Predigt Jesaja 51, 4-6

 
4 Merkt auf mich ihr Völker und ihr Menschen. hört mir zu! Denn Weisung wird von mir ausgehen und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. 5 Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor und meine Arme werden die Völker richten. Die lnseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. 6 Hebt eure Augen auf gen Himmel ….. mein Heil bleibt ewiglich und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.

Liebe Gemeinde,
wie bewerten Sie das vergangenen Jahr? Das wird verschieden sein, je nachdem was gewesen ist. Manche werden sagen: „Was, schon wieder ein Jahr vorbei.“  Andere werden denken: „Ein Glück, dass dieses Jahr vorüber ist.“ Natürlich kommt es darauf an, was wir im heute Abend endenden Jahr erlebt haben. Dementsprechend werden wir 2018 als ein Jahr empfinden, dessen Tage schnell oder langsam vergangen sind.

Jeder von uns hat sein persönliches Jahr 2018 erlebt. Mit all seinen Erlebnissen, Begegnungen und besonderen Ereignissen, die wir erinnern. Es ist interessant zu überlegen, welche Bilder des zu Ende gehenden Jahres 2018 in unserem Gedächtnis haften geblieben sind! Natürlich werden wir nicht den ganzen Film des Jahres vor unserem geistigen Auge ablaufen sehen. Nur besondere Momente bleiben uns in Erinnerung.

In der Regel sind es Ereignisse, die besonders emotional für uns gewesen sind. Diese gravieren sich tief in unser Gedächtnis ein: Ein runder Geburtstag, den wir in der Familie gefeiert haben. Ein überraschendes Glück, das uns widerfahren ist. Ein Problem, das unsere Gedanken länger gefangen hielt. Eine Erkrankung, die uns erschüttert und mitgenommen hat. Ein Abschied. Eine ungeahnte Wendung in unserem Leben.

Bedrohliche Dinge, die vor uns liegen oder belastende Ereignisse, in denen wir mittendrin stecken, sehen wir übergroß. Daneben wird alles Positive ganz klein. Diese übergroße Aufmerksamkeit ist so eine Art Schutzfunktion. Liegen Bedrohung und Belastung aber hinter uns und rücken in weite Ferne, schrumpfen sie zunehmend. In unserer Erinnerung erscheinen sie dann schöngefärbt und harmloser als sie damals für uns waren.

So gibt es für das zu Ende gehende Jahr kein Pauschalurteil. Wer genauer hinschaut, wird am Ende nicht sagen: Es war gut, es war schlecht. Es mag beides gegeben haben. Das Erfreuliche und das Schwierige. Aber letzten Endes kommt es auf jeden selbst an, wie er die Ereignisse gewichtet. Unsere Bewertung ist das Entscheidende. Wer einen positiven Blick hat, wird auch den negativen Dingen etwas Gutes abgewinnen können.

Eine Nachricht hat mich 2018 aufhorchen lassen. Eine Britin ist auf einem Kreuzfahrtschiff über Bord gegangen. Zehn Stunden lang trieb sie im Wasser der Adria. Die 46-Jährige wurde 95 km vor der kroatischen Küste gefunden und gerettet. Wie war das möglich: Glück, ja. Psychische Stärke, unbedingt. Überlebenswille, auf jeden Fall. Gute Gedanken: unerlässlich. Hoffnung auf Rettung: mit Sicherheit. All dies wünschen wir uns für 2019.

Wer das gesellschaftliche und politische Leben in den letzten Monaten ein wenig verfolgt hat, wird vielleicht ein ungutes Gefühl gewonnen haben. Der nationale Egoismus ist in Europa gewachsen. Der Ton gegenüber anderen und Andersdenkenden ist rauer geworden. Ängste werden geschürt. Feindbilder aufgebaut. Flüchtlinge als Schuldige ausgemacht. Kooperation, die uns weiterbringen würde, wird verweigert.

Dabei wissen wir alle, dass Kooperation genau das ist, was wir brauchen, um voran zu kommen. Zusammenarbeit brauchen wir, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. Gemeinsame Anstrengungen sind nötig, um das Plastikproblem in den Griff zu bekommen. Das Miteinander in Medizin und Technik ist wesentlich für unseren Fortbestand auf Erden. Flüchtlingsprobleme sind weltweit nur im friedlichen Zusammenspiel zu lösen.

Das alles gelingt uns nicht, wenn Angst geschürt wird. Angst raubt uns die Vernunft. Angst macht kopflos. Angst treibt in die Hände von Despoten und Tyrannen. Und Angst hetzt gegeneinander auf. Nicht zuerst Hass tut das, wie man denken könnte, sondern vor allem Angst macht gegenüber anderen Menschen gewaltbereit. Darum ist Angst immer ein schlechter Ratgeber und taugt nicht, die Welt zu retten.

