Predigt zu 1. Könige 8, 22-24.26-30

22 Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel 23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. 26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.
27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörest das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.


Liebe Gemeinde!
Wenn wir heute feiern, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wurde, heißt das dann, dass Jesus Christus hinter seinen Namen ein „i. R.“ bekommen hat. Ist er jetzt weg, im Ruhestand?
Nein, das wohl nicht – im Gegenteil: „i. R.“ heißt bei ihm „in Reichweite“ oder „in Rufweite“.
Jesus Christus befindet sich seit seiner Himmelfahrt nicht im Ruhestand. Vielmehr ist er seitdem durch seinen Geist für alle Menschen erreichbar, anrufbar und überall gegenwärtig. Als Herr und König hat er alle Macht und alle Mittel der Welt zu seiner eigenen Verfügung.

Jesus Christus kam in die Welt. Oft sprach er von seiner Herkunft. Er sprach von Gott als seinem himmlischen Vater. Er sprach vom Leben und für das Leben. Er lebte selbst mit Menschen, erlebte ihre Freuden und Nöte. Dann starb er am Kreuz und hat die Welt mit seinem Vater versöhnt. Himmel und Erde sind seitdem wieder untrennbar verbunden. Er hat sogar den Tod besiegt und damit das Leben zum Leuchten gebracht, das ewig ist. Und nun kehrt er zurück zu seinem Vater im Himmel. Ja, er wird wiederkommen, um die Schöpfung zur Vollendung zu bringen und um dafür zu sorgen, dass das Leben sich durchsetzt, weil Gott das will.

Aber was tut Jesus Christus eigentlich in der Zwischenzeit? Wenn Jesus nun weg wäre, unerreichbar, dann wäre es völlig egal wie wir leben. Dann allerdings müsste man dieses Fest schleunigst aus dem Kalender streichen. Dann wäre dieses Fest für uns bedeutungslos und man tut gut daran, es endlich zum sogenannten „Vatertag“ zu erklären, wie es schon die meisten Menschen getan haben.
Aber wir wissen, es ist anders! Christus ist „in Reichweite“! Und der Vatertag, das ist für Christen das, dass der Vater seinen Sohn  zu sich holt, wie er es einmal mit uns allen tun wird, denn er hat uns zu seinen Kinder erklärt. Was er in dieser Zwischenzeit tut, das erfahren wir durch unseren Bibelabschnitt aus dem Buch der Könige auf ganz neue Weise.

Salomo baute Gott ein Haus. Denn Gott sollte erreichbar werden mitten unter den Menschen. Nicht weil Gott das brauchen würde, sondern die Menschen, die brauchen so einen Ort. Gott sollte da sein, ihn sollte man hier feiern zu bestimmten Zeiten. Deshalb wurde in sieben Jahren Bauzeit dieses prächtige Bauwerk errichtet. Der Tag der Einweihung des Tempels kam. In einem gewaltigen Festakt hatte man die Bundeslade in das Allerheiligste hineingetragen. Nun trat König Salomo vor den großen Brandopferaltar im Vorhof des Tempels, um Gott diese heilige Stätte zu weihen ihn um seine Gegenwart zu bitten.
An einer Stelle sagt er: „Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dieses Haus tun, das ich gebaut habe?“
An Himmelfahrt wissen wir Christen, wie Gott für uns erreichbar geworden ist. Jesus hat Gott in unsere Nähe gebracht. Immer umgibt er uns.

An Himmelfahrt feiern wir den Regierungsantritt des Königs Jesus. Im Himmel hat er bereits den Thron bestiegen. Er regiert. Sein Reich hat im Himmel und in den Herzen vieler Menschen schon begonnen. Es wird sich einmal durchsetzen.
Eine wesentliche Bitte aus dem gebet Salomos, ist die Bitte um Verbindung zwischen Gott und Mensch
Diese Bitte wurde durch die Himmelfahrt Jesu Christi eingelöst. Zwischen dem Heiligen und uns Menschen gibt es von Natur aus keine Verbindung, das sagt uns die Schrift. Doch Jesus Christus hat eine Verbindung geschaffen, die stärker ist als alles. Die Liebe Gottes wird nicht einmal der Tod auflösen. Wir gehören untrennbar zu ihm, wenn wir uns ihm nur anvertrauen. Wer bekennen kann: Jesus Christus ist mein Herr, der ist untrennbar verbunden mit dem Himmel.

