Predigt zum Konfirmandenabendmahl

Predigt
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern,
liebe Gemeinde,
mein Neffe Manuel, war es mit 17 Jahren schrecklich wichtig, am Wochenende mit seinen Kumpels „Party zu machen“. Manuel hat mich nach Ostern gefragt: „Weißt Du, wer die Party geschmissen hat, über die man am längsten überhaupt redet?“ Seine Antwort auf mein „Nein“: „Jesus hat mit 12 Leuten Party gemacht – und über die Party redet man heute noch“.
Ob das erste Abendmahl „die geilste Party aller Zeiten“ war in dem Sinn, wie Jugendliche heute „Party“ machen, bezweifle ich zwar, denn da war doch sehr viel Ernst drin. Aber das stimmt schon, dass wir heute vor der Konfirmation diesen Abendmahlsgottesdienst feiern und die Christenheit auf diese Weise heute noch an einen Abend vor 2000 Jahren erinnert. Warum? Und warum sprechen wir nicht nur als Erinnerung darüber, sondern feiern heute noch und immer wieder gemeinsam Abendmahl?
Die Kirchensprache redet beim Abendmahl vom „Tisch des Herrn“. Das klingt in unseren Ohren etwas „geschraubt“, aber der Ausdruck bringt es auf den Punkt. Das wird uns klar, wenn wir vom Gegenteil her denken.
„Mit dem setz ich mich nicht mehr an einen Tisch“ – jede und jeder weiß, was dieser Satz ausdrückt. „Mit dem setz ich mich nicht mehr an einen Tisch“ heißt:
Miteinander am Tisch sitzen und essen, das tut man ja nicht mit jedem.
Für das Miteinander und Gemeinschaft in der Familie, in der Verwandtschaft, auch bei Konfirmationen ist ja neben dem Gottesdienst der Tisch das Zentrum.
Am „Tisch des Herrn“ zusammenkommen heißt, so eben auch, mit Gott das Leben teilen. Er will uns begleiten, unsere Seele stark machen, damit wir die Herausforderungen des Lebens meistern.
Und zum Leben gehören hoffentlich ganz viele schöne Zeiten, das wünschen wir Euch Konfirmanden, aber eben auch schweres gehört immer wieder dazu. Und unser Glaube gibt uns da Kraft. Ein bisschen ist die Konfirmation und das dazugehörende Abendmahl wie eine Vorsorge, eine Notfalltasche, für die AStürme des Lebens.

Ich begleite immer wieder Menschen, die – durch eine Krankheit oder durch ihr Alter oder beides – diesen Grenzen des Lebens unvermeidlich konfrontiert sind.
Am „Tisch des Herrn“ begegnen wir Gott. Wir begegnen dem Gott, der unser Leben auch dort teilt, wo es schwer wird. Eine Frau schreibt in der Erinnerung daran, dass sie ihren krebskranken jüngeren Bruder leiden sieht: Hätte Gott nicht auch selber gelitten, „ich hätte nicht mehr mit ihm sprechen können. Ich hätte vielleicht weiter höflich an ihn geglaubt. Aber ich hätte auch gedacht: ‚Komm erst einmal runter aus deinem Himmel. Leide erst mal, bevor du von uns den Glauben verlangst‘ – jetzt konnte ich das nicht mehr sagen“ (S. 231).
Im Abendmahl vergegenwärtigen wir uns die innige Gemeinschaft mit unserem Gott, die nicht zerstört werden kann, niemals.

Dass Gott uns an seinen „Tisch“ einlädt, das bedeutet dann, was eine Einladung bei uns auch bedeutet: Wir setzen uns an einen Tisch und überwinden alles Trennende. Was uns von Gott trennt, das, womit wir uns von Gott getrennt haben, das soll aufgehoben sein. „Vergebung“ ist das alte Stichwort.
Und klar ist auch: Denjenigen, die sich dann gemeinsam am Tisch des Herrn versammeln, weil sie sich einladen lassen, denen wird ein Miteinander geschenkt: Mit Gott u8nd in der Gemeinde als starke Gemeinschaft, die füreinander einzustehen versucht, so gut sie es kann.
Indem wir uns um diesen Tisch versammeln, schenken wir auch einander einen guten Umgang miteinander, manchmal auch einen neuen Anfang.
Das gilt heute auch für uns hier: Für Eltern und Kinder, die wir einander vieles schuldig bleiben im Lauf der Jahre. Es gilt für mich Pfarrer und für euch Konfis, dass wir uns gegenseitig vielleicht nicht immer das gegeben haben, was erwartet wurde oder hätte sein sollen. Am „Tisch des Herrn“ bleibt Belastendes zurück und wir schauen nach vorne und gehen mit Gott an der Seite in eine gute Zukunft.
Wir sind, alle gemeinsam, Gäste am Tisch des einen Gastgebers, der uns alle annimmt, so wie wir sind und uns beistehen möchte.

Wenn wir das Brot essen, den Traubensaft schmecken, werden wir Teil der Geschichte Gottes, und gehören zu ihm.
Näher kommt Gott uns nicht oft in dieser Welt.

Aber im Abendmahl ist er genau dort, wo wir sind, wenn wir dort sind, wohin er uns einlädt. Das macht das Abendmahl zu etwas Großem und Tiefem.
Deswegen erinnern wir uns daran: Nicht, weil es damals „die geilste Party“ war. Sondern weil die Gegenwart Gottes unserem Leben einen ganz neuen, größeren Horizont eröffnet – hell und weit.

Amen.