Wir brauchen einen klaren Kopf, um die Probleme, die wir auf dieser Welt zur Genüge haben, angehen zu können. Nur mit Verstand und Augenmaß, mit Ruhe und Weitsicht werden wir sinnvolle Kompromisse herbeiführen, tragfähige Lösungen ermöglichen, gangbare Wege eröffnen. Wir alle können dazu beitragen, indem wir besonnen bleiben. Indem wir einander mit Respekt begegnen. Indem wir uns tolerant verhalten.

Um miteinander auszukommen, um zusammenzuarbeiten, um gegenseitig voneinander zu lernen, ist Vertrauen notwendig. Das ist auf der Weltbühne wie im Privaten grundlegend. Einer Partnerschaft gelingt nur im gegenseitigen Vertrauen. Kinder brauchen das Vertrauen ihrer Eltern. Ein Patient muss seinem Arzt vertrauen können. Wo mir vertraut wird, kann ich über mich hinauswachsen. Vertrauen ermöglicht Miteinander.

Eines müssen wir immer wieder feststellen: Es bleibt nicht alles so, wie es ist oder war. Weil sich ständig irgendetwas verändert, müssen wir uns auf Veränderungen einlassen. Aber das fällt uns schwer. Viel lieber hängen wir am Alten, viel lieber wollen wir, dass die guten alten Zeiten bleiben. Doch die neuen Zeiten verlangen neue Handlungsmuster von uns. Die Brücke vom Alten zum Neuen, über alle Untiefen und Ängste hinweg, ist unser Vertrauen. 

Was gibt uns Hoffnung für das kommende Jahr? „Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen.“ Auf Gott vertrauen, ist ein gangbarer Weg. Klar, das ist deshalb kein leichterer Weg, aber einer der trägt! Denn auf Gott vertrauen, schließt das Risiko nicht aus. Aber mit diesem Vertrauen gewinne ich Mut und vertreibe die Angst.

Mir fiel das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten ein. Die Geschichte von Hahn und Katze, von Hund und Esel. Ich musste als Erstklässler einmal diese vier Tiere übereinander malen und bin fast daran verzweifelt. Die Vier sollen eigentlich von ihren Besitzern getötet werden, weil sie nutzlos geworden sind. Doch die Vier entkommen und machen sich auf den Weg nach Bremen, um dort als Stadtmusikanten aufzutreten.

Auf ihrem Weg dorthin übernachten sie im Wald. Sie entdecken dort ein Räuberhaus, erschrecken die Räuber, vertreiben sie mit lautem „Gesang“ und übernehmen das Haus als Nachtlager. Ein Räuber, der später in der Nacht erkundet, ob das Haus wieder betreten werden kann, wird von den Tieren nochmals und damit endgültig verjagt. Den Bremer Stadtmusikanten gefällt das Haus so gut, dass sie dort bleiben.

„Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, sprach der Esel zum Hahn. Plötzlich öffnen sich ganz neue Perspektiven. Mit dieser Einstellung können die Ängstlichen einen Aufbruch wagen. In diesem Gedanken können die Räuber, oder sagen wir, unsere inneren Ängste, die uns die Lebensfreude rauben, vertrieben werden. Mit dieser Haltung erleben wir Befreiung aus unserer Lähmung und geraten wieder in Bewegung.

Noch einmal gesagt: Es kommt nicht auf die Ereignisse an, ob sie gut oder schwierig sind. Es kommt immer darauf an, wie wir sie bewerten. Wir haben die innere Freiheit, auch in schwierigen Lebensphasen „das Bessere“ zu sehen. Wir haben die innere Freiheit, unsere Ängste in Vertrauen zu wandeln. Wir haben die innere Freiheit, aufzubrechen aus Lähmung und etwas in uns und um uns herum zu bewegen.

„Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde!“ Bei aller Vergänglichkeit wird Gottes Heil und Gerechtigkeit ewig bleiben. Das ist unsere feste Hoffnung in aller Ungewissheit. Wir können gen Himmel schauen und das Wunderbare sehen. Wir können die Erde betrachten und das Mögliche tun. In dieser Hoffnung gehen wir im Vertrauen auf Gott Schritt für Schritt in das neue Jahr hinein. 4 Merkt auf mich ihr Völker und ihr Menschen. hört mir zu! Denn Weisung wird von mir ausgehen. und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. 5 Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor und meine Arme werden die Völker richten. Die lnseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. 6 Hebt eure Augen auf gen Himmel ….. mein Heil bleibt ewiglich und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.

Amen.