Predigt zu Johannes 15, 5+8

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In der Schriftlesung wurde uns heute nahegebracht, dass Gott der Urheber des Lebens ist. Dass wir mit dem Leben verbunden bleiben, wenn wir an Jesus bleiben, darum geht es im Predigttext auch.
Aus Johannes 15:
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“ (Johannes 15, 5+8)
Jesus sagt uns im heutigen Bibelwort, dass wir angeschlossen sind an das Leben,
im Bild von den Reben und dem Weinstock. Wir bringen Frucht, nicht weil wir uns besonders bemühen, sondern weil wir zum Weinstock gehören und der lässt uns alles zuströmen, was wir benötigen.
Dazu müssen wir zunächst gar nicht so viel tun.
Jesus sagt, dass dazu nur nötig ist, in ihm zu bleiben.
In ihm bleiben, das bedeutet für mich, verbunden zu bleiben. Als Christen leben wir mit ihm zusammen in der Gemeinschaft der Gemeinde.
Hoffentlich dürfen wir uns bald wieder hier oder im Gemeindehaus treffen.
Für mich würde im Gottesdienst schon etwas Wesentliches fehlen, wenn wir nicht singen dürfen oder einen Psalm beten. Denn christliche Gemeinde und der Gottesdienst leben von der Interaktion.
Zuschauerinnen und Zuschauer haben wir beim Onlinegottesdienst auch
 – aber miteinander feiern, da geschieht ganz vieles hinüber und herüber.
Die einen strahlen und stecken mich an.
Die anderen sind ergriffen und das ergreift auch mich. Manche sind traurig und ich wende mich ihnen zu, wenn ich emotional dazu gerade in der Lage bin.
Wenn Kinder den Gottesdienst bereichern
geht vielen das Herz auf. Und wir feiern hier ja auch häufiger Familiengottesdienste.
Heute wäre die erste Konfirmation gewesen.
Auch da steht das Sich-Nahe-Sein im Mittelpunkt. Wenn die Jugendlichen gesegnet werden oder mit eigenen Worten ausdrücken, was der Glaube ihnen im Moment bedeutet.
Glaube ist Interaktion.
Noch ganz viele Beispiel dafür würden mir einfallen.
Glaube ist Interaktion, das gilt auch für unser Verhältnis zu Gott. Jesus zeigt das im Bild vom Weinstock und den Reben.
Dass Jesus so von sich spricht, so einprägsam und doch geheimnisvoll, das finden wir nur bei Johannes.
Es geht um Verbindungen und um Verbundenheit. Gott und wir Menschen gehören zusammen, das sagt dieses Bild. Um das Große und Ganze geht es da, und um das gemeinsame Ziel.
Der Weinstock wird dafür gehegt und gepflegt, dass er Frucht bringen kann.
Der Winzer geht regelmäßig hin und sieht nach. Er legt Hand an, kümmert sich.
Der Weinbau ist eine Wissenschaft für sich,
Rebsorte und Lage, Bodenqualität und Mikroklima – und jedes Gewächs hat einen eigenen Charakter. Mich hat es schon beeindruckt, wenn die Weinbauern von ihren Reben ein bisschen wie von ihren Kindern reden.
Da geht es um Rebenerziehung und um die Ansprüche, die jeder einzelne stellt.
Um den Raum, den sie für ihr Wachstum brauchen, und um die nötige Unterstützung. Schließlich auch darum, wann und wie man die freien Triebe zurückschneiden muss, damit das Gewächs sich gut entwickeln kann.
„Mach Platz, denn du nimmst sonst den anderen Licht,“
heißt es dann. Oder: „Du musst erst noch wachsen, bis du kräftiger bist.“
Zusammenhalt, Erziehung und Wachstum –
darauf kommt es an, in der Glaubensfamilie und in der Menschheit.
Und ich versuche, diese Worte zu verstehen in einer Zeit, in der es genau darauf ankommt: auf den Gemeinschaftssinn.
Die letzten Wochen waren hart: Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperre, für manche Quarantäne. Keine KiTa, keine Schule, kein Büro, für viele Menschen heißt das auch: keine Arbeit, kein Geld.
Andere arbeiten rund um die Uhr,
im Krankenhaus, im Pflegeheim oder im Supermarkt. Die einen sind abends nur noch kaputt, manche gehen sich zuhause mal so richtig auf den Geist, und andere sind seit Wochen allein. 
Wie bleiben wir verbunden mit denen,
die zu uns gehören? Die wir jetzt nicht sehen können. Nicht treffen, nicht in den Arm nehmen. Telefonieren – ja, das kann helfen. Aber doch nicht auf Dauer.
Schwer zu verstehen, dass es gerade jetzt der Abstand ist,
die physische Distanz, die uns am meisten schützt. Darum suchen wir neue Formen der Nähe: mit unerwarteten Botschaften im Briefkasten. Mit Kreidebotschaften auf dem Gehweg, beim Plausch über den Gartenzaun oder zum Nachbarbalkon.
Nähe vermitteln, trotz Distanz
das wollen auch diese Gottesdienste. Jesus sagt uns, dass wir seine Jüngerinnen und Jünger sein sollen.
Was würde Jesus jetzt tun?
- das ist deshalb die passende Frage. Für jeden einzelnen von uns.
Wie können wir Glauben, Hoffnung und Liebe stärken.
Christus spricht:
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“
Gott ist mit uns verbunden
 und wir können bleiben bei ihm, zu dem wir gehören. In diesen schwierigen Tagen machen wir uns fest.
Wir brauchen Wurzeln und Haltedrähte,
verbinden uns von neuem mit Gott, unserem Vater, und mit unseren Geschwistern in der Gemeinde. Wir sind Teil eines Ganzen. Das zu spüren tut gut.
Gestatten Sie mir noch ein persönliches Wort zum Schluss:
Viele Rückmeldung haben uns zu den Onlinegottesdiensten erreicht.
 Dafür bedanke mich und das tut gut! Wir spüren in dieser krisenhaften Zeit.
Verwurzelt in Gott und verbunden durch Christus,
das ist ein Grund, der uns tragen kann. Und der uns wachsen lässt. Was auch immer kommen mag. 
Amen.