ist unsere Verbindung zum Vater, die uns hält.