Predigt zu 1. Johannes 4, 9

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Liebe weihnachtliche Gemeinde,
Liebesgeschichten bewegen Menschen. Das sehen wir in Filmen. Manchmal rühren sie uns an.
Dass es sich bei der Weihnachtsgeschichte um eine Liebesgeschichte handelt, ist unbestreitbar – nicht nur, weil da eine Frau und ein Mann zu einer Familie werden – nein, es geschieht ein Liebesabenteuer, weil Gott sich nach uns Menschen sehnt.  So fasst ein Bibelvers die Weihnachtsgeschichte im 1. Johannesbrief zusammen:

Darin ist erschienen die Liebe Gottes, dass Gott seinen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn gerettet werden. 1. Johannes 4, 9

Damals an Weihnachten begann Gottes Liebeserklärung Hand und Fuß zu bekommen, als Jesus geboren wurde. In einem kleinen Land unter einfachen Leuten. Hier begann das große Werben Gottes um uns Menschen. Was so ganz im Verborgenen geschah, ist nicht im Verborgenen geblieben – sichtbar für alle Welt feiern Menschen auf dem ganzen Erdkreis das Christfest.

In diesem Jahr anders als sonst, aber doch bleibt das ewig gültig: Gott erklärt uns seine Zuwendung.
Über jedem Weihnachtsgottesdienst schwebt eine leise Sehnsucht, weil auch wir heute Gottes Besuch spüren möchten– an liebsten ganz nah und warm. In dieser schrecklichen Zeit wäre das besonders wohltuend. Unser Gott ist eben nicht distanziert, sondern will uns ganz in seine Arme schließen, wie ein guter Vater das eben tut, wenn nicht die Umstände das verbieten. Etwas von dem Lichtstrahl der Heiligen Nacht wollen auch wir empfangen. Gleichzeitig schwebt für manche über diesem Fest in diesem Jahr mehr Einsamkeit, Verlorenheit und wir denken, der festliche Glanz findet diesmal ohne uns statt. Aber das stimmt nicht.
Wo die Liebe Gottes gefeiert wird, da sollen alle spüren, dass uns in dem Gotteskind ein Lichtstrahl des Himmels treffen will!

Ja, es soll, es darf jeder spüren. Wir sollen mit Leib und Seele Gottes Freundlichkeit empfangen.
Wir meinen vielleicht, wir könnten ja gerade in diesem Jahr nichts so tun, als sei diese Welt in Ordnung. Ja, manche Bilder in diesem Jahr würden wir gerne vergessen. Können wir da Weihnachten feiern als gäbe es das alles nicht? Heute feiern wir die Freude und gleichzeitig ist die Welt natürlich trotzdem nicht in Ordnung. Ach, wie gut Gott uns versteht.

Verstehen Sie – gerade deshalb lässt er sich auf das Abenteuer von Bethlehem ein – weil er die Welt kennt wie sie ist, weil er die Menschen kennt, wie sie sind. Deshalb kommt er – so wenig göttlich, in einer Grotte zur Welt mit einem davor hingebauten Häuschen in dem die Menschen und Tiere gemeinsam gelebt haben. Dort wo Armut herrscht und Einfachheit, wo es traurige Zustände gegeben hat, weil Maria schwanger war als Unverheiratete zum Beispiel– wo Tod und Leben so dicht beieinander liegen. Hier beginnt sein Rettungshandeln, sein Liebesabenteuer und so ähnlich wird es auch weitergehen bis zuletzt.

In der Krippe, im Futtertrog beginnt es – dieses großartigste Liebesabenteuer, das die Welt je gesehen hat und am Kreuz endet es –  zumindest fast – denn selbst in den tiefsten Tiefen des Lebens und Sterbens bleibt Gott ja da und sagt uns Trost zu und Heil und Leben, das bleibt in Ewigkeit.
Auch in dem Kummer und der Sorge dieser Weihnacht, auch in den Tränen, die heute geweint werden, in dem Sehnen, das anscheinend keine Antwort findet, ist er doch da. Er ist mit uns, immer!

Wir wissen, dass unsere romantische Vorstellung nicht stimmt. Hart war es im Futtertrog und nicht idyllisch. Füchse haben ihre Gruben und Vögel ihre Nester, aber ich habe keinen Platz, wo ich mein Haupt hinlegen könnte, sagte Jesus über seine irdische Existenz.

Seit der Nacht von Bethlehem ist unsere Einsamkeit aber für immer vorüber, denn von nun an gilt: niemandem ist Gott fern. Wie die Strahlen der Sonne überall hin dringen, so ist Gottes Nähe.
Uns begegnet die Liebe Gottes, auch in den Stunden der Einsamkeit, auch in der Trauer und im Schmerz.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes, dass Gott seinen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn gerettet werden.
Gott macht uns in seinem Sohn das größte Geschenk – er zeigt uns mit ihm seine Nähe an. Ja in diesem Kind kommt Gott zu mir und will sich untrennbar mit mir verbinden.

Natürlich freut er sich darauf, dass wir seine Liebeserklärung erwidern. Es wäre keine Liebe, wenn sie nicht zur Gegenliebe führen wollte. Unsere Geschenke zu Weihnachten zeigen das. Es stimmt einfach nicht, dass wir sie nur verschenken, weil das üblich ist. In unseren Geschenken sehe ich etwas anders: wir versichern uns damit, einander wertvoll zu sein und das ist ein Abglanz von Gottes Zeichen uns Menschen gegenüber. Er sagt zu mir: du bist für mich wertvoll. Deshalb schenkt er uns seinen Sohn.

So brauchen die Sehnsucht und die Hoffnung auch morgen nicht wieder in der Weihnachtskiste verschwinden, um erst im kommenden Jahr wieder das Licht der Welt zu erblicken. Wir könnten die Aufgeschlossenheit vom Heiligen Abend in den Alltag retten – Gott jedenfalls macht uns heute Abend diese dauernde Liebeserklärung? Seine Liebe ist nicht verborgen geblieben und er hat Hoffnung, Glaube und Liebe als Wegzehrung für uns Menschen in dieser Welt zurückgelassen. Er macht uns Mut, uns nun auch selbst auf die Liebe einzulassen – auf den stärksten Widerstand gegen das Böse in der Welt.

So sollten wir uns auf einiges gefasst machen. denn Gottes Liebesabenteuer mit uns endet nicht.

Denn er ist der Immanuel, der Gott-mit-uns. Amen.