Predigt zu Römer 12, 9-10

Predigt zu 1. Petrus 3, 5-9

5 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem grenzenlosen Erbarmen hat er uns neues Leben geschenkt. Weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, haben wir die Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben.

6 Darüber freut ihr euch von ganzem Herzen, auch wenn ihr jetzt noch für eine kurze Zeit auf manche Proben gestellt werdet und viel erleiden müsst.

7 So wird sich euer Glaube bewähren und sich wertvoller und beständiger erweisen als pures Gold. Lob, Preis und Ehre werdet ihr dann an dem Tag empfangen, an dem Christus für alle sichtbar kommt.

8 Ihr habt ihn nie gesehen und liebt ihn doch. Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn auch jetzt nicht sehen könnt, und eure Freude ist grenzenlos,

9 denn ihr kennt das Ziel eures Glaubens: die Rettung für alle Ewigkeit.

 

Liebe Gemeinde,
Manchmal fühle ich mich wie neugeboren. Nach einer langen Nacht mit gutem Schlaf in einem guten Bett, nach erholsamen Urlaubstagen, ein wunderbares Gefühl, wenn Kräfte zurückgekehrt sind und man mit neuem Schwung an die Herausforderungen herangehen kann, die vor einem liegen.

Die Botschaft dieses Sonntages – noch ganz im österlichen Glanz – lautet eindeutig: ihr seid neugeboren, wiedergeboren. Ihr seid quasi wie neugeborene Kinder: Quasimodogeniti Man kann das historisch erklären. Die Osternacht war traditionell die Nacht, in der die Taufanwärter endlich nach langer Vorbereitungszeit mit ausführlichem Unterricht getauft wurden. Und an diesem ersten Sonntag nach Ostern, dem weißen Sonntag, dem kleinen Osterfest, legten die Frischgetauften nach einer Woche und täglichen Abendmahlsgottesdiensten ihre Taufkleider ab. Ein neues Leben als Gotteskinder hatte für sie begonnen und wurde noch einmal mit diesem Sonntag gefeiert.

Geboren und Wiedergeboren - das waren und das sind Grunddaten unseres Lebens und unseres Glaubens. Geboren zum Leben. Das wird uns heute in dieser Jahreszeit vor Augen geführt, wenn alles aufbricht zu neuem Leben. Das Leben ist etwas Wunderbares. Das darf und soll keiner klein reden. Wir Christen dürfen Großes vom Leben erwarten. Wir sind geboren zum Leben. Leben ist uns anvertraut.

Christen sind Hoffnungsmenschen. Sie stimmen nicht mit in das Klagelied ein, dass alles schlecht ist und immer nur noch schlimmer wird. Sie sind von Natur aus nicht defizitorientiert und voller Weltschmerz, sondern sind auf Hoffnung ausgerichtet, dass Großes vor ihnen liegt und das Gott Großes verheißt. Wir vergessen das nur manchmal.

Der 1.Petrusbrief nimmt einfach nur ernst, was Ostern erzählt: das alle lebensfeindlichen Kräfte seit dem Ostermorgen ausgespielt haben. Nicht dass es uns jetzt alle Tage gut geht. Das will und wird keiner von sich sagen. Und das kann und will Gott uns nicht versprechen. Uns allen nicht. Aber: böse Erfahrungen werden nicht die Oberhand gewinnen. Und sie werden nicht das letzte Wort haben. Denn das letzte Wort, das hat Gott am Ostermorgen längst gesprochen und es heißt: „Leben“. Uns allen gilt, was Gott spricht: „Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Wir sind Gotteskinder. Traurigkeiten und Anfechtungen, so der Apostel, werden uns womöglich prüfen und hoffentlich werden wir an ihnen wachsen und zwar im Glauben und für das Leben. Aber sie werden uns nicht unserer Hoffnung berauben. Alles wird ein gutes Ende nehmen hier und dort, weil Gott am Ende alles in allem sein wird. Mancher und manche werden kämpfen müssen. Da wird Zweifel an dieser Botschaft gelegentlich nicht ausbleiben können. Glaube und Zweifel sind Zwillingsgeschwister. Das heißt, dass manchmal der Glaube die Gestalt des Zweifels annehmen wird. Aber am Ende wartet Großartiges. Gott wartet auf uns, der die Quelle des Lebens ist. Bei ihm werden wir immer wieder neugeboren.

