Predigt zu Lukas 14, 16-24 Einladung zum Fest

Gemeinsam miteinander an einem Tisch sitzen, gemeinsam eine Mahlzeit genießen, das, liebe Gemeinde, drückt Verbundenheit und Gemeinschaft aus. Und die Antwort auf die Frage „Wer isst wann und mit wem?“ kann uns einiges über einen Menschen erzählen. Jesus Christus hat oft gemeinsam mit Menschen gegessen, denen andere die Tischgemeinschaft verweigert hatten. Er pflegte Tischgemeinschaft nicht nur mit seinen Freundinnen und Freunden. Er aß auch mit Unreinen, mit Fremden, mit Huren und mit Zöllnern. Schon diese praktizierte und vorbehaltlose, aber nicht folgenlose, Mahlgemeinschaft Jesu mit ganz unterschiedlichen Menschen können wir als eindrückliches Reich-Gottes-Gleichnis verstehen und deuten. Darüber hinaus aber entwirft Jesus in seinen Gleichnissen auch das Bild einer himmlischen Mahlgemeinschaft: Das Reich Gottes ist wie ein großes Gastmahl, zu dem der König aller Könige die ganze Familie einlädt, danach auch alle Menschen. Ein solches Gleichnis ist der Predigttext für diesen Gottesdienst.
15 Da aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! 18 Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.
Keine „leichte Kost“, liebe Gemeinde,
dieses Gleichnis vom königlichen Gastmahl, das uns hier von Jesus „vorgesetzt“ wird. Jesus erzählt uns in diesem Gleichnis von der einladenden Liebe Gottes, die allen Menschen gilt und von dem Himmel, der allen Menschen schon auf Erden offen steht. Aber er verdeutlich:
1. Die Liebe, die Gott den Menschen zuwendet, verlangt nach einer zustimmenden und tätigen Antwort.
2. Das Reich Gottes steht allen Menschen offen. Aber dazu gehört unverzichtbar, dass unser Denken, Fühlen und Entscheiden durch Gottes Liebe geprägt wird.
Die Liebe, die Gott den Menschen zuwendet, soll nicht ins Leere laufen.
Was für ein Bild vom Himmel: Ein Festessen. Wie bei einer Hochzeit, bei der die Liebe gefeiert wird - Ein schönes Bild für das, was Gott mit uns Menschen vorhat! Er will uns nämlich in seine Liebe einschließen. Wie ein freigiebiger und offenherziger König lädt Gott äußerst großzügig zu diesem Mahl ein. Doch die Eingeladenen ignorieren die Einladung. Sie haben „Wichtigeres“ vor. Jedes Kind würde jetzt merken, dass es nichts Wichtigeres als Gott gibt. Gott will ihnen ein Fest schenken, aber sie halten lieber unverbindlichen Abstand. Ich vermute, auch uns geht das manchmal so, weil wir ahnen, wenn wir uns darauf einlassen, müssten wir uns ändern und unser Leben auch.
Die eingeladenen Menschen in der Geschichte reagieren mit Ausreden und sogar mit Gewalt. Ein weiteres Mal lädt deshalb der König Menschen zum himmlischen Hochzeitsmahl ein: „Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet nun zur Hochzeit ein, wen ihr findet.“ Alle sind jetzt eingeladen, ohne Ansehen der Person - zum Fest seiner Liebe. Gott sortiert nicht vorher aus, wer von den Menschen es „wert“ sein könnte, seine Einladung zu erhalten. Ohne eigene Vorleistung, ohne dass wir selbst „Verdienst und Würdigkeit“ zu beweisen hätten, kommt Gott uns mit seiner Liebe und seiner Einladung entgegen.
Gott erwartet aber auch, dass wir diese Einladung annehmen. Dass wir unsere Herzen – nach biblischem Verständnis das Zentrum unseres Denkens, Fühlens und Entscheidens –öffnen.
Dann entdecken wir das Reich Gottes mitten in unserer Welt. Dann feiern wir Gottes Liebe - mitten in unserem Leben und folgen dem Weg, den Jesus uns vorausgegangen ist. Dazu gehören grundlegend Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Frieden.
Das Reich Gottes steht allen Menschen offen. Dazu gehört es unbedingt, dass wir unser Denken, Fühlen und Entscheiden durch Gottes Liebe prägen lassen. Dazu gehört dann auch, dass wir seine Gemeinde hoch schätzen. Denn die Gemeinschaft, die Gott da an seinem Tisch versammelt, dort haben wir unsere Aufgaben. Wir sollen einander beistehen, annehmen, wertschätzen – und natürlich sollen die anderen auch so mit uns umgehen.
An Gottes Vorbild können wir lernen. So wie Jesus es gemacht hat, als er eingeladen hat, mit ihm zu kommen, mit ihm zu essen und mit ihm das Leben zu meistern.
In Jesus Christus hat Gott alle Menschen zum Fest seiner Liebe eingeladen und allen Menschen sein Himmelreich verheißen. Wir sind dabei nicht mehr Gäste und Fremde, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen…“ (Epheser 2, 17 – 19 )
Die Hochzeitstafel ist gedeckt. Alle sind eingeladen die Liebe und Gnade Gottes zu feiern – „Böse und Gute“- und die dazwischen! Menschen müssen nicht „gut-sein“, bevor Gott sie einlädt. Aber zu unserer zustimmenden und tätigen Antwort auf Gottes Einladung gehört es, dass wir uns von Gott verändern lassen. Dass wir der Liebe Gottes in unserem Denken, Fühlen und Handel Raum geben: dass wir uns von Gott zurechtlieben lassen, das wird uns verändern.
Hartes wird im Licht Gottes weich.
Kaltes wird im Licht Gottes warm.
Dunkles wird im Licht Gottes hell.
Das gilt für die vielen kleinen Gegebenheiten unseres Lebens, das gilt aber auch für die großen Fragen der Politik – wenn Menschen versöhnt, das heißt in Gerechtigkeit und Frieden zusammenleben wollen. Die Versöhnung mit Gott in Christus feiern wir in jedem Gottesdienst und heute auch im Heiligen Abendmahl. Ein kleines Vorfest der großen Feier der Liebe Gottes, auf die wir noch warten. Eine Vorerfahrung auf das, was noch kommen wird, können wir also auch heute machen. Amen