Salomo hat in seinem Tempelgebet um Verbindung zwischen Gott und Menschen gebetet. Durch Jesu Himmelfahrt wurde diese Bitte erfüllt. Die ununterbrochene Aufgabe von Christus im Himmel ist es, Fürsprecher zu sein für die, die an ihn glauben. Er stellt die Verbindung von uns zu Gott her.

Salomo betet in seinem Tempelgebet auch: „Herr, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David zugesagt hast.“ Gott hat sehr viele Verheißungen ausgesprochen. Wenn man sie zählt, stellt man fest, dass es mehr sind, als Tage im Jahr. Jesus zeigt uns, dass der Vater zu seinen Verheißungen steht. Versprochen, und das wird nicht gebrochen! Die wichtigste Verheißung an die Menschen ist doch diese, dass Gott mit uns Menschen Frieden macht. Durch Jesus wurde das erfüllt. In der Himmelfahrt wird die Trennung zwischen Gott und seinem Sohn überwunden und sie zeigt uns, dass das auch für uns einmal gelten wird. Wir dürfen uns auf diese Verheißungen verlassen. Ich bin immer bei dir. Bis ans Ende der Welt. Ich trage dich, ich stärke dich, ich helfe dir. Das gilt, verlass dich drauf.

„Wende dich aber zum Gebet deines Knechtes und zu seinem Flehen…“ Wir wissen ja oft nicht, was wir beten sollen, weil unser Horizont zu beschränkt ist. Was richtig und gut für uns ist, das können wir nicht wirklich beurteilen. Jesus nimmt unserer Anliegen auf, der Heilige Geist übersetzt sie, transformiert unsere Wünsche und macht daraus Gutes und bringt sie vor Gott. Durch ihn haben wir Zugang zum Allmächtigen, wir haben einen Freund im Himmel, wir haben eine Lobby im Himmel, wir haben einen Abgeordneten, der uns vertritt. Ja, sogar noch besser, wir haben den Sohn vom Chef zum Freund und Herrn.

Christus ist nicht weg, sondern genau das Gegenteil feiern wir an Himmelfahrt. Seit Christi Himmelfahrt sind die Grenzen verschoben. Der Himmel ist weit geöffnet. Weiter als wir uns das vorstellen können. Seine Einladung gilt allen.

Wenn Salomo betete: „Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen“, so gilt jetzt: Seit Jesu Himmelfahrt kann Gott auf der Erde wohnen und der Himmel in unserer Mitte. Er ist so groß und gewaltig, dass ihn die Himmel nicht fassen können. Aber durch Jesus kommt er so nah, wird er so fassbar und klein, dass er eines Menschen Herz zu seinem Wohnort und Tempel machen kann. „Der Tempel Gottes, das seid ihr“ (1. Kor. 3,17), sagt Paulus.
Also: wo wohnt Gott? In uns! Bei uns! Mit uns!

Ein kleiner Junge ging zu einem Rabbi und fragte ihn spitzbübisch: "Ich gebe dir 100 Schekel, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt." Und der Rabbi antwortete ihm: "Und ich gebe dir 200, wenn du mir sagst, wo er nicht wohnt."

Himmelfahrt, das bedeutet Christus ist in uns, bei uns und mit uns. In ihm kommt Gott uns ganz nahe.

Ein Rabbi war zu Gast bei gelehrten Männern und überraschte sie mit der Frage: "Wo wohnt Gott?" Sie lachten über ihn: "Was redest du? Die Welt ist doch voll von seiner Herrlichkeit!" Und der Rabbi beantwortete seine Frage selber: "Gott wohnt, wo man ihn einlässt." Amen.