Christenmenschen sind deshalb von Natur aus, fröhliche Menschen, weil Gott sie durch dieses Leben trägt. Sie müssen nicht bei Leid und Not, die sie sehen oder die sie betrifft, die Lebensfreude über Bord werfen. Freude ist eine tiefe innere Grundstimmung, die aus der Gewissheit kommt, von Gott getragen und in seiner Hand geborgen zu sein. Freude muss und kann ich nicht erzwingen oder erkaufen. Freude ist mehr als Spaß oder Lust.

Klar, das heißt nicht, dass alles leicht würde für uns Christen. Das wäre auch viel zu oberflächlich. Neben Zeiten der Freude wird es auch Zeiten der Klage geben, aber das ändert am Grundlegenden nichts. Ganz im Gegenteil: tiefe Freude am Leben schärft den Blick für das, was dem Mitchristen, den Nachbarn oder anderen Weggefährten gut tut oder an Gutem fehlt. Sie nimmt die Trauer ebenso wahr wie den ungestillten Lebenshunger. Sie antwortet auf die Verzweiflung ebenso wie auf die Orientierungslosigkeit, mit der manche im Leben unterwegs sind. Die Freude und die Hoffnung macht sich fest im Glauben an Jesus Christus. Denn mit ihm können wir einen Blick tief hinein in das Herz Gottes werfen. Und da ist er ganz nah bei uns Menschen, egal wo sie gerade in ihrem Leben stehen. Er ist bei denen, die oben schwimmen, auch wenn sie meinen die alleinigen Macher ihres Glücks zu sein. Er will ihnen die Augen und Herzen dafür öffnen, dass letzten Endes alles vor allem sein Geschenk ist. Er ist aber auch bei denen, die ganz unten angekommen sind und möchte ihnen Begleiter, Helfer und Tröster an die Seite stellen, Herzen und Hände füreinander öffnen. Er ist bei den Kranken, den Sterbenden und den Trauernden, mit denen er ein Stück mitgehen und zuhören will. Er hat ein tröstendes Wort. Er ist bei den Lachenden, weil er ein Freund des Lebens ist. Er ist bei den Schuldigen und will Mut machen aus den Verstrickungen herauszukommen, weil bei ihm Vergebung ist. So jedenfalls hat Jesus gelebt und zu solchem Glauben sind wir wiedergeboren und eingeladen. Wir sind wiedergeboren mit einem großen Ziel: ein unvergängliches Erbe im Himmel. Ja, Christenmenschen sind Himmelsmenschen.

Sie stehen mit beiden Beinen im Leben und in dieser großartigen Schöpfung auf der Erde und vertrauen darauf, dass sie am Ende Heimatrecht im Himmel, in Gottes Wirklichkeit und in seinem Licht haben werden. Da wird unser Leben ankommen und aufgehoben sein. Da wird unser Schmerz geheilt, unsere Trauer getröstet und alle Furcht von uns genommen werden. Da wird alle Sehnsucht gestillt und alle Erwartung übertroffen werden. Dazu sind wir wiedergeboren. Dazu sind wir berufen: Hoffnungsmenschen, fröhliche Menschen, Himmelsmenschen zu sein - wie die neugeborenen Kinder. Nicht mehr und nicht weniger haben wir heute zu feiern.

5 Weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, haben wir die Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben.
6 Darüber freut ihr euch von ganzem Herzen, auch wenn ihr jetzt noch für eine kurze Zeit auf manche Proben gestellt werdet und viel erleiden müsst.
7 So wird sich euer Glaube bewähren und sich wertvoller und beständiger erweisen als pures Gold.
Amen